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"Ohne Hilfe und Hoffnung"

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Augenzeugen aus Moria - "Ohne Hilfe und Hoffnung"

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Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist in großen Teilen abgebrannt. Tausende Flüchtlinge haben alles verloren. Was Helfer und Geflüchtete berichten.

Moria, das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, sollte Platz für 3.000 Menschen bieten – über 12.000 waren dort untergebracht. Jetzt ist das Lager niedergebrannt.

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Omid Alizadah konnte sich und seine Familie rechtzeitig vor den Flammen in Sicherheit bringen. Schon kurz nachdem er von dem Feuer gehört hatte, habe er ein Taxi gerufen, um mit seiner Frau und dem vierjährigen Sohn in die nahe gelegene Stadt Mytilini zu Verwandten zu fahren.

"Alles, was wir jetzt noch haben, sind unsere Dokumente und die Kleidung an unserem Körper", erzählt Alizadah ZDFheute am Telefon. Wieder mussten sie fliehen. Erst vor neun Monaten kam die Familie aus Afghanistan nach Moria, lebten dort seit dem in einem Zelt. Ob es noch steht? Omid Alizadah weiß es nicht.

Bewohner: "Einige haben nicht mal Wasser"

Tausenden Menschen hat das Feuer im Flüchtlingslager Moria das Letzte genommen, was sie noch hatten. Große Teile des Geländes wurden durch die Flammen in der Nacht vollständig zerstört. Die griechische Zivilschutzbehörde verhängte den Ausnahmezustand, die Bundesregierung sprach von einer "humanitären Katastrophe".

Das Flüchtlingslager Moria ist durch einen Großbrand nahezu vollständig zerstört. ZDF-Korrespondent Stefan Leifert über erste Reaktionen aus der EU zu dieser Katastrophe.

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 "Einige, mit denen ich in Kontakt bin, haben nicht mal Wasser", erzählt der 30-Jährige. Tausende harren am Mittag noch an einer Zufahrtsstraße zum Camp aus. Obdachlos und ohne Ort, an den sie hinkönnen. In Deutschland wächst derweil der Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), betroffene Migranten in Deutschland aufzunehmen.

Coronavirus als Auslöser für die Brandstiftung?

Die Behörden vor Ort untersuchten nun, ob es sich um Brandstiftung handeln könnte. Erste Berichte deuteten darauf hin, dass an verschiedenen Stellen des Lagers Feuer ausbrachen, nachdem mehrere Menschen isoliert werden sollten, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Die Menschen, die sich in Quarantäne begeben sollten, seien willkürlich ausgewählt worden, erzählt Omid Alizadah. "Menschen, die gar keine Symptome hatten, sollten in Quarantäne, andere, die offensichtlich krank waren, wurden nicht angesprochen." Deshalb sei es bereits am frühen Abend zu Unruhen gekommen.

Helfer: "Brandstifter sitzen in Europa"

"Uns war völlig klar, dass das hier noch explodiert", sagt Thomas von der Osten-Sacken von der Hilfsorganisation "Stand by me Lesvos". Seit Monaten haben Hilfsorganisationen vor einem Corona-Ausbruch in dem Lager gewarnt. Vergangene Woche wurden jedoch immer mehr Infizierte registriert, weshalb das Lager unter Quarantäne gestellt wurde.

"Für mich sitzen die Brandstifter in Europa", sagt der Helfer im Gespräch mit ZDFheute. "Sie sitzen in Brüssel und Berlin und überall, wo man sich geweigert hat, die Situation hier als Problem zu behandeln."

"Zu den Ursachen kann man noch nichts sagen", so der ZDF-Korrespondent Andreas Postel.

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Seit Jahren fordern Hilfsorganisationen die Auflösung der Anlage, die eigentlich nur Platz für 2.800 Menschen bietet. Immer wieder brennt es, immer wieder rebellieren Menschen wegen unwürdiger Zustände.

Einziges Ziel der Geflüchteten ist Sicherheit

Thomas von der Osten-Sacken ist am Morgen einmal durch das Camp gelaufen, um sich ein Bild von der Zerstörung zu machen. "An der einen Stelle sieht die Landschaft aus wie Hiroshima", berichtet er. Andere Regionen seien gar nicht betroffen. Jetzt hat er Angst vor Plünderungen. "Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Kriminellen. Aber der Großteil der Menschen hier ist einfach nur müde, sie können nicht mehr".

Der 30-Jährige Omid Alizadah möchte jetzt so schnell wie möglich wieder zurück ins Camp, um nach seinem Zelt zu sehen und beim Aufräumen zu helfen. Er sagt, die Ablenkungen wird ihm gut tun, denn eigentlich ist er am Boden zerstört.

Wir haben keine Hilfe, wir haben keine Hoffnung.
Omid Alizadah

"Unser einziges Ziel ist es doch, einfach nur in Sicherheit zu sein", sagt er noch, bevor er auflegt. In Moria hat er diese Sicherheit nicht gefunden.

Brand in Flüchtlingslager Moria -
Lager zerstört - Tausende Menschen obdachlos
 

Mehrere Brände haben das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos zerstört - und mehr als 12.000 Menschen obdachlos gemacht. Es wurde ein Ausnahmezustand verhängt.

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