Ölpreisdeckel: Russland will Obergrenze nicht akzeptieren

    Preisobergrenze für Russlands Öl:Moskau will Ölpreisdeckel nicht akzeptieren

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    Nach langen Verhandlungen haben sich die G7- und EU-Staaten auf einen Ölpreisdeckel geeinigt. Moskau will die Sanktion nicht akzeptieren, der Ukraine geht sie nicht weit genug.

    Der Kreml wird den Preisdeckel der G7-Staaten, der Europäischen Union und Australiens für russisches Öl nicht akzeptieren. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen am Samstag:

    Wir werden diesen Preisdeckel nicht akzeptieren.

    Dmitri Peskow, Kremlsprecher

    Er fügte hinzu, dass Moskau sich im Vorfeld auf eine solche Obergrenze vorbereitet habe, machte dazu aber keine weiteren Angaben.

    Kiew will niedrigeren Preis für russisches Öl

    Die Ukraine wertete den Preisdeckel als schweren Schlag gegen Moskau. Der ukrainische Präsidentenberater Andrij Jermak schrieb am Samstag im Onlinedienst Telegram:

    Russlands Wirtschaft wird zerstört werden.

    Andrij Jermak, ukrainischer Präsidentenberater

    Um dieses Ziel noch schneller zu erreichen, wäre aber eine Obergrenze von 30 Dollar nötig gewesen, fügte er hinzu. Die G7-Staaten kündigten an, die Wirksamkeit des Preisdeckels zu beobachten und die Obergrenze "gegebenenfalls anzupassen".

    Selenskyj zeigt sich enttäuscht

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Preisdeckel in einer Videoansprache kritisiert.

    Es ist keine ernsthafte Entscheidung, eine solche Obergrenze für die russischen Preise festzulegen.

    Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident

    Diese sei für Moskau "komfortabel", erklärte er. Es sei "nur eine Frage der Zeit, bis ohnehin härtere Instrumente zum Einsatz kommen müssen", fügte Selenskyj hinzu. "Schade, dass diese Zeit verloren geht."

    Russland soll nicht von Angriffskrieg auf Ukraine profitieren

    Die EU, die G7 und Australien hatten sich am Freitag auf eine Obergrenze von 60 Dollar (57 Euro) pro Barrel für per Schiff transportiertes russisches Öl geeinigt. Mit der Obergrenze solle Russland daran gehindert werden, "von seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine zu profitieren", hieß es in der Erklärung. Zudem sollten "die Stabilität der weltweiten Energiemärkte unterstützt und die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs reduziert" werden.
    Die wichtigen Industriestaaten hatten den Preisdeckel bereits Anfang September auf den Weg gebracht. Um ein gemeinsames Vorgehen des Westens zu garantieren, musste aber auf eine Einigung innerhalb der EU gewartet werden. Vor allem Polen hatte zunächst eine niedrigere Obergrenze gefordert, Berichten zufolge um die 30 Dollar.
    Am Freitag dann aber verkündete der polnische EU-Botschafter Andrzej Sados die Einigung. Da der Marktpreis voraussichtlich steigen werde, seien 60 Dollar in Ordnung, sagte er. Derzeit liegt der Marktpreis von russischem Öl der Sorte Urals pro Barrel bei rund 65 Dollar.

    Maximal 60 Dollar pro Barrel
    :Preisdeckel für Moskaus Öl: G7 folgt der EU

    Die EU-Staaten haben sich auf die Höhe eines Preisdeckels für russisches Öl geeinigt. Nach langem Zögern stimmte auch Polen dem Maximalbetrag von 60 US-Dollar pro Barrel zu.
    Russischer Tanker im Hafen von Novorossiysk, Russland

    China und Indien dürfen zum Maximalpreis russisches Öl importieren

    Wenig später folgte die gemeinsame Erklärung der G7-Staaten und Australiens, in der sie ankündigten, dass die 60-Dollar-Obergrenze am Montag - wenn das EU-Embargo für per Schiff transportiertes russisches Rohöl in Kraft tritt - "oder sehr bald danach" in Kraft treten werde.
    China und Indien beispielsweise werden weiterhin russisches Öl importieren können, aber nur zu dem nun beschlossenen Maximalpreis. Denn Unternehmen aus G7- und EU-Staaten und auch Australien dürfen nach Inkrafttreten des Preisdeckels nur noch Geschäfte rund um den Transport von russischem Öl auf dem Seeweg an Drittstaaten abwickeln, wenn beim Verkauf des Öls die Obergrenze von 60 Dollar eingehalten wird.
    Derzeit stellen Unternehmen aus G7-Staaten rund 90 Prozent der Transportversicherungen weltweit und die EU ist ein wichtiger Akteur im Seefrachtgeschäft.
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    Quelle: AFP, AP, Reuters
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