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Söder und Laschet in Seeon - Frieden mit Sollbruchstellen

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Auf der Sitzung der CSU-Landesgruppe in Seeon treffen sich heute auch Laschet und Söder. Nach ihrem Machtkampf zeigt die zur Schau gestellte Einigkeit aber offen Sollbruchstellen.

Zweieinhalb Monate vor der Bundestagswahl kommt die CSU-Landesgruppe zu ihrer Sommerklausur im Kloster Seeon zusammen. Zur Diskussion stehen dann auch Positionen, die von der CDU abweichen.

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Ein Benediktinerkloster also. Von Polit-Inszenierungen verstand die Union schon immer was. Im idyllischen Seeon wollen CSU und CDU die Einigkeit zweier Schwesterparteien demonstrieren, die bei der Kür des Kanzlerkandidaten vor kurzem noch fast zerriss. Die Klausurtagung in Seeon soll für die Union der inoffizielle Wahlkampfauftakt, für Markus Söder und Armin Laschet der Schulterschluss werden.

Doch je näher der Wahltermin rückt, desto sichtbarer werden die Sollbruchstellen eines Burgfriedens, der zuletzt vor allem deswegen hielt, weil die Union genüsslich auf die holprige Wahlkampagne der Grünen blicken und sich zurücklehnen konnten. Corona-Politik, Steuer-Entlastungen, Mütterrente, mögliche Bündnisse nach der Bundestagswahl - an Konfliktfeldern mangelt es aber auch der Union nicht. Und über allem schwebt noch immer der Zweifel am Kandidaten, jedenfalls aus Sicht der CSU.

Schmaler Grat für die CSU

Die bayerische Unionsschwester muss nun Wahlkampf für einen Kandidaten machen, den sie nach wie vor für den schlechteren hält. Ein schmaler Grat für die CSU: so viel Unterstützung für Armin Laschet wie nötig, so viel Distanz wie möglich. Sollte das Wahlergebnis hinter den Erwartungen bleiben, will die CSU vorgebaut haben: Mit Söder wäre es anders gelaufen, wird dann zu hören sein.

Neueste Umfragen machen die CSU-Parteizentrale nervös: 36 Prozent Zustimmung für die CSU weist der Bayerntrend des Bayerischen Rundfunks bei der Sonntagsfrage für die Bundestagswahl aus. 40 Prozent sind das Mindestziel, das hinter den Kulissen erwartet wird.

Deutliche Differenzen zwischen Laschet und Söder

Die große Unbekannte für die Wahlkampfplaner ist und bleibt die Infektionslage. Je höher die Inzidenzwerte klettern, desto dominanter wird Corona als Thema des Wahlkampfes. Und desto schwieriger für die beiden Parteivorsitzenden, geschlossen zu bleiben. Zu unterschiedlich ist ihr Management der Corona-Krise, eine vierte Welle würde die Kluft zwischen München und Düsseldorf wieder vergrößern.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf lieferte CSU-Chef Söder diese Woche, als er auf die Frage nach seiner Meinung zum NRW-Kurs der Öffnungen bei anhaltender Niedrig-Inzidenz nur antwortete: "Also wir machen das nicht." Die Verwunderung über Laschets neuesten Öffnungskurs ist groß in München, vor allem über den Zeitpunkt schütteln viele CSUler den Kopf.

CSU treibt CDU bei der Steuerpolitik

Auch die Steuerpläne für die Zeit nach der Wahl legen offen, wie unterschiedlich die Akzente noch sind. Während Kanzlerkandidat Laschet baldige Steuererleichterungen für Bürger und Unternehmen ausschließt, will die CSU genau mit dieser Ankündigung punkten.

"Wir müssen gerade in Zeiten von Corona die Wirtschaft stärken", so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, CSU. Es gehe darum, Arbeitsplätze zu erhalten.

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Mit Mühe versuchen sie in München und Berlin so zu wirken, als sei man sich einig und die Unterschiede nur im Detail. Zuletzt gelang das immer weniger. "Steuersenkungen sind das Herzstück unserer Steuerpolitik", sagt Söder. "Keine Steuersenkungen im Moment. Dazu haben wir nicht das Geld", sagt Armin Laschet. In der CSU hat Laschets Interview-Äußerung schwere Irritationen ausgelöst.

Die Mütterrente macht den Unterschied

Und schließlich: die Mütterrente. Die CSU macht keinen Hehl daraus, sich genau mit diesem Thema von der CDU abgrenzen zu wollen. Ihre Forderung nach Ausweitung der Mütterrente wird Kernforderung eines eigenen Bayern-Wahlprogramms, das die CSU eine Woche nach der Klausur mit Armin Laschet präsentieren will.

Wir schauen in diesem Wahlkampf auf uns.
CSU-Generalsekretär Markus Blume im ZDF-Interview

Die Dialektik zwischen Abgrenzung von und Gemeinsamkeit mit der CDU gehört zur DNA der Christsozialen. Doch die Wochen des erbitterten Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur haben tiefe Spuren hinterlassen.     

Selbst die Idylle von Seeon wird das nicht vergessen machen. 73 Tage noch bis zur Bundestagswahl - es könnten lange 73 Tage für die Union werden.

Stefan Leifert leitet das ZDF-Landesstudio in München.

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