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Lockerungen in Italien - Kritik an Contes Corona-Plänen

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Schritt für Schritt mehr Freiheit und bis Juni keine Restaurant-Besuche: Für Roms Lockerungen hagelt es aus Italiens Wirtschaft und Kirche vor allem eines - harsche Kritik.

TV-Ansprache von Giuseppe Conte.
Sein Corona-Plan kam nicht nur gut an: Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte
Quelle: Fabio Sasso/ZUMA Wire/dpa

Rund sieben Wochen nach Erlass von Ausgangsverboten, die deutlich strenger als in Deutschland sind, hatten viele Menschen auf mehr und schnellere Erleichterungen gehofft. Solchen Wünschen erteilte Ministerpräsident Giuseppe Conte mit seinem Stufenplan eine Absage. Auf einen Friseur-Termin und Wochenendausflüge in andere Regionen müssen die Italiener noch lange warten.

Experte vermisst Angaben zu Corona-Apps

Phase zwei im Kampf gegen das Coronavirus soll im Mai mit dem Anlaufen der Arbeit in vielen Produktionsbetrieben, ob Mode, Textil, Bau oder Auto, beginnen. Für die 60 Millionen Menschen soll es dann etwas mehr Freiheiten geben: etwa beim Sport draußen und für Besuche bei Verwandten in der eigenen Region. Für persönliche Treffen und für das Nutzen von Bussen und Bahnen fordert Rom das Tragen von Atemschutzmasken. Selbst in Familienrunden bleibe der Abstand von einem Meter wichtig.

Der Italien-Experte des Beratungsinstituts Teneo, Wolfango Piccoli, kritisierte: Die groß angekündigte zweite Phase zum Umgang mit dem Coronavirus sei auf eine "Phase 1,5" geschrumpft. Wie andere Experten bemängelte Piccoli das Fehlen von Angaben zu den viel diskutierten Warn-Apps und zum Nachverfolgen von Infektionsketten.

Weitere Etappen der Öffnung sind der 18. Mai, wenn zum Beispiel die Museen wieder zugänglich werden, und der 1. Juni.

Gastronomie und Einzelhandel enttäuscht                                                  

Die Gastronomie protestierte am Montag gegen den Beschluss, dass Bars und Restaurants erst ab Anfang Juni voll loslegen dürfen. Noch einen Monat länger zu schließen, bedeute weitere neun Milliarden Euro an Verlusten.

Das Maß ist voll!

..., schrieb der Verband Fipe, der über 300.000 Betriebe vertritt. Manche Italiener halten "ihre Bar" für beinahe überlebenswichtig. Nun erlaubte Rom den Lokalen ab Mai zumindest den Außerhaus-Verkauf.

Ähnlich enttäuscht äußerte sich der Einzelhandel. Die Masse der Geschäfte, zum Beispiel Modeläden, darf erst ab dem 18. Mai öffnen. Confcommercio-Verbandschef Carlo Sangalli warnte, jeder Tag mit Corona-Sperre koste die Branche Geld und Jobs.

Die katholische Kirche Italiens bemängelte, dass Gottesdienste mit Gläubigen weiter verboten sind. Die Regierung teilte dazu mit, dass die Frage der Messen "in den nächsten Tagen" überprüft werde.

Italiens Schulen bleiben bis September geschlossen

Viele Menschen stöhnen nach Wochen im Lockdown am meisten, dass sich im Corona-Alltag zu wenig ändert. Zwar dürfen sie wieder ungehindert Joggen und Radfahren - doch nur alleine oder mit zwei Meter Abstand.

Es gibt mehr Möglichkeiten, sich in der eigenen Region zu bewegen, aber nicht über Regionsgrenzen hinweg. Friseure öffnen erst im Juni, die Schulen sogar erst nach den Sommerferien im September.

Wann die Italiener ihre volle Bewegungsfreiheit zurückbekommen, war unklar. Der Regierungschef warnte, sich trotz positiver Signale  jetzt nicht über Verbote hinwegzusetzen. Sonst müsse das Rad der Lockerungen zurückgedreht werden. Rom hatte die Ausgangsbeschränkungen am 10. März verhängt.

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