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Deutsch-russische Gaspipeline - Nord Stream 2: Was würde ein Aus bedeuten?

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Seit dem Giftanschlag auf den russischen Kremlkritiker Nawalny reißt die Diskussion um Nord Stream 2 nicht ab. Was würde ein Ende des Projektes bedeuten? Fragen und Antworten.

1.200 Kilometer lang, Milliarden Euro schwer – die Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen St. Petersburg und Lubmin ist ein Mammut-Projekt. Was passiert, wenn das Vorhaben scheitert?

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Warum steht Nord Stream 2 in der Kritik?

Nord Stream 2 ist eine fast fertig gestellte Gaspipeline zwischen Russland und Europa. Aus energiepolitischer Sicht erwarten die Befürworter mehr Unabhängigkeit - etwa von der umstrittenen amerikanischen Fracking-Industrie.

Kritiker allerdings befürchten eine stärkere Abhängigkeit von Russland. Wegen des mutmaßlichen Giftanschlages auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny fordern nun Einige, das Projekt im Rahmen von Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu beenden.

Wäre die Energieversorgung durch einen Stopp gefährdet?

In diesem Punkt sind sich die meisten Beobachter einig: Die europäische Energieversorgung bliebe auch erhalten, wenn das Projekt beendet werden würde. "Wir sehen aktuell keine Frage der Versorgungssicherheit", sagte etwa Oliver Harms gegenüber ZDFheute.

Harms ist Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Dieser vertritt die Interessen von rund 350 Wirtschaftsunternehmen in Deutschland.

Europa ist zum Glück in einer guten Lage und kann von überall her Gas beziehen.
Oliver Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft

Wie teuer war Nord Stream 2?

In den Bau der Pipeline sind nach Angaben der Nord Stream 2 AG bereits rund acht Milliarden Euro geflossen. Insgesamt würden sich die Investitionskosten bis zur Fertigstellung auf 12 Milliarden Euro belaufen. "Sanktionen könnten mehr als 120 Unternehmen aus mehr als zwölf europäischen Ländern direkt treffen", sagte ein Sprecher des Konsortiums. "Und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten".

In Deutschland sind etwa die beiden Energieunternehmen Uniper und Wintershall DEA mit von der Partie beim Bau der Pipeline. "Im schlimmsten Falle müssen diese Investitionen abgeschrieben werden - mit allen Konsequenzen, die sich für die Aktionäre und auch für die Unternehmen daraus ergeben", sagt Oliver Harms.

Dem setzen andere Beobachter entgegen, dass den Firmen die Risiken von Anfang an bekannt und bewusst waren. Sie hätten sich demnach auf mögliche Investitionsausfälle bei Nord Stream 2 vorbereitet oder vorbereiten können.

Russisches Gas nach Deutschland leiten - dafür wird Nord Stream 2 gebaut. Doch auf den letzten Metern stockt das Milliarden-Projekt. Kritik gibt es seit Langem.

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Welche Rolle spielen die USA bei dem Projekt?

Das Projekt ist den USA ein Dorn im Auge. Denn sie verfolgen unter anderem das Interesse, ihr eigenes Gas nach Europa zu verschiffen. Sie argumentieren, dass sich Europa mit Nord Stream 2 von Russland abhängig mache.

Um das Fertigstellen der Pipeline quasi auf den letzten Kilometern noch zu verhindern, hatte US-Präsident Donald Trump ein Gesetz unterzeichnet, das scharfe Sanktionen für Firmen vorsieht, die weiter an dem Projekt arbeiten. Daraufhin kamen die Bauarbeiten quasi zum Erliegen, weil sich einige wichtige Firmen dem Druck der Sanktionen gebeugt haben.

Würde ein Stopp die Gaspreise in die Höhe treiben?

Die Nord Stream 2 AG rechnet vor, dass ohne die Pipeline die Gaspreise für Verbraucher und Unternehmen in Europa in Zukunft spürbar höher ausfallen werden. Die Wirtschaftsprofessorin aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Klaudia Kemfert, bezweifelt das allerdings.

"Das deckt sich nicht mit unseren Forschungserkenntnissen", sagte die Energiefachfrau des DIW im Gespräch mit ZDFheute. "Die Erdgaspreise bilden sich im internationalen Markt. Und im Moment sind diese Preise sehr niedrig. Das ändert sich durch die Pipeline auch nicht".

Archiv: Arbeiter inspizieren Rohre der Gaspipeline Nord Stream 2

Debatte über Nord Stream 2 -
Wie viel russisches Gas braucht Deutschland?
 

Nach dem Nawalny-Anschlag wird über die Zukunft von Nord Stream 2 diskutiert. Ein Stopp könnte teuer werden - doch Experten zufolge brauchen wir künftig ohnehin weniger Gas.

von Frank Bethmann
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