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Luxemburg hat jetzt einen kostenfreien ÖPNV

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Nachhaltige Mobilität - Luxemburg hat jetzt einen kostenfreien ÖPNV

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Keine Tickets mehr für den ÖPNV - mit diesem Weg will Luxemburg Vorreiter sein bei zukunftsorientierter Mobilität. Und dem Finanzhotspot auch einen grünen Anstrich geben.

Ab 1. März 2020 kann man in Luxemburg den öffentlichen Nahverkehr landesweit kostenlos nutzen. Eigentlich eine gute Nachricht, doch der Nahverkehr ist nicht für alle eine Alternative. Besonders schwierig wird es für deutsche Pendler.

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Luxemburg feiert heute eine weltweite Premiere: In Bussen, Zügen und in der Straßenbahn des Landes werden von nun an Fahrkarten nicht mehr gebraucht, Kontrolleure erhalten neue Aufgaben. Anstatt jeden Tag die immer gleichen Fahrgäste zu kontrollieren, wird der neue Fokus auf Kundenservice und Sicherheit liegen.

Aus deutscher Perspektive ist der Luxemburger Vorstoß aus zwei Gründen interessant:

  • Erstens, weil die Diskussion über Vorteile des kostenlosen ÖPNVs auch in Deutschland geführt wird. Monheim am Rhein wird ihn zum 1. April dieses Jahres einführen. Das bayerische Pfaffenhofen realisierte die Idee schon 2018.
  • Zweitens pendeln täglich mehrere Tausend Deutsche über die Grenze nach Luxemburg - alleine aus der Region Trier circa 35.000 Menschen.

Insgesamt strömen etwa 200.000 Menschen aus Nachbarländern jede Woche nach Luxemburg.

Ein Jahresticket kostet weniger als die Hälfte

Grenzüberschreitende Tickets kosten weiterhin, die Preise werden allerdings drastisch reduziert. Von nun an wird der Luxemburger Anteil des Arbeitswegs vom Gesamtbetrag abgezogen. Für ein Jahresticket zahlt man danach nicht mehr 750 Euro, sondern nur noch 360 Euro.

Als erstes Land der Welt führt Luxemburg den kostenlosen Nahverkehr ein. Doch viele deutsche Pendler aus der Region werden weiterhin nicht auf Bus oder Bahn umsteigen, weil die Anbindung fehlt.

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Allerdings ist der kostenlose ÖPNV nur "die Kirsche auf einer Strategietorte multimodaler Mobilität" wie ihn das luxemburgische Verkehrsministerium nennt. Mit "Modu 2.0" lanciert Luxemburg ein ganzes Nachhaltigkeitspaket für den Mobilitätssektor.

Nachhaltigkeit als grüner Anstrich für den Finanzhotspot

Dem Steuer- und Finanzhotspot wird dabei ein neuer, grüner Anstrich verpasst, zuvorderst bekämpft man jedoch die Überlastung bestehender Infrastrukturen. Allein die Hauptstadt verzeichnete über die letzten 20 Jahre ein Bevölkerungswachstum von 30 Prozent.

Die Kaufkraft vieler Luxemburger verschärft die Situation. Europas reichstes Land besitzt die höchste Autorate pro Bürger. Auf 1.000 Luxemburger kommen 670 Autos. Der EU-Durchschnitt lag 2017 bei knapp über 500 Autos.

Die Schiene bekommt vier Milliarden Euro

"Modu 2.0" soll in den folgenden Schritten dazu motivieren, die kostenlosen Bahn- und Busfahrten tatsächlich zu nutzen. "Und hier werden große Investitionen notwendig," so Verkehrsminister Francois Bausch. Von 2018 bis 2027 sollen knapp vier Milliarden Euro investiert werden - nur in den Eisenbahnbereich.

Durch Bus-Expresslinien und eine Verdopplung der Radwege auf 1.100 Kilometer steigen die Verkehrsinvestitionen von 501 Millionen Euro in 2018 auf 806 Millionen Euro in 2021. Ein Ziel ist sicher: Autofahren in Luxemburg soll langsamer werden.

Um der Rolle als Wirtschaftsstandort in der Großregion Saar-Lor-Lux gerecht zu werden, sei Luxemburg bereit, über die Landesgrenzen hinaus Infrastrukturprojekte mitanzutreiben, sagt der grüne Verkehrsminister.

Das ÖPNV-Netz hat auch Mängel

"Wir legen da 110 Millionen Euro auf den Tisch, um die Zugstrecke über die Luxemburg-Frankreich-Grenze zu modernisieren und auszubauen." Auf den New Green Deal der EU-Kommission in Brüssel wollte man allerdings nicht warten. Zu viele Fragen seien noch offen, zu unpräzise die tatsächliche Ausrichtung, so Bausch.

Zhora Barthelemy von der Luxemburger Youth for Climate Organisation sagt, dass "sich unsere Regierung durchaus auf die Schulter klopfen kann". Falsch wäre es allerdings, den Fokus auf die Hauptstadtregion zu begrenzen. "Bereits wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze zeigen sich erste Mängel im ÖPNV-Netz." Eine Steuererhöhung für SUV, niedrige Energiepreise und der damit verbundene "Tanktourismus" seien Projekte, die nun folgen müssen.

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