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Kommentar

EU gibt Druck Ungarns nach : Orban als "Verteidiger" des Abendlandes

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Viktor Orban hat es geschafft: Die EU knickt ein und sanktioniert den russischen Patriarchen Kirill nicht. Orban kann sich nun als "Verteidiger" des Christentums darstellen.

Viktor Orban am 30.05.2022 in Brüssel
Auf Druck von Viktor Orban verzichtet die EU auf Sanktionen gegen Patriarch Kirill.
Quelle: AP

Viktor Orban hat sich durchgesetzt und das auch noch mit maximalem Getöse. Besser kann es für den ungarischen Ministerpräsidenten gar nicht laufen, denn bei dem Gepränge und vollem Erfolg können die Ungarn ihre "splendid isolation" in der EU nur genießen.

Und so tritt auch in den Hintergrund, dass ihr Land zur Zeit unter einer überdurchschnittlichen Inflation von rund zehn Prozent ächzt, dass das Staatsdefizit rasant steigt, dass die EU wegen mangelnder Rechtsstaatlichkeit Subventionen verweigert und dass eine Wirtschaftskrise droht.

Auch beim Öl-Embargo gibt Ungarn Ton an

In den Augen vieler waren die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Treffen am Montag eh schon viel zu weit auf Orbans Forderung nach ungebremsten Öl-Lieferungen aus russischen Pipelines zugegangen. Jetzt dieser Nachschlag: Auf Orbans Verlangen hin wurde der russische Patriarch Kirill von der Sanktionsliste gestrichen.

Der EVP-Vorsitzende Manfred Weber hat das Prinzip der Einstimmigkeit in der EU kritisiert. Brüssel mache sich damit erpressbar: "Das gibt Orban enorm viel Macht."

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Kirill ist ein erzkonservativer, homophober Putin-Freund, der den Angriff auf die Ukraine sogar segnete. Warum setzt sich Orban für das orthodoxe Oberhaupt ein, wenn es doch in Ungarn kaum orthodoxe Christen gibt?

Er tut es, weil die EU ihn lässt. Und er tut es, weil es in das Bild passt, dass er von sich und seinem Land malt: Die Ungarn seien die Verteidiger des christlichen Abendlandes. Orban hat schon 2011 dafür gesorgt, dass das Christentum in der ungarischen Verfassung verankert ist. Kirill zu verteidigen, passt ins Konzept und gab außerdem Gelegenheit, sich für "Religionsfreiheit" einzusetzen. Orban ist so frei.

Wegen des Widerstands Ungarns verzichtet die EU vorerst auf Sanktionen gegen Putins Unterstützer, den Patriarchen Kirill. Dazu ZDF-Korrespondent Gunnar Krüger aus Brüssel.

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EU nährt Ungarn-Mythos

Eine Rede im November 2019 zeigt außerdem, dass das Anderssein und das Überwinden von Widerständen zum Mythos gehören: Das ungarische Reitervolk habe vor rund 1.100 Jahren aus dem Osten seine ganz eigene Sprache und Kultur mitgebracht, als es in die pannonische Tiefebene einfiel. "Unsere soldatischen Tugenden und unsere unbestreitbare Lebenskraft hätten zum Überleben nicht gereicht", sagte Orban. "Der Schlüsselmoment unseres Erhaltenbleibens (war) die Aufnahme des christlichen Glaubens."

Ungarntum ist Christentum, so verbreitet es Orban, und zum Kult gehört auch der Sieg für den wahren Glauben. Die EU hat heute dafür gesorgt, dass der Mythos in Ungarn lebt.

Britta Hilpert leitet das ZDF-Studio in Wien und berichtet über Südosteuropa.

Nach zähen Verhandlungen haben sich die EU-Mitgliedstaaten auf ein Öl-Embargo gegen Russland geeinigt. Das Embargo gilt vorerst nur für russische Öllieferungen per Schiff.

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Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

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