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Bekenntnisse eines Kriminellen - Türkischer Mafiaboss beschuldigt Politiker

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Seit Wochen postet Sedat Peker aus seinem ausländischen Versteck Videos, in denen er türkische Politiker verschiedener Vergehen beschuldigt. Damit sorgt Peker für große Unruhe.

Sedat Peker - Archivbild vfom 10. März 2014
Gegen Peker wird nach Medienberichten schon seit 2019 wegen Führung einer kriminellen Organisation ermittelt.
Quelle: picture alliance

Er ist ein verurteilter Schwerverbrecher auf der Flucht. Keine sonderlich glaubwürdige Quelle also, und doch sorgen seine angeblichen Enthüllungen für große Unruhe in der Türkei. Am Sonntag postete Sedat Peker sein mittlerweile neuntes Video, jedes ungefähr eine Stunde lang. Er plaudert darin aus dem Nähkästchen der Macht und Millionen schauen dabei zu.

Sein Lieblingsfeind ist Innenminister Süleyman Soylu. Der hatte Peker angeblich zugesagt, dass dieser unbehelligt in die Türkei zurückkehren könne. Kurz darauf habe es Razzien in seinen Häusern und Wohnungen gegeben, seine Familie sei unter Druck gesetzt worden, beschwerte sich Peker. Da platzte dem Mafiaboss der Kragen, und seitdem hetzt er gegen Soylu, dessen Karriere er mit Geld und anderen Mitteln unterstützt haben will.

"Du wirst vor den Obersten Gerichtshof gestellt. Du hast keine Chance," drohte Peker in seinem neusten Video.

Ich habe alles vorbereitet. Ich werde auspacken. Ich habe die Beweise. Ich mache dich fertig.
Sedat Peker

Peker hat Beweise versprochen, aber noch keine präsentiert

Beweise aber hat Peker bislang noch nicht präsentiert. Doch seine Plaudereien aus dem Nähkästchen der Macht alarmieren die Beschuldigten, auch wenn sie alle Vorwürfe abstreiten. Ignorieren können sie Pekers Wutreden nicht mehr.

Ex-Ministerpräsident Binali Yildirim wehrte sich vor laufenden Kameras gegen den Vorwurf, sein Sohn organisiere Drogengeschäfte aus Venezuela in türkische Mittelmeerhäfen. Auch Innenminister Soylu musste sich im Fernsehen unangenehmen Fragen stellen lassen.

Seit Wochen sorgt der türkische Mafia-Boss Sedat Peker mit Enthüllungsvideos für Aufregung. Darin erhebt er schwere Vorwürfe – auch gegen das Umfeld von Präsident Erdogan.

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Es dauerte lange, bis sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan selbst zu dem Politskandal äußerte und seinem Innenminister zur Seite sprang. "Da behagt jemandem der Friede und die Sicherheit in unserem Land nicht", so Erdogan Ende Mai. "Wir stehen zu unserem Innenminister in seinem Kampf gegen kriminelle Banden und Terroristen. Und wir werden das auch weiterhin tun."

Erdogan vermutet ausländische Feinde hinter den Videos

Wie stets, so vermutete Erdogan auch diesmal ausländische Feinde hinter der Kampagne des Gangsterbosses. Tatsächlich wirken die Videos durchgeplant im Stile einer Netflix-Serie. Die Filme sind in immer wechselnden Hotelzimmern aufgenommen, und in den Tagen vor der Veröffentlichung der nächsten Folge postet Peker einen Teaser, der die Highlights der bislang stets an einem Sonntagmorgen hochgeladenen Videos ankündigt.

Die bislang neun Videos wurden zusammen rund 100 Millionen Mal angesehen. Pekers Bekenntnisse sind ein Straßenfeger, und nach Umfragen des Instituts Avrasya Arastirma glauben 75 Prozent der Türkinnen und Türken, dass an seinen Vorwürfen etwas dran ist. Für den Präsidenten und seine regierende AKP-Partei kann das zu einem Glaubwürdigkeitsproblem werden. "Die Zustimmungswerte der Regierung sinken stetig", meint der Journalist Bülent Mumay, "und sie werden durch den Peker-Skandal weiter sinken."

Dass es Verbindungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität gibt, davon sind die meisten überzeugt. Erdogans Bündnispartner, Devlet Bahceli, Chef der ultranationalistischen MHP, holte gar einen Mafiapaten im vergangenen Jahr aus dem Knast. Für ihn war dieser ein Verteidiger des Vaterlands.

Soziologe: AKP paktiert mit zweifelhaften Personen

Weil Erdogans AKP mit vielen zweifelhaften Leuten paktiere, gerate sie selbst in die Krise, meint der Soziologe Ahmet Kasim Han. "Nach 19 Jahren wird die Regierungspartei ihrem eigenen Anspruch nicht mehr gerecht, mit dem sie mal angetreten war. Und sie haben Probleme, sich das einzugestehen."

Mehr als die Hälfte der Wähler ist überzeugt, dass etwas falsch läuft in diesem Land. Auch wenn sie nicht alle Vorwürfe in den Videos glauben.
Ahmet Kasim Han, Soziologe

Die Opposition im türkischen Parlament fordert, die Staatsanwaltschaft solle die Vorwürfe Pekers untersuchen. Die Strafermittler aber suchen vor allem erst mal den Überbringer der unerhörten Nachrichten, Sedat Peker selbst.

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