Sie sind hier:

Streit zwischen Athen und Ankara - Maas warnt vor "Katastrophe"

Datum:

Der Streit zwischen Griechenland und der Türkei um Bodenschätze und Seegebiete im östlichen Mittelmeer spitzt sich zu. Bundesaußenminister Maas warnt vor einer "Katastrophe".

Griechenland und die Türkei streiten um das Recht, im Mittelmeer Erkundungen nach Erdgas zu unternehmen. Außenminister Maas reiste heute zu Gesprächen in die beiden Länder.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Im Streit zwischen Griechenland und der Türkei um Seegebiete im Mittelmeer bleiben die Fronten auch nach einer Vermittlungsreise von Außenminister Heiko Maas verhärtet. Nach Gesprächen des SPD-Politikers in Athen und Ankara zeigten sich beide Seiten am Dienstag zwar grundsätzlich zum Dialog bereit - signalisierten aber kein konkretes Entgegenkommen. Stattdessen waren die öffentlichen Äußerungen der Außenminister Nikos Dendias und Mevlüt Cavusoglu von gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt.

Maas: Deeskalation im Gas-Streit nötig

Maas rief die beiden Nato-Partner eindringlich zu Kompromissen auf. "Die Situation ist hoch riskant", sagte er.

Wer sich immer näher auf den Abgrund zubewegt, der kann irgendwann dann auch hinunterfallen.
Außenminister Heiko Maas

Es seien nun dringend "sichtbare Schritte" zur Deeskalation notwendig. Die Lage im östlichen Mittelmeer habe sich zu einem "Spiel mit dem Feuer" entwickelt. "Jeder noch so kleine Zündfunke kann zu einer Katastrophe führen." Der Streit hatte sich an türkischen Erdgaserkundungen vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer entzündet.

Das Forschungsschiff "Oruc Reis" sucht derzeit - begleitet von Kriegsschiffen - nach Gas. Ankara argumentiert, dass das Gebiet zum Festlandsockel der Türkei gehöre. Der Türkei sind aber die griechischen Inseln Rhodos und Kastelorizo vorgelagert, weshalb Griechenland das Seegebiet für sich beansprucht. Einen ähnlichen Konflikt gibt es um die Insel Zypern, vor deren Küste schon reiche Erdgasvorkommen entdeckt wurden.

Vorwürfe aus Athen

Der griechische Außenminister Dendias forderte nach seinem Gespräch mit Maas Sanktionen der Europäischen Union, deren Mitglied Griechenland ist. Die Türkei vertrete eine "neo-osmanische Ideologie" und betreibe im Mittelmeer "grenzenlosen Expansionismus". Griechenland werde seine Grenzen schützen, die auch Grenzen der EU seien.

Maas traf in Athen auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis. Man müsse nun zu einer "verbindlichen und friedlichen Lösung" der Streitfragen kommen, sagte er anschließend. Das sei nur über "ernsthafte und lösungsorientierte" Gespräche zu erreichen. Dazu müssten aber zunächst alle destruktiven Aktionen beendet und Provokationen unterlassen werden.

Infokarte Zypern
Infokarte Zypern
Quelle: ZDF

Die Türkei wiederum machte Griechenland für das Scheitern von vorherigen Vermittlungsversuchen verantwortlich. Cavusoglu warnte Athen: "Wenn Ihr einen falschen Schritt macht, dann werden wir diesmal ohne Bedenken tun, was nötig ist."

Militärische Eskalation nicht ausgeschlossen

Der Streit gilt als extrem gefährlich. Selbst eine militärische Auseinandersetzung zwischen den beiden Nato-Bündnispartnern scheint möglich. Es kam bereits zu einem Zusammenstoß zwischen einem türkischen und einem griechischen Kriegsschiff. Die Lage war auch am Dienstag angespannt. Beide Seiten hielten Marinemanöver ab.

Deutschland versucht seit Wochen, in dem Streit zu vermitteln. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonierte mehrfach mit Erdogan und Mitsotakis. Zuletzt schloss Griechenland ein Abkommen mit Ägypten über Seegebietsgrenzen - was dazu führte, dass die Türkei auf den eigentlich schon geplanten Abzug ihres Forschungsschiffes verzichtete.

Die EU steckt in dem Konflikt in einer schwierigen Situation. Auf der einen Seite will sie Griechenland und dem ebenfalls betroffenen EU-Mitglied Zypern Beistand leisten. Auf der anderen Seite befürchten etliche Mitgliedstaaten negative Auswirkungen auf die Zusammenarbeit in der Flüchtlingspolitik mit der Türkei.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.