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Zeichen auf Abschreckung : So rüstet die Nato auf

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Truppen, Schiffe, Jets, Raketen: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs rüstet die Nato in Osteuropa auf. In der Ostsee und im Schwarzen Meer zeichnen sich Spannungen ab. Ein Überblick.

Vier Schiffe der Marine, das Versorgungsschiff "Tender Elbe", ein Minensuchboot und zwei Minenjagdboote laufen aus dem Hafen Kiel zur Verstärkung der Nato-Nordflanke in die Ostsee aus
Marineschiffe laufen zur Verstärkung der Nato-Nordflanke aus.
Quelle: dpa

Für die Nato gibt es eine Zeit vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Und eine Zeit danach. Zuvor: Ein Balanceakt aus Präsenz in Osteuropa und dem gleichzeitigen Versuch, Russlands Präsidenten Wladimir Putin nicht zu verärgern. Und danach? Rüstet die Nato an der Ostflanke auf, von Norden bis Süden, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer.

Eine "Zäsur", meint Marius Bales vom Bonn International Center for Conflict Studies.

Der Nato geht es jetzt um glaubwürdige Abschreckung.
Marius Bales, Rüstungsforscher

Erstmals überhaupt hat das Militärbündnis seine Eingreiftruppe aktiviert. Sie zählt 40.000 Kräfte, inklusive der sogenannten Speerspitze: Einheiten, die innerhalb von zwei bis drei Tagen auf allen Ebenen eingreifen können sollen, am Boden, in der Luft, zur See.

Fast täglich meldet einer der 30 Mitgliedsstaaten Verschiebungen: Soldat*innen, Flugzeuge, Schiffe, Panzer, Raketen – mehr Kräfte und erhöhte Einsatzbereitschaft. Offizielle Details listet die Nato nicht, dennoch zeichnen sich Muster ab.

Die Ukraine ist auf Waffenlieferungen aus dem Westen angewiesen. Doch läuft die NATO damit auch Gefahr, stärker in den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hineingezogen zu werden, so die Expertin für Sicherheitspolitik, Claudia Major.

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Aufrüstung in Nordosteuropa

Die kleinen Ex-Sowjetstaaten Litauen, Estland und Lettland fühlen sich seit 2014 von Russland bedroht. Seit 2017 hat die Nato hier je mehr als 1.000 Soldat*innen aus mehr als 20 Mitgliedsländern stationiert, ebenfalls in Polen.

Seit Februar 2022 rüstet die Nato in der Region auf.

Bestehende Defizite, gerade was Panzer und Jets angeht, werden durch die Nato kompensiert.
Marius Bales, Rüstungsforscher

Die jüngste Meldung: Die USA verschieben Patriot-Flugabwehrraketen (können auch Flugzeuge in hohen Flughöhen abschießen) von Deutschland nach Polen. Hinzu kommen neue Kräfte: Allein in Litauen werden laut litauischem Verteidigungsministerium bis Ende März 4.000 Nato-Soldat*innen (900 Deutsche) sein. "Dass Soldaten anderer Nato-Mitglieder im Ernstfall mit unter Beschuss stünden, hat großen Symbolcharakter", sagt Bales. "Es zeigt die Bereitschaft, den Ländern wirklich beizustehen."

Aufrüstung in der Ostsee

Im Baltikum und in Polen stationierte Kampfjets überwachen auch den Luftraum über der Ostsee. "Die Ostsee ist wieder ein potenzielles Konfliktgebiet", sagt Johannes Peters, Leiter am Kieler Zentrum für Maritime Strategie und Sicherheit. Seit 2014 wurden vermehrt russische Provokationen, wie das Eindringen in nationale Lufträume und Hoheitsgewässer, sowie Cyberattacken auf baltische Staaten gemeldet.

Der Krieg in der Ukraine wird auch von Russlands Nachbarn mit Sorge verfolgt, so auch in Finnland. Jüngste Umfragen zeigen, dass die Zustimmung zu einem Nato-Beitritt wächst.

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Über Häfen in Sankt Petersburg und der hochgerüsteten Exklave Kaliningrad hat Russland Zugang zur Ostsee. Laut Peters auffällig: Seit dem Start der russischen Invasion "hat die Nato in der Ostsee signifikant Einheiten zur See gebracht". Auch Schiffe, die eigentlich länger im Hafen hatten bleiben sollen, seien kurzfristig ausgelaufen.

Aufrüstung in Südosteuropa

Bis dato befanden sich in Südosteuropa größere Nato-Truppen nur in Rumänien: 4.000 in der Nato-Südosteuropa-Zentrale. Neben Polen beherbergt Rumänien zudem einen Teil des Nato-Raketenabwehrsystems. Vonseiten Frankreichs und den USA wird das Nachbarland der Ukraine dieser Tage stark mit Personal aufgerüstet, aus Deutschland und Italien kommen beispielsweise Kampfjets.

Auch in Bulgarien, der Slowakei und in Ungarn wird die Nato nun präsent. Die Slowakei will 2.100 Nato-Soldat*innen (700 aus Deutschland) aufnehmen, zudem sollen auch hier Patriot-Raketen stationiert werden.

Genaue Pläne für Bulgarien und Ungarn sind noch nicht bekannt. Nach längerem Zögern erklärte sich Ungarn jüngst bereit, Nato-Truppen auf seinem Gebiet zu akzeptieren. Die Niederlande und Spanien kündigten an, Kampfflugzeuge ins Schwarzmeerland Bulgarien zu verlegen.

FAQ

Zuschauer-Fragen an Experten - Würde Putin Krieg mit Nato riskieren? 

Wie könnte der Krieg in der Ukraine zu Ende gehen, was will Russland - und wo ist eigentlich Wladimir Putin? Ein FAQ zu den Fragen, die sich nun viele Menschen stellen.

Aufrüstung im Schwarzen Meer

Seit Jahresbeginn ist die Nato im und über dem Schwarzen Meer verstärkt aktiv, auch mit zusätzlichen Schiffen. Für das Schwarze Meer befürchtet Marine-Experte Peters große Spannungen. 

Es wird ein Frontlinien-Gebiet sein, in dem sich die Nato und Russland direkt gegenüberstehen.
Johannes Peters, Zentrum für Maritime Strategie und Sicherheit

Russland hat hier besseren Zugang und ist besser ausgestattet als in der Ostsee. Peters glaubt:

Meine Vermutung ist, dass die Schwarzmeer-Region die ist, in der das, was die Russen in der Ukraine angefangen haben, am ehesten weitergehen könnte.
Johannes Peters, Zentrum für Maritime Strategie und Sicherheit

Flugzeugträger von Nicht-Anrainer-Staaten dürfen nicht ins Schwarze Meer, das verbietet der seit 1936 gültige Vertrag von Montreux. Je einen Flugzeugträger haben die USA und Frankreich aber nicht weit entfernt im Mittelmeer positioniert. Für Peters sind diese "das stärkste Mittel konventioneller Abschreckung".

USA verstärken massiv

Manch Osteuropäer macht klar: Am sichersten fühlen sie sich mit US-amerikanischem Militär im Land. Fast überall in Europa haben die USA eigene Militärbasen. Ihr Truppenkontingent auf dem Kontinent stockten sie laut Pentagon derzeit auf rund 100.000 Kräfte auf. Im Osten rüsten die USA vor allem in Polen und Rumänien auf. Insgesamt zählen Nato-Staaten 3,3 Millionen Soldat*innen, davon allein rund 1,3 Millionen aus den USA.

Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

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27. Juni 2022, Krementschuk: Ein Einkaufszentrum steht in Flammen, davor stehen Einsatzkräfte der Feuerwehr und PKWs auf einem Parkplatz.
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Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Die Teilnehmer des Nato-Gipfels in Madrid versammeln sich zu einem Gruppenbild im spanischen Königspalast.

Nato-Gipfel in Madrid - Allianzen gegen Autokraten 

Vor dem Nato-Gipfel in Madrid erklärt der Nationale Sicherheitsberater der USA die neue Strategie des Bündnisses. Die Nato werde von nun an mehr Kampfbereitschaft demonstrieren.

von Elmar Theveßen, Madrid
Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg.

Menschenrechtsgerichtshof - Ukraine klagt gegen Russland 

Nach ukrainischer Darstellung hat Russland während seines Angriffskrieges im Nachbarland schwere Menschenrechtsverletzungen begangen. Kiew klagt deshalb in Straßburg.

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