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Spitzenduo Wissler und Bartsch : Linke heute mal harmonisch - fast

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Die Linke setzt im Wahlkampf auf Janine Wissler und Dietmar Bartsch. Das Spitzenduo präsentiert beide Flügel der Partei. Doch der Richtungsstreit ist damit kaum versöhnt.

Janine Wissler und Dietmar Bartsch gehen als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf.
Die Linke geht mit dem Duo aus Parteichefin und Fraktionschef in den Bundestagswahlkampf.
Quelle: epa

"Ist doch flach hier", entfuhr es Dietmar Bartsch, als er mit Janine Wissler ans Podium tritt. Er meinte wohl die etwas niedrige Höhe des Podiums für den gut 1,90 Meter großen Mann. Wohl kaum die heutige Kür der beiden zu Spitzenkandidaten der Linken im nächsten Bundestagswahlkampf.

Beide wurden am Montag vom Pateivorstand mit knapp 87 Prozent nominiert. Damit setzt die Linke auf ein Duo, das sich nicht nur in der Größe unterscheidet.

Wissler steht für Westen, Bartsch für Osten

Mit Janine Wissler - Frau, 38 Jahre alt, Westen (Hessen) - und Dietmar Bartsch - Mann, 63, Osten (Mecklenburg-Vorpommern) - sind zwei an die Spitze gesetzt worden, die erst einmal beide Flügel der Partei präsentieren.

Sie spricht viel vom Klima, Feminismus, strukturellem Rassismus, Klimagerechtigkeit. Alles Themen, die auf die großstädtische Mitte zielen. Er spricht viel von Lohngerechtigkeit, von Arm und Reich, Steuer- und Rentenreforn, Perspektiven für die Arbeitenden in Branchen im Umbruch, wie der Energie- und Autoindustrie. Alles Themen, die auf das Stammklientel zielen.

Doch das alles, sagte Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow, habe bei der Auswahl der beiden keine Rolle gespielt. Beide "verkörpern unseren Anspruch".

Ziel: Zweistelliges Wahlergebnis

Der Anspruch der Linken ist im Herbst ein zweistelliges Wahlergebnis. Derzeit liegt die Partei in den Umfragen zwischen 6 und 8 Prozent. Auch wenn das Wahlprogramm bislang nur ein Entwurf ist, steht einiges schon fest: Die Linke ist für einen Mindestlohn von 13 Euro, sie wollen Klimaneutralität ab 2030, die Rente mit 67 soll abgeschafft werden, einen Mietendeckel bundesweit eingeführt und die Mieten für sechs Jahre eingefroren werden.

Das Land, so Bartsch, stecke in einer "Vertrauens- und Demokratiekrise". Die Löhne müssten steigen:

Leistung muss sich wieder lohnen, klatschen allein reicht nicht.
Dietmar Bartsch

Außerdem sei ein umfangreiches Programm für die Modernisierung des Staates notwendig, eine Art "Marshallplan für die öffentliche Infrastruktur". Genaue Zahlen für dieses Investitionsprogramm nannte er nicht. Aber: "Wir sind nicht die Partei der Stellschrauben", so Bartsch.

Das sieht auch Wissler so:

Es geht nicht um kleine Korrekturen, es geht um einen Richtungswechsel.
Janine Wissler

In der Klimapolitik wolle man die "verlorene Zeit aufholen". Waffenexporte müssten gestoppt und Abrüstung beginnen. "Wir wollen andere politische Mehrheiten", so Wissler.

Bartsch: Bedingung für Koalition "albern"

Ob und in welchem Bündnis die Linken ihre Politik ab Herbst umsetzen könnten, ist derzeit völlig offen. Bartsch rechnet damit, dass durch den Kampf zwischen Grünen und Union "für uns wieder Platz frei wird". Die Lage sei derzeit völlig "volatil".

Dass man sich inhaltlich nah an der SPD bewege, sei zwar richtig. "Es freut uns", so Bartsch, wenn auch andere "die soziale Schieflage" erkennen. Die SPD habe aber durch ihre lange Regierungszeit "ein Glaubwürdigkeitsproblem".

Am Wochenende hatte Wissler die Forderung von Grünen-Chef Robert Habeck zurückgewiesen, die Linke müsse für eine mögliche Koalition den Nato-Ausstieg fallen lassen. Solche Bedingungen seien "albern", sagte Bartsch.

Kein Frieden im Richtungsstreit in Sicht

Die Front gegen die anderen scheint also geschlossener als der Richtungsstreit innerhalb der Partei. Vor allem Sahra Wagenknecht hatte in jüngster Zeit befürchtet, die Linke verliere zunehmend an Wählerzustimmung, weil sie die Menschen nicht mehr erreiche.

Wissler sagte heute dagegen, die Linke stehe an der Seite von "Gewerkschaften, Fridays for Future, Black lives matter, Omas gegen Rechts, Seebrücke und der neuen feministischen Bewegung".

Wagenknecht werde im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen, sagte Bartsch. Aber, mit Verweis auf Wisler:

Die Orientierung in diesem Wahlkampf wird durch uns beide bestimmt
Dietmar Bartsch

Zumindest heute war die Linke um Harmonie bemüht. Als der Moderator die beiden zum Fototermin bat, flüsteren und kicherten Bartsch und Wissler. "Weil das Mikrofon aufgeschaltet ist, kann ich meine ganzen despektierlichen Bemerkungen vergessen", sagte Bartsch. "Jacket auf oder zu?", hört man ihn noch fragen.

Und schwupps - war der Ton weg.

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