Großbritannien: Truss feuert Finanzminister Kwarteng

    Kritik an Haushaltsplänen:Truss feuert Finanzminister Kwarteng

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    Er war sechs Wochen im Amt: Nach massiver Kritik an seinen Haushaltsplänen muss der britische Finanzminister Kwarteng seinen Posten räumen.

    Die britische Premierministerin Liz Truss hat ihren Finanzminister Kwasi Kwarteng entlassen. "Sie haben mich aufgefordert, als ihr Finanzminister zurückzutreten. Ich habe akzeptiert", schrieb Kwarteng auf Twitter. Der Schritt am Freitag kommt kurz vor einer erwarteten Kehrtwende bei den geplanten Steuerplänen der Regierung. Nachfolger wird der frühere Außen- und Gesundheitsminister Jeremy Hunt.

    Kwarteng hatte auf Finanzmärkten für Unruhe gesorgt

    Kwarteng hatte im vergangenen Monat ein drastisches Maßnahmenbündel von Steuersenkungen bis hin zum Einfrieren von Strom- und Gaspreisen angekündigt, mit dem die britische Regierung das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die hohe Inflation dämpfen wollte.
    Das milliardenschwere Paket hatte auf den Finanzmärkten für Unruhe gesorgt, da die Gegenfinanzierung unklar ist und Anleger eine hohe Staatsverschuldung fürchten. Das britische Pfund fiel auf einen beispiellos niedrigen Kurs im Vergleich zum Dollar, Zinsen für Staatsanleihen schossen in die Höhe.
    Die Bank of England sah sich gezwungen, auf den Anleihemärkten einzugreifen, um die Finanzstabilität zu wahren - sie kündigte aber bereits an, ihre Intervention am Freitag zu beenden. Mittlerweile kündigte Kwarteng an, zumindest die geplanten Steuererleichterungen für Topverdiener zu streichen.

    Offener Widerspruch auch unter Konservativen

    Die Turbulenzen führten bereits zu Spekulationen über eine Kabinettsumbildung oder gar eine Ablösung der erst seit gut fünf Wochen amtierenden Premierministerin Truss. Denn auch in den Reihen der konservativen Regierungspartei hatten die Pläne für Kopfschütteln und offenen Widerspruch gesorgt.
    Der Chef des Finanzausschusses im britischen Parlament, Mel Stride, sprach sich am Freitag für eine rasche Überarbeitung der Finanzpläne aus. Notwendig sei ein "starkes Signal an die Märkte, dass die Glaubwürdigkeit in Haushaltsfragen zurück ist", sagte Stride der BBC. Es müsse "jetzt etwas getan werden" statt mit der Vorlage des Finanzplans wie bislang vorgesehen bis zum 31. Oktober zu warten.
    Die britische Premierministerin Liz Truss hat erst Steuersenkungen angekündigt und sie nach massiver Kritik wieder zurückgenommen - ein mindestens holpriger Start in Sachen Wirtschaftspolitik.05.10.2022 | 2:06 min
    Quelle: AFP, Reuters, dpa

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