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Migranten vor Calais ertrunken - Macron: Ärmelkanal darf kein Friedhof werden

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Tragödie im Ärmelkanal: Bei der Überfahrt nach Großbritannien ist ein Boot mit Migranten gekentert. Mindestens 31 Menschen starben. Präsident Macron forderte eine EU-Krisensitzung.

Im Ärmelkanal ist ein Flüchtlingsboot gekentert – offenbar sind mehr als 20 Menschen ertrunken. So viele Migranten wie noch nie versuchen in diesem Jahr illegal von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen.

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Beim Kentern eines Flüchtlingsbootes im Ärmelkanal sind am Mittwoch nach neuen Angaben mindestens 31 Menschen gestorben. Das Unglück ereignete sich der französischen Polizei zufolge vor der Küste von Calais.

Macron will Krisensitzung der EU

Präsident Emmanuel Macron rief zu einer Krisensitzung auf europäischem Niveau auf. Frankreich werde nicht zulassen, dass der Ärmelkanal sich in einen Friedhof verwandele und Schleuser Menschenleben in Gefahr brächten. Die Mittel der Grenzschutzagentur Frontex an den Außengrenzen der EU müssten unverzüglich erhöht werden.

Gemeinsam mit Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland müsse verstärkt gegen kriminelle Schleusernetzwerke vorgegangen werden, verlangte Macron. Premierminister Jean Castex sprach von einer "Tragödie". Der britische Regierungschef Boris Johnson, in dessen Land die Flüchtlinge wollten, berief eine Krisensitzung ein.

Die Besatzung eines Bootes der französischen Marine hatte am Nachmittag vor der Küste von Calais Menschen im Wasser treiben sehen. Mehrere Schiffbrüchige seien teils bewusstlos von der Marine an Bord genommen worden, teilte das Innenministerium mit. Drei Hubschrauber und drei Boote waren an der Rettungsaktion beteiligt.

Hilfsorganisation: Ärmelkanal wird zu Friedhof

Innenminister Gérald Darmanin kündigte an, sich nach Calais zu begeben. Die Staatsanwaltschaft in Dunkerque nahm Ermittlungen wegen "besonders schweren Totschlags" auf. "Der Ärmelkanal wird allmählich zu einem Friedhof, so wie das Mittelmeer", sagte Pierre Roques von der Hilfsorganisation L'Auberge des Migrants.

Mehrere Politiker erklärten, dass mehr getan werden müsse, um die Schlepper zu bekämpfen. "Wir brauchen mehr Mittel, um das Netz der Schlepper zu zerstören, die das Elend ausnutzen", schrieb der konservative Präsidentschaftskandidat Xavier Bertrand auf Twitter.

Schlepper kassieren bis zu 6.000 Euro pro Migrant

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass die Polizei 15 mutmaßliche Schlepper aus dem Irak, Rumänien, Pakistan und Vietnam in Gewahrsam genommen hat. Sie sollen monatlich etwa 250 Migranten in Booten nach Großbritannien gebracht haben. Für die Überfahrt hätten sie 6.000 Euro pro Person erhalten und insgesamt drei Millionen Euro Gewinn gemacht.

Immer mehr Migranten versuchen, den Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich zu überqueren. Es kommt zu dramatischen Szenen.

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Nach Angaben der zuständigen Präfektur gab es seit Jahresbeginn 31.500 Versuche von Flüchtlingen, über den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien zu kommen. Etwa 7.800 Menschen wurden aus Seenot gerettet. Insgesamt sind 2021 bislang mindestens 34 Menschen gestorben oder gelten als vermisst. Nach britischen Angaben sind seit Jahresbeginn etwa 22.000 Migranten über den Ärmelkanal nach Großbritannien gekommen.

Spannungen zwischen Paris und London

In der Gegend von Calais halten sich zahlreiche Migranten auf. Hilfsorganisationen kritisieren, dass Sicherheitskräfte regelmäßig deren Lager räumen und dabei Zelte und Schlafsäcke zerstören. Den Migranten werden Notunterkünfte in anderen Landesteilen angeboten. Viele von ihnen versuchen jedoch weiter, nach Großbritannien zu gelangen.

Die Überfahrten von Migranten nach Großbritannien tragen erheblich zu den Spannungen zwischen Paris und London bei. Viele Migranten wollen nach Großbritannien, weil sie die Sprache sprechen und dort bereits Bekannte oder Verwandte haben. Der Anstieg der Zahlen seit August dürfte damit zu tun haben, dass die Überfahrt mit den sinkenden Temperaturen demnächst noch gefährlicher wird.

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