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"Ich bin nicht frustriert, ich bin vielleicht ungeduldig"

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Macron bei MSC - "Ich bin nicht frustriert, ich bin vielleicht ungeduldig"

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat seinen ersten großen Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Seine Message wird auch ohne große Rede schnell klar.

Emmanuel Macron auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Emmanuel Macron auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Quelle: epa

Wolfgang Ischinger, der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, ist sichtbar stolz, dass es nun in diesem Jahr endlich mit Frankreichs Präsidenten geklappt hat. Bereits im vergangenen Jahr sollte Emmanuel Macron vor der versammelten Politprominenz im Hotel Bayerischer Hof sprechen. Damals hielten ihn die heimischen Gelbwestenproteste davon ab.

Deshalb nun 2020 die Premiere. Ein besonderes Format hat sich Ischinger für seinen Stargast vorbehalten: Ein 80 Minuten langes Frage-Antwort-Spiel als einziger Gast auf dem Podium.

Macron einig mit Steinmeier

Wir brauchen im Herzen Europas mehr Gemeinsamkeiten. Ein Herz, das sehr viel integrierender arbeitet als heute.
Emmanuel Macron

Macrons Message wird auch ohne große Rede schnell klar: Europa brauche endlich eine große europäische Strategie, es müsse "souverän geeint und demokratisch" handeln. Macron mahnt den stockenden deutsch-französischen Motor an:

Das geht auch gegen die Deutschen. Der französische Präsident legt den Finger damit in die gleiche Wunde wie der deutsche Präsident Steinmeier. Steinmeier sprach am Freitag in seiner Eröffnungsrede davon, dass "in der Mitte Europas kein ängstliches Herz schlagen dürfe".

Bundespräsident Steinmeier forderte, die internationale Ordnung vor zunehmendem Egoismus zu verteidigen.

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Europa soll sich verteidigen können

Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich beschäftigen den Präsidenten. Doch auf die Frage, wie frustriert er darüber sei, dass seine impulsiven Vorschläge zu Reformen in Europa von deutscher Seite noch immer einer Antwort bedürfen, sagt Macron: "Ich bin nicht frustriert, aber ich bin vielleicht ungeduldig". In der feinen Sprache der Diplomatie steckt darin Kritik genug.

Dann spricht er viel von Zukunft. Dass man gemeinsam mehr und schneller investieren müsste. Amerika und China machten es vor. Dass man den Menschen die Angst vorm Klimawandel nehmen müsse. Dass man die europäische Mittelklasse nach Wirtschaftskrisen und Migrationskrise wieder versöhnen müsse mit "unserer Vision von Europa".

Und, der Klassiker, dass man mehr tun müsse für eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik, denn Europa müsse sich selbst verteidigen können.

Macron beklagt eine "Schwächung des Westens".

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Macron betont deutsch-französische Freundschaft

Dann wird Macron pathetisch: "Wenn wir - die deutsch-französische Achse - das nicht schaffen, dann ist das ein historischer Fehler." Und weiter: "Wenn Frankreich und Deutschland einig sind, reicht das nicht, um eine Dynamik auszulösen – aber wenn sich Deutschland und Frankreich nicht einig sind, dann kann das in der EU alles blockieren."

Und dann nutzt Macron die Bühne, um erneut für seine Vorstellung einer gemeinsamen Nuklearstrategie zu werben. Europa bräuchte eine Antwort darauf, dass sich die Amerikaner zunehmend zurückziehen. Deshalb bietet er den anderen europäischen Staaten an, unter den französischen Atomschirm zu schlüpfen.

Kramp-Karrenbauer skeptisch bei Atomwaffen

In Deutschland trifft der Vorschlag auf unterschiedliche Reaktionen. Während Bundespräsident Steinmeier am Freitag sagte: "Wir sollten die Einladung zum Dialog annehmen", zeigt sich die deutsche Verteidigungsministerin deutlich zurückhaltender. Annegret Kramp-Karrenbauer gibt sich im ZDF-Interview skeptisch, "ob wir am Ende wirklich in eine Struktur gehen, die den amerikanischen Atomschirm zur Seite legt, um einen deutlich kleineren französischen Atomschirm zu nutzen".

Emmanuel Macron gibt sich gelassen. Er weiß, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sein Schlusswort auf der Münchner Sicherheitskonferenz: "Weitsicht bewahren!"

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