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Wer auf Kramp-Karrenbauer folgen könnte

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Wechsel an der CDU-Spitze - Wer auf Kramp-Karrenbauer folgen könnte

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Bis zum nächsten Parteitag will Noch-CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer den Übergang organisieren. Ob sie Zeit dafür hat, ist offen. Potenzielle Nachfolger gibt es. Mehr als einen.

Nach dem angekündigten Rückzug von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer stellt sich die Frage nach ihrer Nachfolge. ZDF-Korrespondent Theo Koll über mögliche Kandidaten.

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Wie immer, wenn es in der CDU nicht so läuft, kursierten in den vergangenen zwei Jahren dieselben Namen: Friedrich Merz, Armin Laschet und Jens Spahn. Allen drei werden Ambitionen auf die Nachfolge von Kramp-Karrenbauer nachgesagt, die nach nur gut 14 Monaten ihr Amt als Vorsitzende aufgeben wird. Ob sie ihren Hut in den Ring werfen und wann sie das tun werden, das wird sich zeigen. Klar ist: Wer sich den Vorsitz der CDU zutraut, muss auch der nächste Kanzlerkandidat werden wollen. Die Aussichten der Nachfolger im Überblick.

Friedrich Merz: Der Möchtegern

Friedrich Merz (Archiv)
Friedrich Merz
Quelle: Peter Gercke/zb/dpa

Was für ihn spricht: Friedrich Merz gilt seit seiner Kandidatur um den Parteivorsitz vor gut anderthalb Jahren in vielen Landesverbänden als Hoffnungsfigur. Als jemand, der alles ändern könnte, was andere an dem Mitte-Kurs der Ära Merkel und Kramp-Karrenbauer kritisieren. Konservativer irgendwie. Merz füllt die Säle, er ist in seiner Rhetorik mitreißender als Merkel und Kramp-Karrenbauer zusammen. Just vor wenigen Tagen erst hat Merz die Voraussetzungen für sein volles Comeback in die Bundespolitik geschaffen. Er hat gesagt, er wolle sich wieder "stärker politisch engagieren", in Verden die Kandidatur um ein Bundestagsmandat angedeutet. Sein Aufsichtsratsmandat bei der Fondsgesellschaft Black Rock will er Ende März zurückgeben.

Und Merz profilierte sich seit seiner Rückkehr in die Politik als Kämpfer gegen die AfD. "Wir müssen den Anspruch haben, die Hälfte der Wähler zurückzugewinnen", hatte er vorige Woche in der Sendung "Markus Lanz" gesagt. Es hätte, sagt Merz, "nicht so weit kommen dürfen, dass die AfD in allen Länderparlamenten sitzt."

Was gegen ihn spricht: Merz musste noch nicht beweisen, dass hinter seinen Sprüchen auch wirklich etwas steckt: Wie will er denn wirklich die Wähler der AfD zurückholen? Hat er ein Rezept, hat er es bislang niemanden verraten. Versuche von Kramp-Karrenbauer, ihn nach seiner Niederlange in verantwortlicher Position einzubinden, lehnte er ab. Die Anti-AfD-Strategie macht ihn zudem angreifbar in den CDU-Ostverbänden. Dort wird er wegen seines konservativen Kurses zwar besonders gemocht. Die Annäherung an die AfD, die in Thüringen und Sachsen-Anhalt versucht wird, dürfte mit ihm aber schwierig sein.

Hinzu kommt: Viele in der CDU halten Merz nicht für einen Mann von morgen, er sei ein Mann der 90er Jahre und irgendwie durch. Als er bei "Markus Lanz" von der "Spiegel"-Redakteurin Melanie Amann konfrontiert wird, lacht er. Und sagt auch, was viele für arrogant halten: Seine Partei habe "ja nicht einen Überfluss von Führungspersönlichkeiten". Ob man ihn da überhaupt noch haben will? "Das wollen wir mal sehen", antwortet Merz.

Armin Laschet: Der Kompromiss

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Quelle: Federico Gambarini/dpa

Was für ihn spricht: Armin Laschet gilt als Mann der Mitte, er könnte also eine integrierende Funktion in einer Partei haben, die gerade in zwei Teile zerfällt: In einen West- und einen Ostteil. Noch im Oktober hatte Laschet bei der Jungen Union für "differenzierte Antworten" auf das AfD-Problem geworben. Im Osten seien andere Antworten als im Westen nötig. Die Kritiker von Kramp-Karrenbauer dürfte Laschet sowieso auf seiner Seite haben, kreidete er ihr doch sehr öffentlich ihr schlechtes Krisenmanagement in Erfurt an. "Dass das nicht optimal gelaufen ist, ist offenkundig", hatte er in dieser Woche der ARD gesagt und vor allem auf den internationalen Schaden hingewiesen.

Laschet genießt zudem außerhalb seiner Partei Anerkennung, was für potenzielle Koalitionen nicht ganz unwichtig ist. FDP-Vize Wolfgang Kubicki sah in ihm den nächsten Kanzlerkandidat. Jetzt, nach dem Rückzug Kramp-Karrenbauers forderte ihn SPD-Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann zur Kandidatur auf. Für die Grünen dürfte Laschet eher noch als Friedrich Merz als kompatibel gelten, obwohl das Problem Kohlepolitik und Hambacher Forst zwischen ihnen steht.

Nicht erst seit dem politischen Beben in Thüringen steht die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer in der Kritik. Dabei steht besonders ihr Krisenmanagement seit ihrem Amtsantritt 2018 im Mittelpunkt.

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Was gegen ihn spricht: Wer war noch einmal gleich Armin Laschet? Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen vertritt zwar den mit Abstand größten Landesverband der CDU. Besonders bekannt dürfte er in den Tiefen des Landes aber nicht sein, im ZDF-Politbarometer ist er noch nicht einmal unter den zehn beliebtesten Politikern. Als ausgewiesener Rheinländer und Katholik dürfte er außerdem gerade im Osten einen schwereren Stand haben. Auch Laschets ständiges Sägen am Stuhl Kramp-Karrenbauers kam nicht überall gut an. Zur Erinnerung: Kramp-Karrenbauer wurde zwar knapp, aber sie wurde mit mehr als der Hälfte der Stimmen vor 14 Monaten gewählt. Das Merkel/Kramp-Karrenbauer-Lager in der Partei wird über Nacht nicht plötzlich verschwunden sein.

Jens Spahn: Der Joker

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.
Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.
Quelle: Caroline Seidel/dpa

Was für ihn spricht: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich bis zur Thüringen-Krise aus allen bundespolitischen Themen herausgehalten. Punkten wollte er mit seinen Sachthemen: Impfpflicht, Organspende, Pflegenotstand, Coronavirus. Erst, als die Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen daneben ging, meldete sich Spahn wieder zu Wort, brachte einen überparteilichen Kandidaten für Thüringen ins Spiel.

Spahn wird im Mai zwar erst 40, ist aber lang genug in der Politik und gilt als erfahren. Bei seiner Kandidatur um den CDU-Vorsitz gegen Kramp-Karrenbauer hat er zwar haushoch verloren. Profil, so bescheinigten ihm viele, habe er dadurch trotzdem gewonnen. Einen Neuanfang würde man ihm abnehmen, er hat zudem den Rückhalt in der Jungen Union und kommt aus dem größten Landesverband, Nordrhein-Westfalen.

Was gegen ihn spricht: Kein Tag ohne eine neue Idee von Minister Spahn. Sein Ministerium kommt kaum hinterher, all die Gesetzesvorhaben des Gesundheitsministers umzusetzen. Vieles, sagen Kritiker, ist aber Aktionismus und am Ende heiße Luft. Trotz seiner Reisen ins Ausland, um Pflegekräfte anzuwerben, hat sich zum Beispiel am Pflegenotstand bislang nicht wirklich etwas geändert. Auch seine Dauerpräsenz in den sozialen Medien - hier ein Bild mit US-Botschafter Richard Grenell von einem Schlagerkonzert, da eins mit seinem Ehemann auf irgendeinem roten Teppich - finden viele anstrengend.

Kai aus der Kiste

Der CSU-Parteivorsitzende Markus Söder in München.
Der CSU-Parteivorsitzende Markus Söder in München.
Quelle: Matthias Balk/dpa

...könnte Markus Söder sein. Der hat zwar immer wieder betont, dass seine Aufgabe in Bayern sei. In der AfD-Frage war er aber viel klarer als Kramp-Karrenbauer und hat sich so Anerkennung erarbeitet. Der Druck auf ihn, die Kanzlerkandidatur zu übernehmen, könnte wachsen.

Ob sich noch jemand aus der Deckung wagt? Offen. Noch ist Zeit.

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