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Reaktion auf Gewalt-Eskalation - Mit Ostereiern gegen Militär-Junta in Myanmar

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In Myanmar machen Demonstrierende Ostereier zum Symbol ihres Widerstandes gegen die Militärregierung. Außenminister Maas warnt vor einem Bürgerkrieg im Land.

Mit Ostereiern gegen die Junta in Myanmar - Aktivisten verteilen mit politischen Botschaften beschriftete Ostereier
In den Online-Diensten veröffentlichten Nutzer auch etwa Ostereier mit dem Konterfei der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi.
Quelle: Reuters

"Rettet unser Volk" oder "Demokratie" steht etwa auf den Ostereiern, die am Ostersonntag in Myanmar von Aktivistinnen und Akivisten verteilt wurden. Die Demonstrierenden greifen im Protest gegen die Militärmachthabenden zu immer kreativeren Mitteln.

Obwohl das Land überwiegend buddhistisch geprägt ist, verbreiteten Menschen am Sonntag in den sozialen Medien Fotos von Ostereiern mit Slogans gegen den Putsch am 1. Februar. Auch auf Kundgebungen forderten zahlreiche Demonstrierende die Rückkehr zur Demokratie.

Im ganzen Land seien Menschen weiter im Streik, um für eine Ende der Diktatur, für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen, teilte die Gefangenenhilfsorganisation AAPP mit.

Maas warnt vor Bürgerkrieg in Myanmar

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich tief besorgt über die Lage in dem asiatischen Land geäußert und vor der Gefahr eines Bürgerkriegs gewarnt.

Die Militärs haben Myanmar innerhalb weniger Wochen an den Rand einer Katastrophe getrieben.
Heiko Maas, Bundesaußenminister

"Weit mehr als fünfhundert Menschen wurden bereits getötet, Tausende sind auf der Flucht", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Sonntag.

Maas forderte, alle Akteure müssten jetzt den Druck auf das Regime erhöhen, damit es endlich auf die Gesprächsangebote der Partner im Staatenbund ASEAN eingehe. "Niemand in der Region kann ein Interesse haben, dass Myanmar im Bürgerkrieg versinkt - auch diejenigen nicht, denen es nicht um die Rettung der Demokratie geht."

Mehr als 550 Tote, darunter mindestens 46 Kinder

Nach neuen Schätzungen des Unterstützerverbandes für politische Gefangene (AAPP) von Samstag wurden seit dem Putsch vor zwei Monaten mindestens 550 Menschen getötet. Laut der Hilfsorganisation Save the Children sind mindestens 46 Kinder unter den Opfern.

Zudem befinden sich AAPP zufolge derzeit mehr als 2.750 Menschen in Haft; 126 weitere werden mit Haftbefehl gesucht. Staatsmedien berichteten am Freitagabend, gegen 18 prominente Menschen aus dem Fernsehen, Social Media sowie der Presse seien Vorwürfe erhoben worden, weil sie Mitglieder der Armee zur Meuterei oder Missachtung von Befehlen aufgerufen haben sollen.

Wer in Myanmar an den Protesten gegen das Militär teilnimmt, muss um sein Leben fürchten. "Sie schießen gezielt in die Brust und in den Kopf", berichtet eine Ärztin.

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Dörfer ethnischer Minderheiten bombardiert

Auch auf dem Land geht die Junta mit Gewalt vor: Mehr als 12.000 Menschen mussten Ende März vor Luftangriffen des Militärs im nördlichen Staat Karen an der Grenze zu Thailand aus ihren Dörfern fliehen, wie die Gruppe Karen National Union (KNU) am Freitag mitteilte.

Die KNU gehört zu den größten bewaffneten ethnischen Gruppen in Myanmar. Diese Angriffe hätten zu einer "großen humanitären Katastrophe" geführt, hieß es:

Diese Terroranschläge sind eindeutig ein eklatanter Verstoß gegen lokale und internationale Gesetze.
Karen National Union

Inzwischen sind in von Karen kontrollierten Gebieten nach Angaben der Hilfsorganisation Free Burma Rangers mehr als ein Dutzend Menschen getötet und mehr als 20.000 vertrieben worden.

Führer der Protestbewegung gegen den Putsch streben nun ein Bündnis mit ethnischen Rebellengruppen an, um den Druck auf die Junta zu erhöhen. Die KNU forderte von der internationalen Gemeinschaft einen Verkaufsstopp von Waffen und Technologie sowie Sanktionen gegen das Militär.

Blutige Proteste in Myanmar - Forderung nach Sanktionen gegen Militärjunta 

Joe Biden bezeichnet das Vorgehen des Militärs in Myanmar als "abscheulich" und erwägt Sanktionen. Auch die UN und der EU-Außenbeautragte fordern schärfere Konsequenzen.

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Kontakt zu Medienvertretern lebensgefährlich

Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat zwar die anhaltende Gewalt im früheren Birma verurteilt. Das Militär solle äußerste Zurückhaltung üben. Auch bekräftigte der Rat seine Forderung nach der Freilassung von Regierungschefin Aung San Suu Kyi und Präsident Win Myint. Doch gegen schärfere Formulierungen hatte sich vor allem China gesperrt.

Die Militärs in Myanmar setzten auch unbeeindruckt von der UN die Gewalt fort. Am Freitagabend nahmen Polizisten in Zivil fünf Menschen fest, die in Yangon auf einem Markt mit einem Reporter des US-Senders CNN gesprochen hatten, wie lokale Medien berichteten. Zwei Frauen hätten bei der Festnahme um Hilfe geschrien, berichtete der Nachrichtendienst Myanmar Now. Ein Polizist habe seine Pistole gezückt und gefragt, wer es wage, den Frauen zu helfen.

Sie haben ihre Pistolen auf jeden gerichtet - auf Passanten und auf Leute im Laden.
Augenzeuge in Yangon

Junta schottet Myanmar von Außenwelt ab

Die Militärjunta hat sämtliche Medien abgeschaltet - bis auf vom Militär kontrollierte Betriebe. Am Freitag verfügte die Junta das Abschalten des drahtlosen Breitband-Internets, das viele Menschen im Land nutzen.

Kabelbasierte Internet-Verbindungen funktionierten noch, allerdings mit deutlich geringerer Geschwindigkeit. Die Miilitärs schotten Myanmar zunehmend von der Außenwelt ab.

Wegen zunehmender Gewalt empfiehlt das Auswärtige Amt allen Deutschen, aus Myanmar auszureisen. Bei den Protesten im Land sind mindestens 510 Menschen ums Leben gekommen.

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