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Merkel-Zitat im Rückblick - "Wir schaffen das" - Bilanz einer Botschaft

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Am 31. August 2015 fielen die Worte, die wohl dauerhaft mit Merkels Kanzlerschaft verbunden werden. Zum Ende ihrer Regierungszeit kommentieren Journalisten dieses legendäre Zitat.

Angela Merkel spricht auf der Pressekonferenz am 31. August 2015.
Angela Merkel spricht auf der Pressekonferenz am 31. August 2015, bei der sie "Wir schaffen das" sagt.
Quelle: dpa

Es ist ein Satz, der Geschichte geschrieben hat. "Wir haben so vieles geschafft - wir schaffen das!", sagt Kanzlerin Angela Merkel zu Beginn der "Flüchtlingskrise".

Der ehemalige "Stern"-Chefredakteur Hans-Ulrich-Jörges betont im Interview mit ZDFzeit: "Die Flüchtlingskrise wird nie vergessen werden. Auch deshalb, weil sie Deutschland in der Substanz verändert hat."

Was meinte Merkel mit "schaffen"?

"Focus"-Kolumnist Jan Fleischhauer stellt fest: "Also ein so reiches Land wie die Bundesrepublik, mit diesen enormen Ressourcen, schafft es natürlich auch, eine Million Flüchtlinge aufzunehmen, die unterzubringen und zu versorgen. Aber ist es das, was wir mit 'schaffen' meinen?

Oder meinen wir Integration? Das ist was ganz anderes. Schaffen wir es, Leute, die zu uns kommen - auch zum Teil mit ganz anderen Wertevorstellungen aus einem ganz anderen Kulturkreis, ich will nicht sagen, zu Deutschen zu machen, aber dafür zu sorgen, dass sie sich hier wohlfühlen, und dass sie hier auch ihren Platz finden und sich integrieren? Da kann man dann schon wieder eher Zweifel haben."

Vor allem "Riesen-Erfolg der Kommunen"

"Zeit"-Journalistin Mariam Lau ist überzeugt, dass die Krise nicht von der Kanzlerin selbst gemeistert wurde, sondern an ganz anderer Stelle: "Ich würde schon sagen, im Großen und Ganzen haben wir es geschafft, aber vor allem war das ein Riesen-Erfolg der Kommunen, die das vor Ort irgendwie hinkriegen mussten. Politisch, finde ich, hätte man es sehr viel energischer angehen müssen, und da sehen wir eben wieder so ein Problem der Kanzlerin: die mangelnde Bereitschaft, wirklich in Konflikte reinzugehen."

Die Ära Angela Merkel endet mit dieser Bundestagswahl. 16 Jahre, die Spuren hinterlassen haben. Was bleibt von Merkels Kanzlerschaft?

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Kristina Dunz vom "Redaktionsnetzwerk Deutschland" meint dazu: "Da wäre es gut gewesen damals, wenn sie häufiger den Menschen gezeigt hätte, was eigentlich ihre Gedanken waren. Es gab einige Interviews, es gab diese große Pressekonferenz damals mit der Botschaft "Wir schaffen das", und danach wurde es dann weniger. Und das ist sicherlich im Rückblick ein Versäumnis von ihr, dass sie nicht mehr erklärt hat."

Politische Idee zur Flüchtlingskrise "ist gescheitert"

Der "Welt"-Journalist Robin Alexander hat sich intensiv mit der "Flüchtlingskrise" beschäftigt:

"Von dem EU-Türkei-Deal ist nichts geblieben außer, dass wir türkische Flüchtlingslager finanzieren - was richtig ist, aber alles, was politisch daran hängt, ist gescheitert. Die Türkei hat ihre eigenen Grenzen sowohl zu Syrien als auch zum Iran befestigt, der Deal mit Ägypten ist gescheitert.

Es finden immer wieder Erpressungsversuche der EU statt. Der weißrussische Diktator Lukaschenko fliegt extra Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ein, um die baltischen Länder unter Druck zu setzen. Griechenland pusht Leute zurück, statt ihre Asylanträge aufzunehmen, Polen baut einen Zaun. Also diese politische Idee von Angela Merkel zur Flüchtlingskrise ist gescheitert."

"Politik hat Angst, dass die Wunde wieder aufbricht"

Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Theo Koll erkennt zudem eine Spaltung der Gesellschaft durch die Migrationspolitik der Kanzlerin: "Ich glaube, oberflächlich haben wir die Krise geschafft. Wir haben die Menschen aufgenommen, wir haben sie im Wesentlichen integriert.

Darunter aber hat uns die Krise zwar nicht 'geschafft', aber beschädigt. Wir haben die AfD als größte Oppositionspartei im Parlament. Und wir haben ja jetzt in der Afghanistan-Krise gesehen, dass als erster Reflex kam: nicht 2015 wiederholen. Das heißt, da ist eine Wunde und die ist sehr tief. Und die Politik hat Angst davor, dass die Wunde wieder aufbricht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich 2015, nach dem Besuch einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, für ein Selfie zusammen mit einem Flüchtling fotografieren.

Studie zur Willkommenskultur - Zuwanderungsboom 2015: Nicht wegen Merkel 

Eine Studie zeigt, dass Merkels Flüchtlingspolitik im Jahr 2015 keinen messbaren Einfluss auf die späteren Migrationsbewegungen nach Deutschland hatte. Ein Überblick:

von Katharina Schuster
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