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"Asylprüfung an EU-Außengrenze unrealistisch"

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Migrationsforscher Knaus - "Asylprüfung an EU-Außengrenze unrealistisch"

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Im Streit um das Europäische Asylsystem schlägt Migrationsforscher Gerald Knaus vor, das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei wiederzubeleben und weitere Milliarden Euro anzubieten.

Ein Schlauchboot mit Flüchtlingen vor der griechischen Insel Lesbos. Die EU ins uneins beim Umgang mit dem Flüchtlingsstrom. Migrationsforscher Knaus plädiert für ein neues Flüchtlingsabkommen mit der Türkei.
Europa ins uneins beim Umgang mit dem Flüchtlingsstrom an den EU-Außengrenzen.
Quelle: AP

Den von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeschlagenen Asylprüfungen an den EU-Außengrenzen erteilt der Migrationsforscher Gerald Knaus eine Absage. Knaus hält die Idee für unrealistisch und wirbt stattdessen für eine Wiederbelebung des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei.

Zu Asylprüfungen an den EU-Außengrenzen sagte Migrationsforscher Knaus gegenüber der "Welt": "Ich kenne niemanden in der EU, der das wirklich glaubt. Kein EU-Land an der Außengrenze wird riskieren, dass bei ihnen so etwas wie Lesbos entsteht."

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Streit um ein gemeinsames EU-Asylsystem

Damit es bald Fortschritte bei der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS), sollen sich nach dem Wunsch Seehofers, zunächst alle EU-Staaten für Asylprüfungen an den Außengrenzen aussprechen.

Nach Ansicht von Knaus würden Italien und andere Staaten dem aber nur zustimmen, "wenn klar ist, dass sie die Abgelehnten zurückführen können und die Anerkannten schnell verteilt würden".

EU-Ratspräsidentschaft: Gelingt Deutschland ein Druchbruch?

Knaus äußerte sich skeptisch gegenüber den Ankündigungen Seehofers, dass nach der bis Dezember andauernden deutschen Ratspräsidentschaft ein funktionierendes EU-Asylsystem beschlossen werden könne.

"Wenn es jetzt nicht einmal der deutschen Ratspräsidentschaft gelingt, dem Land mit dem größten Interesse und der größten Erfahrung, wird es sicherlich nicht leichter in den Jahren danach", sagte Knaus.

Möglicherweise wird es nie eine Einigung für ein neues EU-Asylsystem geben.
Gerald Knaus, Migrationsforscher

Der Migrationsforscher schlägt vor, das von ihm selbst mit entwickelte Flüchtlingsabkommen mit der Türkei wiederzubeleben: "Die EU sollte der Türkei über die bisher veranschlagten sechs Milliarden hinaus die nächsten Jahre jedes Jahr eine weitere Milliarde Euro anbieten, aber auch, wie 2016 versprochen, schutzbedürftige Flüchtlinge aufnehmen."

Zusätzliche Milliarden eine sinnvolle Investition

Knaus sagte weiter: "Auch wenn die Türken zwei Milliarden pro Jahr fordern würden, wäre das eine sinnvolle Investition für die EU. Der Status quo ist schlecht für die Menschen auf den Inseln, die Flüchtlinge in der Türkei, für Griechenland und auch für Deutschland."

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