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Experte bei "Lanz" zur Ukraine : Migrationsforscher sieht Versagen der EU

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Migrationsforscher Gerald Knaus attestiert der EU "mangelnde Vorstellungskraft" für Putins Brutalität. Er kritisiert auch die europäische Mutlosigkeit im Umgang mit der Ukraine.

Gerald Knaus in der Sendung von Markus Lanz.
Krieg in der Ukraine: Migrationsforscher Gerald Knaus kritisiert die EU bei Lanz.
Quelle: ZDF/Markus Hertrich

Putins Invasion in der Ukraine ist bittere Realität. Während aus weltweitem Schock politische Reaktionen werden, müssen sich europäische Politiker die Frage gefallen lassen, welche Fehler sie im Umgang mit Putins Russland begangen haben. Eine Frage, die am Freitagabend bei "Lanz" diskutiert wurde.

"Dass die Europäische Union nach 2014 nicht wirklich mit Mut darauf reagiert hat, als Menschen mit der blauen Fahne der EU neben der blaugelben Fahne der Ukraine ihr Leben riskiert haben, war ein Versagen", attestierte Gerald Knaus mit Blick auf die andauernde ukrainische Demokratiebewegung. Es sollte nicht der letzte Fehler der EU bleiben, den er am Freitagabend bei Markus Lanz offenzulegen vermochte.

Sehen Sie hier die Diskussion bei Markus Lanz mit dem Grünen-Politiker Jürgen Trittin, dem Soziologen Gerald Knaus, der Journalistin Claudia Kade und der Politologin Gwendolyn Sasse.

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Putins Sicht: EU und NATO als Gefahr

Das "Unglaubliche" habe man nicht erkannt, so Knaus, "dass dieses Modell [der EU], wenn man es sieht, Menschen überall in Mitteleuropa inspiriert hat, dazukommen zu wollen". Ein Modell, das Putin fürchte: "[Putin] redet von EU und NATO als Gefahr (…), weil sie sein Modell des starken, brutalen Staates, der von Geheimdienstleuten und vom Sicherheitsapparat beherrscht wird, infrage stellen."

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Es sei aber genau Putins Gegenmodell, das sich der Großteil der ukrainischen Bevölkerung seit 2014 wünsche, so Knaus. Der Grund: die EU-Beitritte Rumäniens, Polens und der baltischen Staaten. Sie hätten den Ukrainern die verbesserten Straßen und Schulen, den gestiegenen Lebensstandard, Anti-Korruptionsverfahren und freie Wahlen vor Augen geführt.

Europäer: "Problem der Vorstellungskraft"

Gerald Knaus beklagte nicht nur den mangelnden Mut der EU, sondern auch ihr mangelndes Verständnis für Russland. Wegen der zunehmenden Antikriegsproteste in Russland bekomme er oft zu hören, dass sich ein Diktator nicht halten könne, wenn "sehr, sehr viele Menschen" auf der Straße stehen.

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Vielen Europäern und Europäerinnen diagnostizierte Knaus diesbezüglich jedoch ein "Problem der Vorstellungskraft" für "dieses Prinzip, dass manche Herrscher einfach so brutal sind und so unverfroren lügen". Damit spielte er auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin an. Er hatte seinen Einmarsch in die Ukraine mit einem "Genozid" an den dort lebenden Russen und einem regierenden "Nazi-Regime" begründet. Gerald Knaus stellte klar: "Natürlich gibt es keinen Genozid. Der Präsident der Ukraine hat jüdische Wurzeln, ist russischsprachig."

Die Funktion dieser Rhetorik ist nur, zu sagen: Krieg ist Frieden. Schwarz ist weiß.
Soziologe Gerald Knaus

Bedeutung der innerrussischen Proteste

In Russland bestimme nur der Staat, was gesagt werde, so Knaus. Dennoch habe es dort immer Proteste gegeben, beispielsweise infolge der Verhaftung des Oppositionellen Alexej Nawalny. Gerald Knaus betonte, wie "unglaublich" dieser Mut sei, jetzt in Russland auf die Straßen zu gehen und die eigene Existenz zu riskieren. Dennoch sagte er: "Am Ende wird das, was [Russlands Führung] stoppen wird, wird nicht der Protest auf den Straßen sein."

Wir unterschätzen, wie weit politische Führer wie Wladimir Putin bereit sind, zu gehen.
Soziologe Gerald Knaus

Knaus weiter: "Das, was [Russlands Führung] stoppen wird, muss Druck von außen sein, der in den Eliten dazu führt (...), dass Brüche entstehen."

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