Pipeline-Explosionen: Wer kommt für Nordstream-Schäden auf?

    Pipeline-Lecks durch Explosionen:Wer kommt für Nordstream-Schäden auf?

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    Wer die Explosionen an den Nordstream-Pipelines verursacht hat, bleibt unklar. Dennoch stellt sich die Frage, wer für die Schäden aufkommt - Versicherern drohen Milliardenkosten.

    Das Nord Stream 1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert von dem Satelliten Pléiades Neo.
    Das Nordstream-1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert von dem Satelliten Pléiades Neo.
    Quelle: ESA/dpa

    Noch ist unklar, wer für die Explosionen an den Nordstream-Pipelines in der Ostsee verantwortlich ist. Doch Versicherer und Rückversicherer zerbrechen sich bereits die Köpfe, wer für den Schaden aufkommen muss.
    Zu den führenden Versicherern der Pipeline Nordstream 1 gehören die Münchener Rück und mehrere Syndikate am Versicherungsmarkt Lloyd's of London, wie mit der Situation vertraute Personen aus der Branche sagten. Auch Zurich sei dort engagiert. Die Versicherer wollten sich nicht dazu äußern. Was könnte auf sie zukommen?

    Was passiert wenn Nordstream Schadenersatz fordert?

    Noch habe niemand den Schadenfall gemeldet, wie zwei der Insider sagten. Doch selbst wenn Nordstream Geld von den Versicherern fordern sollte, könnten diese sich darauf berufen, dass es sich bei der Explosion um einen Akt der "Eigen-Sabotage" handele - weil der Mehrheitseigentümer Gazprom ein staatliches Unternehmen ist - oder um eine Folge des Ukraine-Kriegs. Beides ist in den meisten Versicherungsverträgen ausgeschlossen.
    Doch die Versicherer müssten erst beweisen, dass der Schaden an der Pipeline nicht durch ihre Policen abgedeckt sei, sagten Anwälte. Vorsätzliche Beschädigung sei normalerweise ebenfalls ein Ausschlussgrund, doch dürfte Nordstream 1 sich auch dagegen versichert haben, hieß es in Justiz- und Branchen-Kreisen.

    Gasuni: Pipeline-Inspektion noch nicht möglich

    Für die Unternehmen geht es um viel Geld. Immerhin hat der Bau von Nordstream 1 nach Angaben der Betreibergesellschaft rund 7,8 Milliarden Euro gekostet. "Wenn sich nicht beweisen lässt, dass hinter (den Explosionen) ein Staat steckt, droht ihnen eine massive Schadenersatzforderung", sagte einer der Insider.
    Der russische Gasexporteur Gazprom ist mit 51 Prozent an Nordstream 1 beteiligt, Wintershall und E.ON gehören je 15,5 Prozent, die französische Engie und die niederländische Gasunie halten je neun Prozent.

    Das genaue Ausmaß des Schadens und mögliche Konsequenzen lassen sich erst nach einer Inspektion der Pipeline bestimmen. Doch das ist noch nicht möglich.

    Energieunternehmen Gasunie

    Ein E.ON-Sprecher verwies auf die Betreibergesellschaft in der Schweiz.

    Kritische Infrastruktur
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    von Dominik Rzepka
    Schwedische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson
    Exklusiv

    Verursacher der Pipeline-Explosionen weiter unklar

    Wer für die Explosionen an der Pipeline verantwortlich ist, bleibt weiterhin unklar. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die USA und ihre Verbündeten für die Zerstörung der Pipeline verantwortlich gemacht.
    Andere Stellen, wie die deutsche FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann oder der CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter halten eine Involvierung Russlands für möglich. Russland hat eine Beteiligung zurückgewiesen.

    Wann müssten Versicherer zahlen und wann nicht?

    "Wenn das eine absichtliche Handlung des Versicherungsnehmers war, müssen die Versicherer nicht zahlen", sagte Rechtsanwalt David Pryce von der Kanzlei Fenchurch Law, die selbst nicht in den Fall involviert ist. Wenn ein westliches Land dahinterstecke, könnte die Explosion dagegen als "Terrorakt" gewertet werden, hieß es in Maklerkreisen - dann müssten die Versicherer zahlen.
    Und wenn die Pipeline repariert wird und wieder Gas nach Europa transportieren kann? Wer Nordstream 1 dann versichert, ist eine weitere offene Frage. Immerhin unterliegt Gazprom Sanktionen der USA, Großbritanniens und Kanadas.
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    Quelle: Reuters, dpa
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