ZDFheute

Mehr innerparteiliche Demokratie wagen!

Sie sind hier:

Kandidaten für CDU-Vorsitz - Mehr innerparteiliche Demokratie wagen!

Datum:

Die CDU sollte Norbert Röttgen dankbar sein - mit seiner Kandidatur verhindert er eine Hinterzimmer-Kungelei um den nächsten Vorsitz. Ein Kommentar.

Kommentar: Florian Neuhann - Thema  - Norbert Röttgen
Norbert Röttgen ist der erste offizielle Kandidat für den CDU-Vorsitz.
Quelle: Reuters

Nein, der Kandidat mit den besten Chancen auf den CDU-Vorsitz ist Norbert Röttgen aller Voraussicht nach nicht. Dafür hat Röttgen zu wenig Hausmacht, dafür sind viele Parteifreunde, auch in der eigenen Fraktion, zu genervt von seiner Besserwisserei, von seinen ausufernden Vorträgen. Und schließlich, vor allem, ist die Erinnerung an seine historische Wahlniederlage in NRW von 2012 zu präsent. Als Röttgen selbst große Fehler machte - und sich schwer darin tat, mit den Leuten auf der Straße ins Gespräch zu kommen.

Ein Zählkandidat also? Mag sein. Trotzdem sollte die CDU ihm dankbar sein dafür, dass er als Erster offiziell vorgeprescht ist. Denn mit seiner Kandidatur sorgt Röttgen dafür, dass eine Hinterzimmer-Lösung der Machtfrage unmöglich wird.

Ein Sonderparteitag muss her

Nach dem historischen Parteitag von 2018, als gleich drei aussichtsreiche Bewerber um den Parteivorsitz konkurriert hatten, hatte mancher in der Partei noch gehofft, dass es sich dabei um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt haben könnte. Dass man also wieder zurückkehren könne zur gewohnten Klärung von Personalfragen hinter verschlossenen Türen.

Irgendwie, so die Hoffnung, könne es der Noch-Parteivorsitzenden und den drei wahrscheinlichen Nachfolge-Kandidaten (Merz, Laschet, Spahn) gelingen, eine gütliche Lösung zu finden - und ein "Team" aufzustellen. Kein Wort hatten CDU-Politiker in den letzten Tagen schließlich auch öfter bemüht als dieses.

Diesen Weg aber versperrt nun Röttgen, der selbstbewusst einen Sonderparteitag noch bis zur Sommerpause fordert. Es ist eine Forderung, die die anderen Bewerber und die Parteivorsitzende kaum abwehren können - wie sollten sie das begründen? Die CDU muss also zum zweiten Mal in ihrer Geschichte mehr (innerparteiliche) Demokratie wagen; und das ist gut so.

Nun werden die Machtverhältnisse öffentlich geklärt

So oder so wird es nach einer Entscheidung in der Union enttäuschte Lager geben. Nun aber werden die Machtverhältnisse in der Partei für alle sichtbar geklärt. Nun werden die Bewerber ihre Stärken öffentlich darlegen müssen; nun werden sie auch inhaltlich Farbe bekennen - und Unterschiede zeigen müssen.

Niemand aber wird hinterher behaupten können, Kandidat XY sei doch der Liebling der Basis, aber im Hinterzimmer von der Partei-Elite ausgebootet worden.

Natürlich birgt der Prozess auch ein Risiko. Dass sich die Partei nunmehr erneut über Monate mit Personalfragen und also mit sich selbst beschäftigt, dürfte ihr demoskopisch nicht unbedingt helfen. Und ein siegreicher Kandidat wird - ähnlich wie Annegret Kramp-Karrenbauer das getan hat - viel Zeit investieren müssen, das innerparteilich unterlegene Lager für sich zu gewinnen.

Das allerdings wäre bei Hinterzimmer-Klärung nicht anders gewesen.

Florian Neuhann ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin. Dem Autor auf Twitter folgen: @fneuhann

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.