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ZDF-Sommerinterview : Markus Söder, der Baum-Umarmer?

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Im ZDF-Sommerinterview beschreibt Ministerpräsident Markus Söder Bayern als grünes Musterland. So will er der Union Klima-Kompetenz im Wahlkampf verschaffen. Ist das glaubwürdig?

Die Schrecken der Hochwasser-Katastrophe wirken nach - politisch ist das Thema Klimawandel vollends im Bundestagswahlkampf angekommen.  

Erkannt hat das auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er möchte den Grünen das Feld nicht allein überlassen. Im ZDF-Sommerinterview sagte er:

Wir sind bei erneuerbaren Energien Nummer eins, bei Elektroladesäulen die Nummer eins, bei Biobauern Nummer eins.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Söder gibt sich als Musterschüler: Schaut her, was wir in Bayern schaffen. Doch der Ministerpräsident und Fast-Kanzlerkandidat macht damit auch Klima-Wahlkampf für die Union. Seine drei Aussagen sind zunächst korrekt: 

Wer genauer nachsieht, für den wird aber klar, dass in Bayern auch deutlich mehr möglich wäre. 

Keine "Verschandelung" durch Windräder 

Bei den erneuerbaren Energien stammen im CSU-Land über 65 Prozent der Kraftwerksleistung aus Solaranlagen. Die Bayern müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie keine Windräder in ihrer Landschaft stehen haben wollen - “Verschandelung” nennen das manche.  

Söder gibt auch zu:

Wind ist in Bayern einfach nicht so erfolgreich.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

An strikten Abstandsregelungen für neue Windräder möchte Söder nicht rütteln.

Außerdem ist bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien nicht nur die absolute Zahl entscheidend - sondern auch das Verhältnis zum Stromverbrauch im Bundesland. Das ist die sogenannte Stromquote. Und da liege Bayern im Ländervergleich auf Platz sieben, sagte Raimund Kamm, Chef der Landesvertretung Bayern im Bundesverband Erneuerbare Energien, der "Süddeutschen Zeitung"

Windräder in Bayern

Beitragslänge:
4 min
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Bayern und die Bio-Bauern – da geht noch mehr 

Ein weiterer Punkt: Bayern und die Biobauern – zwar waren dort 2019 mit 10.538 die meisten Öko-Landbaubetriebe angesiedelt. Doch der Bio-Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche liegt bei nur 11,9 Prozent – im Länder-Vergleich bedeutet das Platz sieben für Bayern. 

"In Bayern gibt es das Staatsziel von 30 Prozent Ökolandbau bis 2030. Ich sehe nicht, wie wir das mit den aktuellen Maßnahmen bis dahin erreichen können", sagt Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern ZDFheute.

Ich habe starke berechtigte Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Umsetzung.
Hubert Heigl, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern

Klima-Sorgen auch bei CDU-Anhängern angekommen 

Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein zentrales Thema im Bundestagswahlkampf. Und eines, bei dem die Union fürchten muss, Wählerstimmen zu verlieren. Nur 17 Prozent der Deutschen fühlen sich laut ZDF-Politbarometer von der CDU in Sachen Klimaschutz vertreten. 

Doch im konservativen Stammklientel ist das Thema angekommen: 90 Prozent aller CDU-Anhänger halten den Klimawandel für ein großes oder sehr großes Problem.

Klimawandel ist für DE ein großes Problem
Unionsanhänger nehmen den Klimawandel als ernstes Problem wahr
Quelle: ZDF

Doch genau in dieser Frage gibt Kanzlerkandidat Armin Laschet bislang keine gute Figur ab. Ist nach der Hochwasserkatastrophe mehr Tempo beim Klimaschutz nötig? Laschet wand sich mehrfach um konkrete Antworten.

Nutzt oder schadet Söder dem Kandidaten Laschet? 

Dass Söder von der Seitenlinie immer wieder Ratschläge herausposaunt, setzt Laschet unter Zugzwang. Es gehe nicht darum, "sich mit Schlafwagen ins Kanzleramt zu fahren, auf langsame Geschwindigkeit, sondern wir müssen jetzt zulegen", polterte Söder. Im ZDF-Sommerinterview bezeichnete er sich als "Antreiber".  

Die Umfragen zeigen: Wähler wollen politische Antworten auf die Klimakrise – dass auch die Union hier Angebote hat, erreicht bislang zu wenige Leute oder überzeugt sie nicht. Deshalb gibt Söder den bayerischen Baum-Umarmer. 

Diesen Themen-Aufschlag kann Laschet aber nur begrenzt aufgreifen. Er müsste mit der gemischten Umwelt-Bilanz seines Bundeslands Nordrhein-Westfalen werben. So hat Söders grüne Offensive das Potenzial, dem Kandidaten Laschet zu schaden.

Armin Laschet

Laschet mit umstrittener These - Ist NRW wirklich Vorreiter beim Klimaschutz? 

Nordrhein-Westfalen sei eines der Länder, das am meisten tut gegen den Klimawandel, sagt Armin Laschet. Umweltaktivisten sehen das völlig anders. Was ist dran an der Behauptung?

von Oliver Klein und Jan Schneider
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