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Die Linke-Parteivorsitz - Die Kandidaten im Check

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Heute entscheidet sich, wer Katja Kipping und Bernd Riexinger als Parteivorsitzende der Linke beerbt. Ein Überblick über die Kandidaten Hennig-Wellsow, Wissler, Skott und Pflanz.

DIE LINKE sucht eine neue Parteiführung. Bewerberinnen sind Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler. Ebenfalls beworben haben sich Torsten Skott und Reimar Pflanz.

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Ursprünglich sollte die neue Parteispitze der Linken schon seit vergangenem November feststehen. Aber wegen der Corona-Pandemie musste der in Erfurt geplante Parteitag dann ausfallen. Die Linke werde ihren Vorstand im Februar 2021 wählen "und mit einem starken Signal das Wahlkampfjahr einläuten", hieß es damals in einer Pressemitteilung der Partei.

Heute ist es so weit: der zweite Anlauf für die Wahl der Parteispitze. Die bisherigen Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger geben das Ruder nach acht Jahren im Amt ab, so sieht es auch die Parteisatzung vor.

Als Nachfolgerinnen haben sich Thüringens Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow und Hessens Fraktionschefin Janine Wissler beworben. Aber auch Torsten Skott und Reimar Pflanz kämpfen um den Parteivorsitz. Ein Überblick, wofür die Kandidaten stehen:

Susanne Hennig-Wellsow

Susanne Hennig-Wellsow, Fraktionsvorsitzende Die Linke, spricht in Erfurt zu Journalisten am 14.01.2021
Susanne Hennig-Wellsow sucht neue Herausforderungen - auch auf Bundesebene. (Archivbild)
Quelle: dpa/Bodo Schackow

Wer ist die Thüringerin, die Bundesvorsitzende der Linken werden will? Eine Frau, die Blumen wirft. Bundesweit bekannt wurde Susanne Hennig-Wellsow, als sie im Februar 2020 Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag den Blumenstrauß vor die Füße warf. Die Wahl Kemmerichs mit Stimmen von CDU und AfD bezeichnete die Partei- und Fraktionschefin der Thüringer Linken als "Pakt mit dem Faschismus".

Schon 2014 hat die heute 43-Jährige an der Seite Bodo Ramelows die erste rot-rot-grüne Landesregierung mit konstruiert und zusammengehalten. Im Brennglas Thüringen, das nun von der ersten rot-rot-grünen Minderheitsregierung, gestützt von der CDU, regiert wird, hat Susanne Hennig-Wellsow gelernt, Mehrheiten zu organisieren - auch wenn es ideologisch schmerzt. Das Kemmerich-Desaster soll sich nicht wiederholen. Sie nennt es den kleinsten politischen Nenner.

Eisschnellläuferin und Disziplin

Geboren in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern, zog die Familie in den 1980er-Jahren mit ihr nach Erfurt. Hier wurde Hennig-Wellsow Leistungssportlerin und legte ihr Abitur als Eisschnellläuferin ab. Disziplin, sagt sie, habe sie in dieser Zeit gelernt. Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften kam die Kommunal- und Landespolitik. Seit 2013 führt sie die Linke in Thüringen, erst in der Opposition, dann in der Regierung.

Verantwortung übernehmen - auch im Bund

Damit soll es, wenn es nach der 43-Jährigen geht, auch im Bund klappen: Rot-Rot-Grün.

Ich brauche eine neue Herausforderung und würde auch gerne den Thüringer Weg auf die Bundesebene tragen, in unsere Partei, um damit auch meinen Teil dazu beizutragen, dass die Linke im Bund stärker wird.
Susanne Hennig-Wellsow

Sollte sie Co-Vorsitzende der Linken werden, will Susanne Hennig-Wellsow den Landes- und Fraktionsvorsitz in Thüringen abgeben und für den Bundestag kandidieren.

Janine Wissler

Die Vorsitzende der Linken-Fraktion, Janine Wissler, in der Corona-Sondersitzung des hessischen Landtags in Wiesbaden am 31.10.2020, Archivbild
Janine Wissler bringt Erfahrung mit - sie ist seit 2007 im Bundesvorstand der Linken. (Archivbild)
Quelle: dpa/Thomas Frey

Was andernorts zum Weghören, zum gelangweilten Gähn-Unterdrücken gerät, das macht Janine Wissler zur Lehrstunde und zum Meisterkurs: die Begrüßung von Gästen, etwa beim Neujahrsempfang der hessischen Linken. Seien es Einzelpersonen, Verbände, Gewerkschaften, Initiativen: Für jeden hat Janine Wissler einen treffenden Satz, ein wertschätzendes Adjektiv, eine persönliche Geste der Zusammengehörigkeit. Nichts wiederholt sich, es macht ihr Freude. Sie kennt jeden Namen, jede Begebenheit. Das Wort, die Sprache, die Rede, die geschliffene Rhetorik, die geübte Dialektik – ihre Mittel in der politischen Auseinandersetzung. Dafür wird sie vom politischen Gegner gefürchtet und beneidet.

Wissler versteht es, ihre Standpunkte zu vertreten

Was links bedeutet, daran lässt Wissler keinen Zweifel: antifaschistisch, antikapitalistisch, antiimperialistisch, antimilitaristisch, für Frieden, Gerechtigkeit und gleiche Bildungschancen - der ganze Kanon von Parolen und Transparenten einer Großdemo linker Initiativen scheint in einer Person vereint.

Janine Wissler gelingt es, ihre Standpunkte an die jeweilige Situation angepasst zu formulieren, ein wenig zu glätten, nur der bisweilen funkelnde Blick lässt die Brisanz und Schärfe des Kerns erkennen. Falls die Linke - wie bei den durch einen Fraktionskollegen angemeldeten und in pure Gewalt umgeschlagenen Blockupy-Protesten zur EZB-Eröffnung von 2015 - im Zentrum der Kritik steht, dann wird ihre Wortwahl zurückhaltend und defensiv.

Durch Ehrgeiz an die Spitze

In berauschendem Tempo stürmt Wissler an die linke Spitze: mit 23 Jahren Gründungsmitglied der WASG, die sich 2007 mit der PDS zur Linken verband. Seitdem ist Janine Wissler im Bundesvorstand, 2008 zieht sie als jüngste Abgeordnete in den hessischen Landtag ein und wird kurz darauf eine der beiden Fraktionsvorsitzenden. Knapp gescheitert damals eine rot-grüne Minderheitsregierung mit Andrea Ypsilanti (SPD) unter linker Duldung. Knallhart, präzise und detailliert ihre Fragen im NSU-Untersuchungsausschuss; mehr als einmal fühlen sich Behördenvertreter, Ermittler und Ministeriale von Wissler vorgeführt.

Angreifbar hat sie sich gemacht durch ihre Mitgliedschaft im innerparteilichen trotzkistischen Netzwerk "Marx21", das vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Nach der Bewerbung um den Parteivorsitz im September 2020 zieht sie sich aus "Marx21" zurück.

Ihr Privatleben schützt Janine Wissler gut; einzig an ihrer Leidenschaft für Eintracht Frankfurt und anspruchsvolle Bergtouren lässt sie die Öffentlichkeit hin und wieder teilhaben.

Torsten Skott

Aufnahme von Torsten Skott (Linke), Archivbild
Torsten Skott ist überzeugt, dass er den verloren gegangenen Kontakt zur Basis wiederherstellen kann.

Die Partei brauche jetzt genauso einen Menschen wie ihn, sagt Torsten Skott. Der heute 47-jährige Schweriner ist früh in die PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) eingetreten, hat Plakate geklebt und Straßenwahlkampf betrieben - immer nah am Wähler.

Er wird in den Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern gewählt und gibt doch im Jahr 2000 sein Parteibuch zurück - enttäuscht, dass es seiner Meinung nach damals nur um Posten gegangen wäre, nicht um Menschen.

Gegenmodell zu den Favoritinnen

Die Diagnose Multiple Sklerose bringt den jungen Mann für Jahre aus dem Tritt, auch politisch wird es ruhig um ihn.

Seit 2020 ist er wieder da: Die Probleme der Pandemie und ihre Folgen für die Menschen, die ohnehin schon mit prekären Jobs und Benachteiligungen zu kämpfen haben, lassen ihm keine Ruhe. Er tritt wieder in die Partei ein. Und wirft als Außenseiter seinen Hut in den Ring - überzeugt, dass gerade er den verloren gegangenen Kontakt zur Basis wiederbeleben könne.

Ich bin schwul, behindert, habe Multiple Sklerose und bin EU-Rentner. Und ich bin auch noch links. Also ich bin ja mehrfach diskriminiert und normalerweise die Idealperson als Vorsitzender für solch eine Partei.
Torsten Skott

Warum? "[...] weil alles, was wir kritisieren und alles, was wir besser machen wollen, ja genau das ist, wo ich drin lebe", erklärt Skott. Trotz der starken Konkurrenz durch Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler hält er seine Kandidatur nicht für aussichtslos. Sollte er gewählt werden, wolle er gleich am 7. März bei der Bundesvorstandssitzung sein dringendstes Thema auf den Tisch bringen: den Mindestlohn von 15 Euro.

Reimar Pflanz

Aufnahme von Reimar Pflanz (Linke), Archivbild
Reimar Pflanz rechnet sich keine großen Chancen aus. Er hat sich trotzdem beworben, auch weil es zu wenig Wettbewerb gebe.

In seiner Partei ist Reimar Pflanz nur wenigen bekannt. Ein Grund dafür könnte sein, dass der heute 50-jährige Brandenburger erst 2017 in die Partei eingetreten ist. Warum aber so spät? Er sagt, Sorgen hätten ihn dazu bewegt, dass es zu einer militärischen Konfrontation mit Russland kommen könnte und die Erkenntnis, dass momentane Probleme nicht mit einer wachstumsbasierten Wirtschaft zu lösen seien.

Pflanz setzt nicht auf Sieg, aber will seine Partei aufrütteln

Chancen auf Erfolg sieht er nicht. Aber trotzdem hat er sich beworben, denn es gebe zu wenig Wettbewerb. Die Sieger seien schon gesetzt. Er will nichts Geringeres als die Linke aufrütteln. In seinen Augen fehlen momentan Inhalte, Ideale und Visionen.

Er wünscht sich, dass die innerparteiliche Kommunikation ehrlicher wird und ewige Debatten einen Abschluss finden. Die Linke soll nicht für die Menschen, sondern mit den Menschen agieren; kein elitärer Club sein, sondern sichtbar und anfassbar werden, so Pflanz.

Konkretere Ziele, klare Positionen

Die Linke habe keine Stammtische mehr, das gehe so nicht, sagt Reimar Pflanz. Reformen seien dringend nötig. Von der Notwendigkeit eines sozial ökologischen Systemwechsels werde gesprochen, aber das reiche nicht aus, solche Ziele müssten konkreter gefasst werden. Pflanz fordert von der Linken eine klare Position: Regierung oder nicht? NATO-Mitgliedschaft - ja oder nein?

Geboren wurde Reimar Pflanz im Jahr 1971 in Berlin-Ost. Er machte sein Abitur an der Erweiterten Oberschule. Nach der Wende studierte er Gebäudetechnik an der TU Berlin. Ohne Wende hätte er Atomkraftwerkstechnik studiert. Der freiberufliche Ingenieur arbeitet und wohnt in der Märkischen Schweiz, östlich von Berlin. Reimar Pflanz ist verheiratet und hat drei Kinder.

Superwahljahr 2021: Die Linkspartei legt Kernpunkte fest und fordert mehr Arbeitnehmerrechte, mehr Sozialhilfe und eine Vermögensabgabe für Millionäre.

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