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Woelki will im Amt bleiben - Klöckner fordert Neuanfang in der Kirche

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Nach dem Rücktrittsangebot von Kardinal Marx mehren sich die Rufe nach tiefgreifenden Reformen. CDU-Vize Klöckner fordert einen Neustart. Kardinal Woelki will derweil weitermachen.

Dunkle Wolken über dem Kölner Dom. Archivbild
Der Kölner Dom: Erzbischof Rainer Maria Woelki ist offenbar zum Weitermachen entschlossen (Archivbild).
Quelle: picture alliance / dpa

CDU-Parteivize Julia Klöckner hat Verständnis für das Rücktrittsangebot des Münchner Kardinals Reinhard Marx geäußert und fordert einen Neuanfang in der katholischen Kirche.

"Gerade der Umgang mit unangenehmen Themen braucht einen Neustart, sonst wird die Kirche weiter an Bedeutung verlieren", sagte die Theologin, die Mitglied im Zentralkomitee deutscher Katholiken ist, der "Bild am Sonntag".

Kirche wird dann eine gute Zukunft und Zulauf haben, wenn sie sich als offene, transparente Institution zeigt, die am Puls der Zeit ist und die gesellschaftliche Debatte begleitet.
Julia Klöckner, Stellvertretende CDU-Vorsitzende

Sie könne verstehen, was Kardinal Marx meine, wenn er von einem "toten Punkt" spreche, an dem die Kirche angekommen sei, sagte Klöckner. Auch wenn die Kirche für sie selbst nicht tot sei: "Viele Kirchenvertreter scheinen gefangen in ihren Strukturen, die Entfernung zu den Kirchenmitgliedern wird größer."

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, unterstützt die Forderung von Kardinal Marx nach einer Zeitenwende in der katholischen Kirche.

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Käßmann: Verhalten von Kardinal Woelki "bitter"

Die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann begrüßte das Rücktrittsgesuch des Münchener Erzbischofs und kritisierte dessen Kölner Kollegen Kardinal Rainer Maria Woelki.

"Gut, dass er (Marx) als erster Kirchenführer persönlich Verantwortung für den unerträglichen Missbrauchs-Skandal übernimmt", schrieb Käßmann in der "Bild am Sonntag".

Andere wie Kardinal Woelki, die Täter geschützt haben, klammern sich an ihr Amt. Bitter.
Margot Käßmann, ehemalige EKD-Vorsitzende
Nebelschwaden ziehen über die Kuppel des Petersdoms in Rom (Italien) aufgenommen am 19.02.2020

Nachrichten | Thema - Missbrauch in der katholischen Kirche 

Die römisch-katholische Kirche wird in ihren Reihen vom Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erschüttert. Die Aufarbeitung ist umstritten.

Kölner Kardinal will weitermachen

Kardinal Woelki scheint entschlossen, an seinem Amt festzuhalten. "Hier in unserem Erzbistum werde ich als Bischof alles dafür tun, dass die Aufarbeitung weiter geht und ich und wir dem Auftrag Jesu gerecht werden, die Schwachen zu schützen und Missbrauch zu verhindern", versicherte Woelki in einer Botschaft für das Kölner Domradio.

Das Verhältnis zwischen dem konservativen Kardinal und der Mehrheit der Gläubigen in seinem Bistum gilt als zerrüttet, in den vergangenen Monaten kam es zu einer Welle von Kirchenaustritten.

In seiner Erklärung lässt Woelki aber keinen Zweifel daran, dass er sich weiter an der Spitze des größten deutschen Bistums sieht.

Mit allen Kräften will ich mich dafür einsetzen, dass die Aufarbeitung weitergeht. Und ich will die Veränderung vorantreiben.
Kardinal Rainer Maria Woelki
Kardinal Marx bietet Papst seinen Rücktritt an

Nach Marx' Rücktrittsgesuch - Respekt, Bedauern, Hoffen auf mehr Rücktritte 

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx begrüßt. Es sei "letztlich überfällig". ZdK-Präsident Sternberg forderte grundsätzliche Reformen.

Kirchenrechtler: Woelki "nicht zu halten"

Nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller ist Woelki nicht mehr haltbar.

Das Tischtuch zwischen Woelki und den Gläubigen seines Erzbistums sei tief zerschnitten, sagte Schüller. Nicht zuletzt darum habe Papst Franziskus eine Überprüfung von Woelkis Bistum durch zwei Apostolische Visitatoren angeordnet.

Angesichts der dramatischen Lage im Erzbistum und der offenkundigen Handlungsunfähigkeit des Kardinals ist er meines Erachtens im Amt nicht zu halten.
Thomas Schüller, Kirchenrechtler

Die Apostolischen Visitatoren würden nach ihrem Besuch in Köln einen Bericht erstellen. "Der Papst entscheidet nach der Lektüre des Berichtes völlig frei über die Zukunft von Erzbischof Woelki", so Schüller.

Kommentar

Kardinal Marx' Rücktrittsgesuch - Ein Signal in Richtung Köln 

Kardinal Marx bietet Papst Franziskus seinen Amtsverzicht an. Um die Kirche zu retten, sind wirkliche Rücktritte nötig, kommentiert ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

von Peter Frey
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