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Sicherheitspolitik - Weltmacht USA erschreckt ihre Nato-Partner

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Der chaotische Truppenabzug aus Afghanistan erschüttert die Nato. Das resolute Agieren der USA ist für die Europäer schmerzhaft, könnte aber auch eine Chance sein, sagen Experten.

Archiv: US-Truppen besteigen ein Frachtflugzeug der Air Force, während der Abzug aus Afghanistan am internationalen Flughafen in Kabul, Afghanistan. Aufgenommen am am 31.08.2021
Truppenabzug aus Afghanistan
Quelle: picture alliance/ZUMAPRESS.com/Msgt.Alex Burnett/U.S. Army

Schrecklich, chaotisch, katastrophal: Mit diesen Worten wird der Abzug der westlichen Streitmacht aus Afghanistan häufig umschrieben. Der Schock sitzt tief – nicht nur bei vielen Menschen in Kabul, sondern auch bei den Nato-Bündnispartnern der USA.

Schaden innerhalb der Nato "recht groß"

"Der Schaden innerhalb der Nato ist recht groß, weil die Amerikaner als führende Macht keinen ihrer Nato-Partner konsultiert haben, wie sie den Rückzug durchführen wollen", sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München.

Die Amerikaner haben verkündet und exekutiert! Der Rest konnte dann nur noch folgen.
Carlo Masala, Professor für Internationale Politik

Die Nato-Partner müssten nun die Frage beantworten, wie sie als Alliierte in künftigen Operationen miteinander umgehen wollten.

In der Bevölkerung ist die Unsicherheit groß, wohin das Land steuert. So werden in Kabul etwa Proteste von Frauen unterbunden. Und oberhalb des Pandschir-Tals gehen die Kämpfe weiter, wo sich ein Bündnis verschiedener Oppositionsgruppen verschanzt hat.

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Mögliche Folgen fehlenden Vertrauens in USA

Das resolute Vorgehen in Afghanistan "ohne Rücksicht" auf die Bündnispartner sei für jede involvierte Nation "ein Schreckmoment" gewesen, sagt Tobias Lindner, der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die möglichen Konsequenzen skizziert Lindner ZDFheute so: "Ich denke, dass die Nato-Partner bei möglichen künftigen US-geführten Auslandseinsätzen der Nato ganz genau überlegen werden, wie intensiv sie sich an so etwas beteiligen wollen." 

Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter kritisiert die USA: Sie hätten ihre Partner zu spät über ihren Abzug aus Afghanistan informiert.

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Schmerzhafte Lektion für die Europäer

Claudia Major, Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), richtet ihr Hauptaugenmerk auf die Rolle Europas.

Afghanistan hat uns Europäern erneut schmerzhaft bewiesen, wie machtlos wir ohne die Amerikaner sind. Es ist zwar ein Drama, dass die USA ihre Nato-Partner vor vollendete Tatsachen gestellt haben, aber es ist ein noch größeres Drama, wie ohnmächtig sich die Europäer gezeigt haben.
Claudia Major, Forschungsgruppenleiterin Sicherheitspolitik, SWP

Für die Zusammenarbeit in der Nato gelte aus Sicht der Amerikaner: "Nur wer substanziell etwas beiträgt, wird auch als Partner ernstgenommen."

In einer Rede an die Nation hat US-Präsident Biden erneut den Truppenabzug aus Afghanistan gerechtfertigt.

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Europäer: Spieler oder Spielball?

Major sieht in den aktuellen Ereignissen aber auch die Chance für ein Umdenken: "Vielleicht ziehen die Europäer aus Afghanistan die Lehre, das Thema Sicherheitspolitik künftig ambitionierter, engagierter anzugehen."

Zwar blieben die USA der wichtigste Verbündete, "aber sich nur auf die USA zu verlassen, führt in eine Sackgasse", sagt Claudia Major. "Die Europäer müssen sich in letzter Konsequenz fragen, ob sie in der internationalen Sicherheitspolitik Spieler oder Spielball sein wollen."

Interview

Nato-Generalsekretär - Stoltenberg: Rolle der Nato genau überprüfen 

Im ZDF spricht Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg über das militärische Versagen in Afghanistan und die Lehren für die Zukunft.

Für USA Russland und vor allem China im Fokus

Unter der Woche machte US-Präsident Joe Biden deutlich, dass sich die USA vor allem durch die systemischen Kontrahenten China und Russland herausgefordert sehen, durch Cyber-Angriffe und atomares Wettrüsten gefährdet.

Den US-Rückzug aus Afghanistan betrachtet Major deshalb auch als Ergebnis nüchterner Analyse: "Afghanistan war schlicht nicht mehr im nationalen Interesse der USA. Den Abzug würde ich nicht als Schwäche auslegen."

Magdalena Kirchner, Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung: Die afghanische Regierung hat an Glaubwürdigkeit verloren.

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Major: USA als "Weltpolizei" nicht erledigt

Es sei eine "Fehlannahme", dass die USA nach dem Afghanistan-Abzug "als Weltpolizei erledigt wären", so Claudia Major, die daran erinnert, dass der Fokus der US-Amerikaner schon unter den Ex-Präsidenten Obama und Trump auf den indo-pazifischen Raum gerichtet worden sei.

Anders als Major sieht Sicherheitspolitikexperte Carlo Masala die USA durch ihren resoluten Alleingang geschwächt. "Die überstürzte Art und Weise des Abzugs auf Afghanistan hat die Glaubwürdigkeit der USA erschüttert", sagt Masala. Vor allem in asiatischen Ländern wie Südkorea, Taiwan oder Japan mühten sich die USA jetzt, die Gemüter zu beruhigen.

Andererseits habe insbesondere Taiwan aber auch keine Alternative als auf amerikanischen Schutz zu setzen.

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