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Kommentar zum Brand in Lesbos - Europa, du hast nichts verstanden

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Das Ticken der Zeitbombe Moria war sehr laut. Wer wollte, konnte es schon lange hören. Wollten viele in Brüssel und Berlin aber nicht! Ein Kommentar.

Jetzt ist es passiert. Moria, das Flüchtlingslager auf Lesbos, ist abgebrannt. Das Ticken dieser Zeitbombe war so laut, man konnte es bis zum europäischen Festland hören. Bis nach Berlin und Brüssel. Jetzt ist die Zeitbombe geplatzt. Und das Entsetzen ist groß. Zurecht ist es das! Aber spart euch eure Krokodilstränen.

Die Katastrophe war absehbar. Und sie war vermeidbar.

Viele Warnungen, viele Hilfsangebote

Es hat an Warnungen nie gefehlt. Jeder, der in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln war, hat Schlimmes berichtet. Hilfsorganisationen, Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien, Kirchenvertreter. Alle sagten hinterher: Die hygienischen Zustände sind schlimm, menschenunwürdig. Die Menschen oft krank und unversorgt, ohne Perspektive. Das soll Europa sein?

Es hat auch an Hilfsangeboten nie gefehlt. Wer aus Griechenland zurückkam, rührte die Trommel. Rund 170 Städte sagen seit Monaten: Wir würden Menschen von dort aufnehmen. Nicht eine alle, aber jeder ein paar, so dass am Ende alle zusammen nicht überfordert sind. Drei Länder, Thüringen, Bremen und Berlin, wollten eigene Landesprogramme aufstellen. So wie einst Baden-Württemberg den jesidischen Frauen geholfen hatte. Immer kam das Veto aus Berlin.

Berlin: 13.000 Stühle auf dem Rasen vor dem Reichstag.

Aktion für Flüchtlingsaufnahme - Tausende Stühle vor dem Reichstag aufgestellt 

Dreizehntausend weiße Stühle haben mehrere Organisationen vor dem Reichstagsgebäude platziert - symbolisch für die Menschen im griechischen Flüchtlingslager Moria.

Am Dienstag erst hatten die Grünen 13.000 Stühle vor den Reichstag gestellt, um zu zeigen: Wir haben Platz. 13.000 Menschen könnten die Städte der Seebrücke aufnehmen. Lob für die Aktion kam von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Europa müsse endlich was tun, fordert Bundesaußenminister Heiko Maas, Norbert Röttgen von der CDU auch, und viele andere quer durch alle Parteien. Viele Krokodilstränen. Und einige zeigen mit dem Finger auf Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Seehofers harte Haltung

Seehofer, der Buhmann? Ja und Nein. Seine harte Haltung gegenüber den Städten, gegenüber den Ländern mag ordnungspolitisch richtig sein. Der Bund entscheidet über die Flüchtlingsaufnahme, nicht Länder, nicht Kommunen allein. Sie mag auch verhandlungstaktisch richtig sein.

Hätte er erlaubt, einzelne Flüchtlinge aufzunehmen, hätte das seine Verhandlungsposition in Europa geschwächt. Jedenfalls hat Seehofer immer wieder gesagt, er wolle während der EU-Ratspräsidentschaft einen neuen Modus für die Verteilung der Menschen erreichen.

Es mag dagegen für Seehofer sprechen, dass der Bund ziemlich geräuschlos Hunderte kranke Kinder und ihre Angehörigen in den vergangenen Monaten aus dem Lager geholt hat. Immer mit dem Schlingerkurs:

Helfen ja, aber bloß nicht zu laut und nicht zu viel, damit die AfD kein neues Thema bekommt.

Alle, die in Moria und den anderen Lagern waren, haben Seehofer gesagt: Die Kinder reichen nicht. Die Situation ist viel, viel schlimmer, mehr als 12.000 Menschen lebten geschätzt am Ende in dem für rund 2.800 ausgelegten Lager. Menschen, die vielleicht sogar, wenn es denn stimmt, Brände selbst gelegt haben, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Wie verzweifelt muss man sein?

EU bietet Moria Hilfe - zu wenig

Moria ist abgebrannt, und mit ihm das, was man Anstand, Herz, Mitgefühl nennt. Die EU-Kommissarin Ylva Johansson schreibt auf Twitter, die EU habe nun Geld bereitgestellt, um 400 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufs Festland zu holen. Norwegen bietet an, 50 aufzunehmen.

Europa, du hast nichts verstanden.

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