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Faktencheck

Angriff auf Kinderkrankenhaus : Wie Moskau im Ukraine-Krieg Fake News streut

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Nach dem Angriff auf eine Klinik in Mariupol verbreitet Russland Erklärungen, die sich gegenseitig widersprechen. Plausibel sind sie alle nicht. Manche dafür höchst zynisch.

Russlands Krieg gegen die Ukraine ist auch ein Kampf um die Wahrheit. Wir unterziehen die Aussagen Moskaus einem Fakten-Check mit Oliver Klein.

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4 min
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Nach dem Luftangriff auf eine Geburts- und Kinderklinik in Mariupol ist das Entsetzen international groß, Russland steht mehr denn je am Pranger. Offizielle russische Stellen versuchen, Antworten auf die Bombardierung zu geben und verbreiten dabei Erklärungen, die sich gegenseitig widersprechen.

Außenminister verteidigt Angriff

Zunächst spielte Russlands Außenminister Sergej Lawrow den Angriff herunter, die Verantwortung dafür bestritt er jedoch nicht. Lawrow erklärte als Begründung für den Luftschlag, die Klinik sei zuvor von rechtsradikalen ukrainischen Kämpfern, dem sogenannten Asow-Batallion, eingenommen worden, die sie als Basis genutzt hätten.

Darüber habe Moskau bereits am 7. März die Vereinten Nationen informiert. Tatsächlich hatte der russische Diplomat Vasily Nebenzya im Sicherheitsrat vorgetragen, dass ukrainische Milizen Personal aus einer Entbindungsklinik vertrieben hätten.

ZDF-Korrespondent Johannes Hano berichtet aus New York über die Sitzung des UN-Sicherheitsrates.

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Verteidigungsministerium: Es gab keinen Angriff

Das russische Verteidigungsministerium wiederum sagt, es habe gar keinen Luftschlag Russlands gegeben: "Die russische Luftwaffe hat absolut keine Angriffe in der Region geflogen", erklärte der Sprecher Igor Konaschenkow.

"Der angebliche Luftangriff war eine komplett inszenierte Provokation (...) die die westliche Öffentlichkeit täuschen kann, aber nicht einen Experten."

Russischer Botschafter: Angriff mit Schauspielern inszeniert

Die zahlreichen Bilder und Videos von verletzten Frauen versucht Russland als Fakes darzustellen. Und so ging zunächst die russische Botschaft in London und dann auch der russische Botschafter im UN-Sicherheitsrat noch weiter in ihrer Propaganda: Sie behaupteten, eine aus Mariupol stammende schwangere Bloggerin habe die Rolle von zwei unterschiedlichen auf den Fotos zu sehenden Schwangeren nur "gespielt".

Vasily Nebenzya bei der UN
Der russische Botschafter im Sicherheitsrat Vasily Nebenzya zeigt im UN-Sicherheitsrat Bilder schwangerer Frauen. Seine absurde Behauptung: Sie sollen von der selben Schauspielerin verkörpert werden.
Quelle: ap

In einem von Twitter inzwischen gelöschten Tweet, der aber hier archiviert wurde, schrieb die russische Botschaft in London: "Sie (die Bloggerin) spielte tatsächlich Rollen von beiden schwangeren Frauen auf den Fotos." Den gleichen Vorwurf formulierte Wassili Nebensja am Freitag vor dem UN-Sicherheitsrat. Zum angeblichen Beweis hielt er die entsprechenden Fotos hoch: Die Bloggerin habe sich geschminkt, "um sich als zwei verschiedene Frauen darzustellen", so Nebensja.

ZDFheute hat die Fotos mithilfe einer Software für Gesichtserkennung überprüft. Das Ergebnis: Offenbar ist auf mehreren Fotos tatsächlich die hochschwangere Bloggerin zu sehen, einmal in einem gepunkteten Schlafanzug, einmal mit einer Decke umhüllt vor dem zerbombten Gebäude.

Bloggerin vor der ausgebombten Geburtsklinik in Mariupol, Ukraine
Die ukrainische Bloggerin vor der ausgebombten Geburtsklinik in Mariupol.
Quelle: AP
Screenshot: Tweet der Russischen Botschaft
Tweet der Russischen Botschaft
Quelle: twitter.com/RussianEmbassy

Auf weiteren Bildern ist eine verletzte Schwangere zu sehen, die auf einer Trage abtransportiert wird. Auch sie soll die Bloggerin sein, nur in einer anderen Rolle - so verbreitete es die russische Botschaft in London und auch Nebensja. Eine Analyse der biometrischen Gesichtsdaten zeigt jedoch: Es handelt sich eindeutig um eine ganz andere Frau.

Russische Propaganda verdreht Tatsachen

Die Tatsache, dass sich die schwangere Bloggerin zum Zeitpunkt des Angriffs tatsächlich in der Klinik befand, wird in der russischen Darstellung also völlig verdreht und daraus die Behauptung gemacht, alles sei inszeniert gewesen. Twitter selbst hat den Tweet der Botschaft wegen der Verletzung der Richtlinien inzwischen gelöscht.

Denn dass der Angriff tatsächlich stattgefunden hat, daran haben auch die Vereinten Nationen keinen Zweifel: "Das dortige Menschenrechtsteam hat bestätigt und dokumentiert, was sie als wahllosen Luftangriff auf das Krankenhaus bezeichneten, und dass das Krankenhaus zu dieser Zeit Frauen und Kinder versorgte", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Donnerstag in New York.

Mariana Vishegirskaya liegt in einem Krankenhausbett
Die Bloggerin nach der Geburt in einem Krankenhausbett
Quelle: dpa

Bloggerin bringt Baby zur Welt

Und auch die AP-Reporter in Mariupol, die den Angriff in Videos und Fotos dokumentierten, haben die Opfer und Schäden selbst gesehen - und nichts, was darauf hindeutet, dass das Krankenhaus als etwas anderes als ein Krankenhaus genutzt wurde.

Die ukrainische Bloggerin hat inzwischen ihr Baby in einem Krankenhaus am Rande von Mariupol zur Welt gebracht. Am Freitag hielt ihr Ehemann seine Tochter liebevoll im Arm, dann wurde sie wieder an die Seite ihrer Mutter gelegt. Sie trug noch immer den gepunkteten Schlafanzug.

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