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Vorratsdatenspeicherung: Für Giffey kein Tabu

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"maybrit illner" - Vorratsdatenspeicherung: Für Giffey kein Tabu

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Familienministerin Giffey ist offen für strittige Vorratsdatenspeicherungen zur Aufdeckung von Kindesmissbrauch. NRW-Minister Reul fordert bei "maybrit illner" Taten statt Worte.

Für Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ist die umstrittene Vorratsdatenspeicherung im Zusammenhang mit der Aufdeckung von Kindesmissbrauch offenbar kein Tabu. In der ZDF-Sendung "maybrit illner" sagte Giffey am Donnerstagabend, zur Aufklärung solcher Fälle müsse jetzt "alles, was nötig und möglich ist", geprüft und getan werden.

Wenn die Vorratsdatenspeicherung ein Punkt ist, der dazu gehört, dann müssen wir uns den ansehen und dann müssen wir das auch machen.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

Aus Sicht der Kinder sei das "etwas, was wir verfolgen müssen," so die SPD-Politikerin weiter.

Reul: Entscheidungen statt Dialoge

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte davor, zu lange über die Vorratsdatenspeicherung zu diskutieren. Bei der noch bis Freitag stattfindenden Innenministerkonferenz spüre er Bewegung auch in den anderen politischen Fraktionen.

Warum muss das wieder jetzt ein Jahr dauern, bis wir dann endlich das Gesetz an der Stelle korrigieren?
Herbert Reul, Innenminister NRW

Reul weiter: "Es muss doch möglich sein, aus diesen ideologischen Kriegen von Vorratsdatenspeicherung ja oder nein rauszukommen und einfach mal zu sagen, dann machen wir es eben für den Kinderschutz." Er habe keine Lust mehr auf Dialoge, er wolle Entscheidungen. Wichtig sei, dass IP-Adressen länger gespeichert werden, damit die Ermittlungsbehörden die "Chance bekommen, an die Hintermänner dieser IP-Adressen zu kommen".

Howard: Prävention fängt zu Hause mit Aufklärung an

Für Sonja Howard, Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf Bundesebene, ist es wichtig, dass Betroffene über ihr Schicksal sprechen, damit "die Gesellschaft versteht, dass das keine Einzelfälle sind".

Als Betroffene war ihr in jungen Jahren der sexuelle Missbrauch nicht so bewusst, und wenn das Jugendamt kam, wurde "die heile Welt vorgespielt", erinnerte sich Howard. Sie ist besorgt um die Gesellschaft, da Wegschauen noch immer praktiziert werde. Für Howard fängt die Prävention zu Hause mit einer gesunden Aufklärung an. Härte Strafen hält sie für richtig, denn:

Die Kinder leiden ja nicht nur während der Tat, sondern oft ihr ganzes Leben lang.
Sonja Howard, Betroffenenrat

"Ein Missbrauch verändert das Leben unwiederbringlich für immer", erklärt Julia von Weiler, Vorstand "Innocence in Danger e. V." Sie warnte davor, betroffene Menschen nur auf den Missbrauch zu reduzieren. Die WHO geht von einer Million missbrauchter Kinder pro Jahr in Deutschland aus, gab von Weiler zu bedenken. "Das bedeutet, jeder von uns hat Kontakt mit betroffenen Kindern und jeder hat Kontakt zu Tätern", fügte sie hinzu.

Mehr Anlaufstellen für Opfer gefordert

Alarmierend sei, dass in jedem aufgedeckten Fall mittlerweile Fotos angefertigt und verbreitet worden sind. Als Vorstand von "Innocence in Danger e.V." fordere sie mehr Anlaufstellen. Auch müsste ein Augenmerk auf weibliche Täter gelegt werden, denn da "gibt es noch blinde Flecken".

"maybrit illner“ mit dem Thema "Missbrauchte Kinder – besserer Schutz, härtere Strafen?" vom 18. Juni 2020, um 22:15 Uhr im ZDF.

Beitragslänge:
1 min
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BDK: Sehr schwierig, Taten aufzudecken

Sebastian Fiedler, Bundesvorsitzender Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), gab zu Bedenken, dass es "sehr schwierig sei, Taten nach oben zu spülen". Seiner Ansicht nach gibt es zu viele Institutionen in Deutschland, an die man sich beim Entdecken eines Missbrauchs wenden könnte. Eine einheitliche Nummer und E-Mail-Adresse pro Bundesland wäre laut Fiedler kostengünstig und niederschwellig.

2018 konnten wir 8.000 Taten nicht aufklären, weil wir aus Datenschutzgründen keinen Zugriff auf Verkehrsdaten haben.
Sebastian Fiedler, BDK

Auch benötige man die maximale Expertise zur Aufklärung und mehr Personal. Bei der Auswertung der Daten, sehen die Leute nicht nur die Bilder, sondern hören laut Fiedler auch die Schreie der Kinder. "Eine psychologische Betreuung ist wichtig", fügt der Polizist hinzu. Auch fehle es aufgrund des Datenschutzes an der Möglichkeit, dass Ärzte sich untereinander austauschen können: "Die Täter gehen nicht zweimal zum selben Kinderarzt."

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