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Maas in Jordanien - Welche Zukunft hat der deutsche Einsatz?

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Heiko Maas reist zum dritten Mal in seiner Amtszeit nach Jordanien, trifft seinen Amtskollegen Ayman Safadi. Der Besuch ist kurzfristig angesetzt. Sehr kurzfristig.

Heiko Maas und der jordanische Außenminister Ayman Safadi in Amman, Jordanien
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Jordanien
Quelle: AP

Heiko Maas will sich hier heute bedanken, seine Wertschätzung ausdrücken für die 285 Soldaten der Bundeswehr in Jordanien. In seiner Rede auf der Al-Asrak Airbase rund 100 Kilometer östlich von Amman erinnert Maas an den ehemaligen Verteidigungsminister Peter Struck. "Hier geht es auch um die Sicherheit Deutschlands und Europas", sagt Maas. Es ist seine Version des Struck-Zitats: "Unsere Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt".

Warum Jordanien? Warum jetzt? Weil das Land, direkter Nachbar des Irak, für deutsche Diplomaten als guter Erklärer der Region gilt. Dafür revanchiert sich Deutschland als zweitgrößter internationaler Geldgeber Jordaniens. Das Land ist Teil der Anti-IS-Koalition, von Jordanien aus beteiligt sich auch die Bundeswehr im Kampf gegen den IS, etwa mit Aufklärungstornados und einem Airbus-Tankflugzeug.

Akute Kriegsgefahr im Moment gebannt?

Aber ob die deutschen Soldaten in der Region bleiben werden? Auch im Irak beteiligen sich deutsche Soldaten am Einsatz gegen den sogenannten Islamischen Staat. Doch vergangene Woche fordert das irakische Parlament alle internationalen Truppen auf, das Land zu verlassen. Jordanien nimmt kurzfristig zusätzlich deutsche Soldaten auf. Maas bedankt sich dafür bei seinem Ministerkollegen Safadi. "Welcome, my dear friend", begrüßt der ihn. "Wir brauchen hier keine neue Krise", sagt der Jordanier. "Wir haben schon genug Krisen."

Karte von Irak und Jordanien
Karte: Die Al-Asrak Airbase in Jordanien.
Quelle: ZDF

Die akute Kriegsgefahr zwischen Iran und den USA scheint für den Moment eingefroren. Doch dafür, so befürchtet nicht nur der deutsche Außenminister, könnte sich durch die Eskalation im Nahen Osten die Situation im benachbarten Irak wieder zuspitzen. Was, wenn das Land Ernst macht und wirklich alle internationalen Truppen ausweist?

Deutsche Soldaten bleiben in Wartestellung

Der IS, längst nicht besiegt, könnte wieder erstarken und das beträfe auch Deutschland: Neue Terrorgefahr lauert, mehr Flüchtlinge könnten sich auf den Weg Richtung Europa machen. Und deshalb müsse Europa auch weiterhin eine aktive Rolle in der Region spielen, so Maas: "Wir befürchten, dass ein überstürzter Rückzug der internationalen Präsenz aus dem Irak dazu führen würde, dass die Spielräume des IS wieder größer würden. Dass nicht nur im Irak Anschläge verübt werden können, sondern auch in der ganzen Region und am Ende auch in Europa und das gilt es zu verhindern."

Natürlich akzeptiere man jede Entscheidung Bagdads, doch noch hofft Berlin, dass der Beschluss des irakischen Parlaments nicht endgültig ist, irgendwie weicher ausgelegt wird. "Auch wir werden in diesen Stunden einen hohen Beamten nach Bagdad schicken, um dort Gespräche mit der Regierung zu führen", kündigt Maas an. Bis dahin bleiben die deutschen Soldaten in Wartestellung im nordirakischen Erbil, in Jordanien und in Kuwait.

Auch Libyen steht auf der Agenda

Es ist nicht die einzige Krise, die Maas und seine Diplomaten zwischen Flieger und Gesprächsterminen zu bearbeiten versuchen. Ein weiteres akutes Problem heißt Libyen. Die Bundesregierung versucht seit einigen Monaten, einen "Berlin-Prozess" zu starten, in dem sie mit betroffenen Staaten verhandelt. "Hier sind wir in den letzten Tagen ein gutes Stück weiter gekommen", so Maas in Jordanien. "Ich begrüße, dass beide Seiten in Libyen sich bereit erklärt haben, einem Waffenstillstand zuzustimmen."

Keine zwölf Stunden ist Maas in Jordanien, auf dem Hinweg schon hatte er einen Zwischenstopp in Paris eingelegt, für ein schnelles Abendessen mit seinem französischen und britischen Kollegen. Die drei Minister reden über den Iran, wollen das Atomabkommen - das die USA gekündigt haben und an das sich der Iran immer weniger hält - um jeden Preis retten. Ausgang mehr als ungewiss. Es sind heiße Tage für die internationale Krisendiplomatie.

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