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Verbindungsbüro gesprengt - Was Nordkoreas drastischer Schritt bedeutet

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Nordkorea sprengt das Verbindungsbüro zu Südkorea. Warum die Kim-Familie damit mehr als nur ein Gebäude zerstört, erklärt Korea-Experte Christian Taaks im Interview.

Südkorea: Eine Person schaut sich die Nachrichten zur Sprengung des Südkoreanischen Verbindungsbüros in Kaesong an.
Das gesprengte Verbindungsbüro in Kaesong im südkoreanischen Fernsehen.
Quelle: epa

Es ist ein drastischer Schritt im Korea-Konflikt: Nordkorea hat das Verbindungsbüro für die Beziehungen zu Südkorea gesprengt - und darüber hinaus die Kommunikationsverbindungen beider Länder gekappt.

Aber was bedeutet das? ZDFheute hat mit Christian Taaks gesprochen. Er leitet das Büro der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Südkoreas Hauptstadt Seoul - und sieht in der Sprengung einen enormen Rückschlag für den Friedensprozess zwischen beiden Ländern.

ZDFheute: Warum hat Nordkorea das Verbindungsbüro gesprengt?

Dr. Christian Taaks ist seit 2018 Büroleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Südkorea.
Christian Taaks ist seit 2018 Büroleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Südkorea.
Quelle: Friedrich-Naumann-Stiftung

Christian Taaks: Schon seit Mitte 2019 sehen wir eine stetige Verschlechterung der Beziehungen. Eine Eskalation hatte sich in den letzten Monaten abgezeichnet - und wurde in den letzten Wochen von Kim Jong Uns jüngerer Schwester, Kim Yo Jong, vorangetrieben. Dass die Eskalation nun so drastisch ausfällt, überrascht aber auch mich.

ZDFheute: Ist dieser Schritt eine Antwort auf die Flugblätter, die von südkoreanischen Aktivisten und nordkoreanischen Flüchtlingen mit Ballons über die Grenze geschickt wurden?

Taaks: Diese Aktion ist nur der Auslöser gewesen. Ich glaube, dass Nordkorea längst einen Plan hatte, die Verbindungen zum Süden zu kappen. Die Flugblätter kamen zu einer Zeit, in der die Stimmung schon aufgeheizt war. Die Aktion kam vielleicht gar nicht so ungelegen, um nun zur Tat schreiten zu können.

ZDFheute: Aber wozu? Brauchen die Kims die Eskalation, um ihre Herrschaft zu legitimieren?

Taaks: Ein Legitimationsproblem haben sie nicht. In Nordkorea ist alles auf die Kim-Familie und Kim Jong Un zugeschnitten. Sie haben in dritter Generation die Macht. Und die wird von niemandem in Frage gestellt, auch weil es gar keine Instrumente gibt, sie in Frage zu stellen.

Was wir dagegen feststellen können: Nordkorea ist zutiefst frustriert. Die Beziehungen mit den USA, die wir ursprünglich auch als Abrüstungsverhandlungen verstanden haben, sind in einer Sackgasse verlaufen. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass die Amerikaner, weil sie mit anderem beschäftigt sind, Nordkorea nicht einmal mehr ignorieren.

ZDFheute: Eine Trotzreaktion also …

Taaks: … aber zu einem sehr hohen Preis. Nordkorea ist in ganz besonderer Weise von Corona betroffen. Zwar gibt es keinen einzigen bestätigten Fall, doch die Versorgungslage der Bevölkerung ist sehr angespannt, weil die Grenzen zu China bereits seit Ende Januar dicht sind. Die Kims hätten also auch sagen können: 'Wir brauchen jetzt mehr Unterstützung.' Aber so denkt man in Nordkorea nicht. Dort denkt man: 'Wir schaffen das alleine - und wir brauchen das Ausland nicht. Wenn, dann zu unseren Bedingungen.'

ZDFheute: Welche Bedeutung hatte das nun gesprengte Verbindungsbüro für beide Seiten?

Taaks: Das Verbindungsbüro war vor allem ein Symbol. In einer so verfahrenen Situation hat es schon eine enorme Bedeutung, wenn beide Seiten ein oder zwei Mal am Tag telefonieren, selbst wenn man sich nichts zu sagen hat. Vor Corona hat man sich ja auch noch getroffen. Wenn nicht einmal mehr eine gehaltlose, substanzlose Kommunikation stattfindet, ist das ein neuer Schritt der Abschottung zwischen beiden Ländern.

Es werden Brücken abgebrochen, die man unter großen Mühen aufgebaut hat - weil man sie seitens des Nordens nicht mehr haben möchte.

ZDFheute: Das hat also eine andere Qualität als die anderen Drohgebärden und Eskalations-Schritte?

Taaks: Ja, das ist eine neue Qualität. Allerdings müssen wir auch sehen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Es ist die Zerstörung eines Gebäudes, eines Symbols und einiger Hoffnungen.

ZDFheute: Wie lässt sich das in die Geschichte des Korea-Konflikts einordnen?

Taaks: An den Süden ist es eine ganz deutliche Ansage, nämlich: 'Wir möchten nicht mehr mit euch sprechen.' Damit nähern wir uns wieder den Zuständen aus dem Jahr 2017, wo wir die letzte große Eskalation erlebt haben. Der Unterschied ist noch der, dass es damals Atomtests gegeben hat. Nordkorea hat in den letzten Monaten zwar viele Raketentests durchgeführt, aber keine atomaren.

Das Interview führte Kevin Schubert. Auf Twitter: @waskevinsagt

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