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Laschet, Merz oder Spahn - wer könnte es?

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Mögliche CDU-Kandidaten - Laschet, Merz oder Spahn - wer könnte es?

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Können sie Kanzler? Die Partei einen? Wie steht es um die Außenwirkung? Zwei Politikwissenschaftler über die drei meistgehandelten möglichen Kandidaten für den CDU-Vorsitz.

Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz (v.l.)
Als mögliche Kandidaten für die AKK-Nachfolge im Gespräch: Jens Spahn, Armin Laschet, Friedrich Merz (v.l.)
Quelle: dpa

Heute, so heißt es, macht Annegret Kramp-Karrenbauer den Anfang: Sie will mit Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz ein erstes Gespräch führen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn sollen folgen. Die scheidende CDU-Chefin will in dieser Woche mit den drei aussichtsreichsten möglichen Bewerbern über ihre Nachfolge und eine mögliche Kanzlerkandidatur reden. Kommende Woche dann will sie den Parteigremien einen Vorschlag zum weiteren Verfahren machen.

Noch hat keiner der drei formell seinen Hut in den Ring geworfen. Zudem könnten sich noch andere Kandidaten anmelden - wie es heute Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, getan hat. Gleichwohl drängen sich zentrale Fragen auf, wenn es um die Besetzung des CDU-Vorsitzes geht:

  • Kann der Kandidat die zerstrittene CDU einen?
  • Kann er Kanzler?
  • Wie steht es um die Außenwirkung?
  • Womit hat er sich bislang besonders profiliert?

heute.de hat mit zwei Politikwisschenschaftlern über die drei möglichen Anwärter gesprochen:

  • mit Andrea Römmele von der Berliner Hertie School. Sie sagt, dass keiner der drei Kandidaten "für einen Neuanfang, für einen neuen Politikstil, für Aufbruch", steht.
  • Und mit Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel. Er sagt, eine neue Führung müsse "im Dreieck zwischen AfD,  Linkspartei und der wahlentscheidenden Mitte eine eigene Integrationsidee und einen neuen Stil praktizieren".

1. Kann der Kandidat die zerstrittene CDU einen?

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Armin Laschet: "Der Kandidat der Parteigremien".
Quelle: Sina Schuldt/dpa

Diese schwere Aufgabe trauen beide Wissenschaftler vor allem Armin Laschet (59) zu. Er moderiere aus der Mitte heraus, sagt Andrea Römmele, hätte es jedoch schwer in den ostdeutschen Landesverbänden, weil seine Politik der von Bundeskanzlerin Angela Merkel gleiche. Wegen seines "großen Machtpotenzials als Regierungschef in Nordrhein-Westfalen und Landeschef der CDU, sei er der Kandidat der Parteigremien", sagt Wolfgang Schroeder. Laschet habe sich als Führungs- und Integrationsfigur bewährt.

Den Gegenpart sehen beide Forscher in Friedrich Merz (64). Für Schroeder ist er "der polarisierendste, profilierteste und pointierteste" Kandidat mit einem "unbedingten Willen zur Macht". Dieser speise sich aus einer alten Verletzung: Seit 2004 die damalige CDU-Chefin Merkel ihn mehr oder weniger aus der Politik drängte, habe Merz "noch eine Rechnung offen", die er begleichen wolle.
Ihm werde "am ehesten zugetraut, an die AfD übergelaufene ehemalige CDU-Wähler zurückzugewinnen", ergänzt Römmele. Er werde die CDU deutlich weiter rechts positionieren als bisher. Ob er mit seiner kantigen und sehr konservativen Ausrichtung den CDU-Laden wirklich zusammenhalten und die Spaltung der Partei verhindern könne, bleibe die große Frage.

Jens Spahn (39) verkörpert nach Ansicht Römmeles "eine neue Art von Konservatismus" und "steht weder im Verdacht zu weit links oder rechts zu sein". Innerhalb der Partei habe er "noch nicht den Rückhalt und das Gewicht, um die Fliehkräfte wieder einzufangen". Schroeder sieht in ihm eine "Reserve für die weitere Entwicklung", denn er besitze heute schon mehr Integrationskraft als Merz.

In der Union ist eine Kontroverse über den Weg zur Kanzlerkandidatenkür von CDU und CSU entbrannt. Aus Sicht von CSU-Chef Markus Söder ist die Entscheidung über den CDU-Vorsitz noch keine über die Kanzlerkandidatur.

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2. Kann der Kandidat Bundeskanzler?

Die Erfüllung dieser Aufgabe, trauen beide Wissenschaftler allen drei Kandidaten zu.

Der "liberale Christdemokrat Armin Laschet dagegen sei "grünkompatibel", sagt Schroeder. Er habe zwar kaum internationale Erfahrung, aber wisse viel mehr als die anderen beiden Kandidaten über Machtausübung und -erhalt, weil er als einziger über Regierungserfahrung verfüge. Mit einer zu früh bekanntgegebenen Kandidatur gehe er allerdings auch das "größte Risiko" ein, erläutert Römmele. Die Opposition in Nordrhein-Westfalen könnte ihn als "Ministerpräsident auf Abruf" vor sich hertreiben.

Friedrich Merz am 13.02.2020 in Berlin
Friedrich Merz: "Ein Macher, der Entscheidungen nicht aus dem Weg" geht.
Quelle: DPA

Friedrichz Merz sei "ein Macher, der Entscheidungen nicht aus dem Weg gehe", sagt Schroeder. Mit seinen Erfahrungen aus dem globalen Finanzbusiness und dem Vorsitz des deutsch-US-amerikanischen Vereins "Atlantikbrücke" bewege er sich sicher auf dem internationalen Parkett. Ob er allerdings mit einem möglichen grünen Koalitionspartner arbeiten könne oder womöglich mit der AfD koalieren würde, sei ungewiss.

Jens Spahn fehlten sowohl internationale als auch nationale Führungserfahrung. Bislang leite er lediglich ein Ministerium, sei aber "anpassungsfähig an Positionen der SPD und der Grünen", sagt Schroeder.

3. Wie ist die Außenwirkung des Kandidaten?

Armin Laschet genieße "große Sympathien in der Bevölkerung und auf Parteitagen", diagnostiziert Römmele. Der Ministerpräsident habe bei vielen schon nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Chefin als "Plan B für einen geordneten Übergang aus der Merkel-Ära" gegolten, sagt Schroeder. Er wäre für die Kanzlerin die "optimalste Variante".

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit
Jens Spahn: Ein "sehr pointierter, innovativer, macht- und gestaltungshungriger Politiker".
Quelle: dpa

Friedrich Merz scheine eine in der CDU herrschende "große Sehnsucht" zu befriedigen nach Männern, die mit Entscheidungsstärke Entscheidungen treffen, sagt Römmele. Allerdings sehnten sich weder die Frauen-Union noch die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft nach solchen Führungsfiguren zurück.

Jens Spahn habe sich als Minister "in kurzer Zeit von vielen Seiten Respekt erworben", sagt die Politikprofessorin von der Hertie School. Er habe "in sehr unruhigen Verhältnissen" als Ressortchef sein Haus "am Laufen" gehalten. Er gelte als "sehr pointierter, innovativer, macht- und gestaltungshungriger Politiker", sagt Schroeder.

4. Womit hat sich der Kandidat bislang besonders profiliert?

Armin Laschet vertritt nach Römmeles Ansicht in der Einwanderungspolitik liberale Positionen, im Vorgehen gegen Clankriminalität greife er jedoch hart durch. Er habe sich als nordrhein-westfälischer Integrationsminister um eine "moderne Bundesrepublik" verdient gemacht, sagt Schroeder.

Bei Friedrich Merz sehen beide Wissenschaftler "wirtschaftspolitische Kompetenz", die ihm in weiten Teilen der CDU zugeschrieben werde. Teile der CDU betrachteten ihn als "Lichtgestalt", obwohl er in den vergangenen Jahren "politisch kaum etwas" bewegt habe, gibt Römmele zu bedenken. Seine Idee, Steuererklärung so zu vereinfachen, dass sie auf einem Bierdeckel passten, sei beispielsweise nie ernsthaft in Erwägung gezogen worden.

Jens Spahn habe sich "seit vielen Jahren als Gesundheitspolitiker in allen politischen Lagern hohe Anerkennung erworben", hebt Schroeder hervor. Allerdings gelte er auch als "ungeduldig", fügt Römmele hinzu. Er versuche konservative Werte mit einer modernen Welt zusammenzubringen.

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