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Interview

Norwegens Regierungschef : Mehr Gas aus Norwegen? "Haben keine Reserven"

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Kann Norwegen mit Gaslieferungen einspringen, wenn Nord Stream 2 scheitert? Dafür sieht Regierungschef Jonas Gahr Store kaum Kapazitäten, wie er im ZDF-Interview erklärt.

Norwegen könne etwaige Ausfälle von russischen Gaslieferungen nach Deutschland nicht ausgleichen, sagt der Regierungschef Norwegens Gahr Store, sein Land habe keine Lieferreserven mehr und decke bereits ein Drittel des deutschen Gasbedarfs.

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5 min
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Am Mittwoch empfangen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und anschließend Bundeskanzler Olaf Scholz den neuen norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Store zu dessen Antrittsbesuch in Berlin. Als unmittelbarer Nachbar Russlands sieht Store die derzeitige Krise mit der Ukraine mit wachsendem Unbehagen, wie er im ZDF heute journal update erklärt.

ZDF: Wie schätzen Sie als Nachbar Russlands die Lage gegenwärtig ein?  

Jonas Gahr Store: Europa befindet sich in einer ernsten Situation und wir alle müssen alles mögliche tun, die militärische Eskalation zu vermeiden und auf der politischen Schiene zu bleiben. Das ist auch die Stimme Norwegens in der Partnerschaft mit der Nato und mit Europa.

Wir sind Nachbarn Russlands und wir wollen zu einem politischen Prozess beitragen und einem guten Dialog.
Jonas Gahr Store, norwegischer Ministerpräsident

Aber jedes Land in Europa muss die Freiheit haben, seine Sicherheitsvorkehrungen zu wählen. Und das wollen wir unterstützen.   

ZDF: Wenn Deutschland nun kein Gas und Öl mehr aus Russland bekommen könnte, wäre denn Norwegen in der Lage, uns entsprechend mehr zu liefern? 

Store: Norwegen ist seit 40 Jahren Energiepartner Deutschlands. Wir liefern jetzt etwa ein Drittel des Gasbedarfs nach Deutschland und wir liefern bei voller Kapazität. Eine meiner Botschaften für Bundeskanzler Scholz hier in Deutschland lautet, Norwegen wird die Partnerschaft fortsetzen und wir werden auch in dem Übergangsprozess Partner Deutschlands sein. In diesem Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft werden wir mit Deutschland zusammenarbeiten.  

ZDF: Aber bleiben wir noch mal bei den fossilen Brennstoffen Öl und Gas. Da hat man hierzulande jetzt Sorge, wenn Nord Stream 2 nicht liefern könnte, dann könnte es hier kalt werden. Also Norwegen könnte einspringen? 

Store: Wir sind bereits eingesprungen, wie gesagt, wir liefern ein Drittel des Gasbedarfs Deutschlands, aber wir drehen bei voller Kapazität. Wir haben keine Reserven, mit denen wir andere Dinge ersetzen könnten. Wir wollen ein solider, langfristiger Partner sein als Gaslieferant, aber darüber hinaus kann Norwegen natürlich in der Entwicklung von blauem Wasserstoff auf Gasbasis einiges tun. Wir können Partner sein, wenn es darum geht, dass CO2 aus den fossilen Brennstoffen einzufangen und unter der Nordsee einzulagern. Das ist ein wichtiger Schritt, ein Beitrag zum Erreichen der Klimaziele.

 

Wir werden ein stabiler Lieferant sein für Deutschland, wichtig für ihre Wirtschaft und ihre Sicherheit.
Jonas Gahr Store, norwegischer Ministerpräsident

ZDF: Norwegen ist in drei Punkten hilfreich. Einen haben Sie genannt, Sie könnten uns das CO2 abnehmen. Sie liefern uns auch Strom. Jetzt hört man, bei Ihnen in Norwegen gibt es auch in gewisser Weise Unruhe, weil die Energiepreise sehr hoch sind. Wie sehen Ihre Landsleute das, dass sie ihren Strom und ihre Energie exportieren? Und die müssen jetzt im vormaligen Billigstromland Norwegen plötzlich so viel zahlen. Gibt es da nicht Unmut?  

Store: Es ist eine außergewöhnliche Situation. Die hatten wir nie in der Vergangenheit. Das liegt an diesem perfekten Sturm: hohe Gaspreise, Kohle wird ausgeschleust und es gibt keine ausreichende Produktion von Windenergie. Ja, viele in Norwegen reagieren auf die sehr hohen Preise. Wir möchten eine kontinuierliche Produktion erneuerbarer Energiequellen sehen. Das ist unsere Tradition, Wasser zum Beispiel, aber auch Wind und Solarenergie. Und wir müssen die Preise runterbringen, denn das ist ein Bestandteil des Ansatzes, nach dem die norwegische Wirtschaft und Industrie funktioniert. Wir werden dafür sorgen.  

Die Pipeline Nord Stream 2 wird, so der Plan, bald über die Ostsee russisches Gas nach Deutschland und Mitteleuropa bringen. So soll die Energieversorgung sichergestellt werden, heißt es.

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29 min
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ZDF: Ihr Landsmann, der Nato-Generalsekretär Stoltenberg, sieht durchaus Kriegsgefahr und er hat jetzt schon mit schärfsten wirtschaftlichen Sanktionen gedroht. Denken Sie, Nord Stream 2 könnte starten?  

Store: Das ist allein Deutschlands Entscheidung, dazu gebe ich keinen Kommentar ab. Ich gehe zurück auf unsere Seite, indem ich noch einmal sage, wir sind stabiler Lieferant mit Pipelines nach Deutschland und Stromleitungen nach Deutschland. Deutschland kann Norwegen vertrauen. Und dann muss Deutschland seine übrigen Entscheidungen treffen, aber in der Gaswirtschaft wird Deutschland in der Übergangszeit Bedarf haben. 

Im Übergang der Industrie zu einer emissionsarmen Gesellschaft und Wirtschaft sind stabile Vorkehrungen mit norwegischem Gas zuverlässig und politisch eine gute Lösung für Deutschland.

Das möchten wir weiter sein, der Energiepartner Deutschlands.
Jonas Gahr Store, norwegischer Ministerpräsident

Das Interview führte Wulf Schmiese.

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