Sie sind hier:

Geplante Neuordnung - Lebensmittelkontrolle mit Lücken

Datum:

Jährlich erkranken Zehntausende durch Lebensmittel, die mit Erregern belastet sind. Warum versagen die Kontrollen? Neue Vorschriften sind geplant, doch es fehlt Personal.

Listerien in der Wurst, Salmonellen im Ei, Bakterien in der Milch: Die Lebensmittelskandale häufen sich. Drei Todesfälle werden mit dem Fleischskandal der Firma Wilke in Verbindung gebracht.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Anfang Oktober 2019 wurden im großen Stil Wurst und Fleischwaren der Firma Wilke zurückgerufen. Es wurden gefährliche Bakterien nachgewiesen, sogenannte Listerien. Details aus dem Untersuchungsbericht lassen schaudern: Schimmel an Decken und Fußböden, Mäusekot im Kühlraum, Verwesungsgeruch.

Wo Kontrollen versagen: Der Fall Wilke

Nicht nur das Eigenkontrollsystem hat versagt, Wilke wurde auch zu wenig durch die amtlichen Behörden kontrolliert. Der Tod von 25 Menschen wird derzeit als mögliche Folge des Skandals untersucht. Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch warnt seit Jahren vor Lücken im System: "Wir haben ganz grundlegende Schwächen und Gesetzeslücken in unserem Lebensmittelrecht und die müssen endlich geschlossen werden. Ein Skandal wie der Wilke-Fall ist jederzeit wieder möglich."

Aktuell arbeitet die Politik an der Neuauflage einer Vorschrift, die den Rahmen der Lebensmittelüberwachung bildet. Dort wird festgelegt, wie oft Betriebe kontrolliert werden müssen. Genau hier soll sich nun etwas verändern: "Bundesagrarministerin Julia Klöckner will die Anzahl von Pflichtkontrollen in Lebensmittelbetrieben reduzieren; das heißt, Lebensmittelbetriebe sollen routinemäßig seltener kontrolliert werden", erklärt Andreas Winkler von foodwatch.

Es gibt neun Risikoklassen. Bei den ersten fünf Risikoklassen soll die Kontrollfrequenz gesenkt werden. Bei einem Betrieb in der Risikoklasse drei würde das statt zwölf Kontrollen nur vier pro Jahr bedeuten. Die Idee dahinter: Der Fokus soll mehr auf Risikobetriebe gelegt werden, um Kapazitäten für zusätzliche Kontrollen zu schaffen. Doch Experten befürchten, dass die Kontrollen dadurch sinken könnten: Länder und Kreise hätten viel Spielraum, sie können mehr kontrollieren, müssten es aber nicht. Außerdem gäbe es noch ein weiteres Problem: Es mangelt an Personal.

600 Betriebe, ein Kontrolleur

Ein Negativbeispiel ist der Alltag von Mark Blum. Der Lebensmittelkontrolleur aus Essen untersucht unter anderem Kantinen, Kioske und Pizzalieferanten. Seine Aufgaben sind vielfältig: In einem Lebensmitteleinzelhandel kontrolliert er die Kennzeichnung von Produkten, nimmt Waschbecken und Fleischtheke unter die Lupe.

Mark Blum ist für rund 600 Betriebe in Essen verantwortlich, alle kontrollieren kann er nicht. "Unsere Plankontrollen sind überhaupt nicht zu schaffen", erklärt der 32-Jährige. 2018 wurden im Kontrollgebiet Essen nur 54 Prozent der geplanten Kontrollen durchgeführt. Doch die Situation in Essen ist beispielhaft: Der Personalmangel ist seit Jahren ein bundesweites Problem.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.