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Nach Untergang der Moskwa : Wie die russische Propaganda an Grenzen stößt

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Die russische Propaganda muss den Untergang des Kriegsschiffs Moskwa erklären - und kommt ins Straucheln. Selbst das eigene Staatsfernsehen bezweifelt die offizielle Version.

Russisches Kriegsschiff "Moskwa"
Der Stolz der russischen Marine: Das Kriegsschiff Moskwa ist untergegangen. (Archivbild)
Quelle: dpa

Die Stimme von Talkshowgast Wladimir Bortko im staatlichen TV überschlägt sich vor Aufregung. Der Untergang der Moskwa, Russlands wichtigstes Marineschiff, sei ein Kriegsgrund, ruft der ehemalige Duma-Abgeordnete und bekannte russische Filmemacher wütend. Die Spezialoperation sei beendet, nun gebe es einen echten Krieg. Bortko geht offenbar davon aus, dass die Ukraine für den Verlust der Moskwa verantwortlich ist - so wie es die Ukraine auch für sich in Anspruch nimmt.

Nicht einmal mehr die staatlich kontrollierten Medien glauben demnach die offizielle Begründung für den Untergang der Moskwa: Auf dem Schiff sei bei einem Unfall ein Feuer ausgebrochen und daraufhin Munition explodiert, hieß es vom Moskauer Verteidigungsministerium. Das schwer beschädigte Schiff sei beim Abschleppen in stürmischer See gesunken.

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Verlust für Moskau ein Image-Desaster

Für Moskau ist der Untergang seines strategisch wichtigen Raketenkreuzers einerseits militärisch ein herber Rückschlag, durch den vermutlich alle russischen Invasionspläne gegen Odessa zunichte gemacht worden sind, meint Militärexperte Christian Mölling bei ZDFheute.

Der Verlust des symbolträchtigen Flaggschiffs der Schwarzmeerflotte ist aber auch ein Image-Desaster, das einmal mehr zeigt, wie verwundbar Russlands scheinbar übermächtige Armee ist. Die Schmach würde umso größer wiegen, sollte die Ukraine tatsächlich für den Untergang verantwortlich sein.

Wetterdaten beweisen: Es gab keinen Sturm

So stößt die russische Propaganda mit Erklärungen an ihre Grenzen: Denn was letztendlich den Brand auf der Moskwa verursacht hat - ukrainischer Ratenbeschuss oder ein Unfall - lässt sich zwar im Moment nicht überprüfen. Doch die russische Version, das Schiff sei in einem Sturm gesunken, ist unglaubwürdig:

Das russische Verteidigungsministerium hat den Verlust des Raketenkreuzers "Moskwa" bestätigt. Derweil gehen die Angriffe auf Städte in der Ukraine unvermindert weiter.

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"Die Moskva ist ganz sicher nicht wegen eines Sturms gesunken, weil es keinen Sturm gab", twitterte Wettermoderator Jörg Kachelmann und verlinkte auch gleich auf Wetterdaten aus der fraglichen Zeit. Auch nach Daten der Website "timanddate" gab es in der zentralen Hafenstadt der Krim Sewastopol am Donnerstag nur leichten Regen und Windgeschwindigkeiten von etwa sieben km/h.

Es sind Lügen aus einer Zeit, in der man noch nicht wusste, wie das Wetter anderswo ist.
Wetterexperte Jörg Kachelmann bei Twitter

Die Ukraine erklärte, die "Moskwa" mit Raketen vom Typ "Neptun" versenkt zu haben. Das bestätigte auch ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, der nicht namentlich zitiert werden wollte: Er sagte am Freitag, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte sei von zwei ukrainischen Raketen des Typs "Neptun" getroffen worden.

Russland greift Raketenfabrik an

Eine Version, die plausibel erscheint: Das Magazin "Spiegel" zitiert den Marineexperten des Londoner "Royal United Service Institute", Sidharth Kaushal: Die Ukraine habe die Waffen dafür gehabt, außerdem sei die "Moskwa" einen relativ erwartbaren Kurs um die Schlangeninsel herum gefahren. 

Ausgerechnet einen Tag nach dem Untergang griff Russland erstmals einen Rüstungskomplex nahe Kiew an. Vermutlich kein Zufall: Dort wurden laut der Website des staatlichen Rüstungskonzerns Ukroboronprom "Neptun"-Raketen hergestellt.

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