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Privataudienz bei Franziskus - Maas will mit Papst heikle Themen besprechen

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Erstmals seit fast 20 Jahren empfängt ein Papst einen deutschen Außenminister zu einer Privataudienz. Maas will dabei auch das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche ansprechen.

Heiko Maas (SPD), aufgenommen am 27.04.2021 in Berlin
Bundesaußenminister Heiko Maas will mit Papst Franziskus auch über das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche sprechen. Archivfoto
Quelle: Reuters

Bundesaußenminister Heiko Maas will am Mittwoch mit Papst Franziskus bei einer Privataudienz unter anderem über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche reden. Dies sei eine Frage, die viele Menschen bewege und ihr Verhältnis zu ihrer Religionsgemeinschaft bestimme, sagte Maas am Dienstagabend nach seiner Ankunft in Rom.

Es interessiere ihn, "wie die Katholische Kirche und wie insbesondere auch der Papst damit umzugehen gedenkt". Maas wird als erster deutscher Außenminister seit fast 20 Jahren vom Papst zu einer Privataudienz empfangen.

Maas: Auch der Staat steht in der Pflicht

Zuletzt hatte vor allem der Umgang des Erzbistums Köln mit dem Missbrauch von Kindern durch Priester für Aufregung gesorgt. Kardinal Rainer Maria Woelki hatte ein Gutachten dazu lange Zeit unter Berufung auf rechtliche Bedenken zurückgehalten.

Maas betonte, dass die Aufarbeitung des Missbrauchs nicht alleine Sache der Kirche sei. Insbesondere da, wo es um strafrechtliche Zusammenhänge gehe, bedürfe es staatlicher Aufklärung. "Insofern kann der Staat sich gar nicht aus dieser Frage heraushalten, wenn es Opfer gibt, die ein Anrecht darauf haben, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssen."

Nebelschwaden ziehen über die Kuppel des Petersdoms in Rom (Italien) aufgenommen am 19.02.2020

Nachrichten | Thema - Missbrauch in der katholischen Kirche 

Die römisch-katholische Kirche wird in ihren Reihen vom Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erschüttert. Die Aufarbeitung ist umstritten.

Außenminister begrüßt Segnung homosexueller Paare

Maas begrüßte vor dem Gespräch auch die Segnungsgottesdienste für hetero- und homosexuelle Paare, mit denen sich deutsche Katholiken am Montag bewusst gegen ein Verbot des Vatikans gestellt hatten. Insgesamt wurden rund 100 Gottesdienste abgehalten. Eine Aktion dieser Art und Größenordnung hatte es in der Kirche bisher noch nicht gegeben.

"Zumindest sehe ich, dass es in Teilen der katholischen Kirche große Offenheit gibt für gesellschaftliche Entwicklungen, denen man sich nicht verschließen kann", sagte Maas dazu. "Dass damit diese Diskussionen nochmal angestoßen werden und vertieft geführt werden, das begrüße ich sehr."

Nein, sagt der Vatikan zur Segnung homosexueller Paare. Ja, sagen viele katholische Gläubige – und zeigen mit über 100 Segnungsgottesdiensten, dass sie das Zeichen aus Rom nicht hinnehmen. Gesegnet werden alle Liebenden, egal ob homo- oder heterosexuell.

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Zuletzt Joschka Fischer als Außenminister beim Papst

Eigentlich sind Privataudienzen beim Papst Staats- und Regierungschefs sowie im Fall Deutschlands auch Ministerpräsidenten der Länder vorbehalten, da diese Kirchenvertragspartner des Heiligen Stuhls sind. Der bislang letzte Außenminister, dem eine Privataudienz beim Papst gewährt wurde, war Joschka Fischer 2003.

Der Katholik und frühere Messdiener Maas sagte, es sei sein persönlicher Wunsch gewesen, mit dem Papst zu sprechen. Er schätze Franziskus für seine "sehr unkonventionelle" Art.

Treffen mit italienischem Außenminister

Nach der Audienz wird Maas den italienischen Außenminister Luigi Di Maio treffen. Dabei wird es unter anderem um die wieder zunehmenden Flüchtlingsbewegungen über das Mittelmeer gehen. Maas rief die anderen EU-Staaten zur Solidarität mit Italien auf, wo besonders viele der Menschen an Land gehen. "Wir sind grundsätzlich der Auffassung, dass man Italien nicht alleine lassen kann mit dieser Situation", sagte er.

Thementeaser: Seenotrettung im Mittelmeer

Politik und Gesellschaft - Flucht nach Europa 

Rettungsorganisationen im Mittelmeer im Kampf gegen das Ertrinken und Anlegeverbote in europäischen Häfen.

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