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ZDF-Sommerinterview im Check - Christian Lindner: der Klima-Wandler?

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"Erfinden" statt "verbieten": Christian Lindner hat im ZDF-Sommerinterview die FDP als Klimaschutz-Partei präsentiert. ZDFheute macht den Realitätscheck zu Lindners Klima-Aussagen.

Der FDP-Chef fordert im ZDF-Sommerinterview von der Bundesregierung, die "moralische Verantwortung" in Afghanistan zu übernehmen und schnell zu evakuieren.

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FDP-Chef Christian Linder will den Klimawandel mit Innovation und nicht mit Verboten voantreiben: "Wir wollen mehr Freude am Erfinden als am Verbieten in unserem Land", erklärte er. Doch wie realistisch sind seine Vorstellungen?

Mehr synthetisches Benzin, weniger Elektro

Das Wahlprogramm der FDP zum Thema Klima enthält einige Überraschungen. Die FDP ist gegen Subventionen für Elektroautos und gegen ein frühes Ende von Verbrennermotoren. Im ZDF Sommerinterview begründet Lindner das so: "(In) den Verbrennungsmotor können wir auch synthetisches Benzin, das mit erneuerbarer Energie in Chile produziert wird, einfüllen. Und das müssen wir auch, denn wir haben ja Millionen Autos auf den deutschen Straßen. Wenn wir warten, bis die alle durch elektrische Autos ersetzt sind, dann haben wir die Zeit verloren."

Lindner will also den CO2-Ausstoß bei Autos in erster Linie durch die Umstellung auf synthetisches Benzin reduzieren. Aber ist das realistisch?

ZDFheute sprach dazu mit Prof. Ortwin Renn, Nachhaltigkeitsforscher am IASS in Potsdam. Renn ist Mitglieder der nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und war u.a. auch Mitglied der von Bundeskanzlerin Angela Merkel berufenen Ethikkommission "Zukunft der Energieversorgung".

Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, und Christian Lindner, Vorsitzender der FDP, diskutieren wie die Klimaziele noch erreicht werden können.

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Renn sagt, synthetische Kraftstoffe hätten durchaus einen Markt. Aber sie sind "im Moment wesentlich teurer als die batteriebetriebenen Fahrzeuge. Das heißt hier einen wirklich großen Durchbruch zu haben in Richtung auf private PKW, das sehe ich im Moment nicht." Es gebe derzeit auch schlicht zu wenig synthetischen Kraftstoff. 

Fazit des Forschers: "Ich würde da nicht meine ganze Hoffnung daraufsetzen."

Verschärfte Klimaziele, aber nie umgesetzt

Lindner behauptet im ZDF Sommerinterview außerdem: "2009, 2010 hat die von der FDP mitgetragene Bundesregierung die deutschen Klimaziele verschärft. Die sind verschärft worden gegenüber dem, was von Rot-Grün und der vorherigen großen Koalition beschlossen war."

Damit hat Lindner recht. Die Klimaziele wurden im schwarz-gelben Koalitionsvertrag von 2009 ihn der Tat verschärft. Aber: Dieses Versprechen wurde von den FDP-Wirtschaftsministern nicht umgesetzt. Der damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle wehrte sich zum Beispiel 2010 vehement gegen EU-Pläne, mehr CO2 einzusparen. "Wir müssen uns mehr Zeit lassen", fand Brüderle. "Ein Vorpreschen bringt keine Entlastung für das Weltklima und kostet nur Arbeitsplätze." 

Der neue Weltklimabericht zeigt die drastischen Folgen der menschengemachten Erwärmung der Erde. ZDFheute live spricht über die Bedeutung und wie unser Klima noch zu retten ist.

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So ging es weiter mit seinem Nachfolger Philipp Rösler. Statt mehr Klimaschutz wollte Rösler mehr Kohlekraftwerke. Er ließ sein Ministerium dafür sogar eine eigene Werbekampagne entwerfen: "Kraftwerke? Ja bitte!"

Auch Lindner selbst trat bislang eher als Klima-Bremser auf. Die protestierenden Jugendlichen von "Fridays for Future" rügte er 2019: "Das ist eine Sache für Profis." Im gleichen Jahr erklärte er:

Man kann nicht die Probleme von 2040 schon 2020 lösen. Das ist auch eine Sache der freien Lebensweise.
Christian Lindner, FDP-Chef

Lindners Versuch im Sommerinterview, die FDP als Partei darzustellen, die schon lange für den Klimaschutz kämpft, hält einem Realitätscheck also nicht stand.

Lindners Ziele: weder ambitioniert noch realistisch genug

Die FDP fordert heute für den Klimaschutz einen sogenannten "harten CO2-Deckel", also eine schrittweise Verknappung von Verschmutzungsrechten. Gegen ein solches Verfahren hatte FDP-Mann Rösler 2013 noch massiven Widerstand geleistet. Nun ist es Kern des Klima-Wahlprogramms, ebenso wie die Hoffnung auf Innovationen, um die CO2-Ziele zu erreichen.

Klimaforscher Renn findet den Ansatz nicht verkehrt. Aber:

Ich glaube, die Rahmenbedingungen allein über den CO2-Preis oder über den Emissionshandel zu setzen, wird aus meiner Sicht nicht ausreichen.
Prof. Ortwin Renn, Nachhaltigkeitsforscher am IASS in Potsdam

Allein auf den Markt und auf Innovation zu setzen, sei nicht genug. "Die FDP wird in der Zeit, die wir haben, auch bis 2050 allein mit dem Markt da nicht weiterkommen."

In der "Welt" behauptete Lindner Ende Juni gar, FDP habe damit das "ambitionierteste Klimaschutz-Programm in Deutschland". Der ZDFheute Realitäts-Check zeigt aber: Lindners Pläne sind weder ambitioniert noch realistisch genug, um die Klimaziele zu erreichen.

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