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Vor Entscheidung im Bundestag - Organspende: Viele dafür, wenige wirklich bereit

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Vor der Bundestags-Entscheidung zur Organspende in Deutschland: Die prinzipielle Zustimmung ist laut einer neuen Umfrage weiterhin hoch. Doch es mangelt an konkreter Bereitschaft.

Organspendeausweis
Organspendeausweis
Quelle: dapd

84 Prozent der Bundesbürger stehen Organspenden generell eher positiv gegenüber, wie die Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse ergab.

Abstimmung am Donnerstag

Am höchsten ist diese prinzipielle Zustimmung laut Umfrage-Ergebnissen, bei jungen Leuten von 18 bis 29 Jahren mit 93 Prozent - am geringsten bei 50- bis 69-Jährigen mit 79 Prozent. Einen ausgefüllten Organspendeausweis haben demnach insgesamt 40 Prozent der Befragten. Vorn liegen erneut Jüngere bis 29 Jahre mit 51 Prozent. Bei Älteren ab 70 Jahre sind es 25 Prozent.

Ein Gegenentwurf zum Vorschlag des Bundesgesundheitsministers zur Neuregelung der Organspende zielt darauf ab, das bisherige Prinzip beizubehalten: Organspende soll freiwillig bleiben. Der Bundestag will nach der Sommerpause die Vorschläge beraten.

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Der Bundestag soll am Donnerstag über zwei gegensätzliche Gesetzentwürfe abstimmen, die auf neue Organspende-Regeln zielen.

Hohe generelle Zustimmung einerseits, aber eine niedrigere konkrete Spendebereitschaft: Das ist auch ein zentrales Motiv für die beiden Abgeordnetengruppen, die sich jetzt für neue Regeln stark machen.
Dabei ist es das gemeinsame Ziel, angesichts von knapp 10.000 Schwerkranken auf den Wartelisten zu mehr Organspenden zu kommen.


Zentrales Register

Beide Vorstöße sehen dafür ein neues zentrales Register vor, in dem Ärzte vor Transplantationen Erklärungen Verstorbener abfragen können. Im Kern geht es aber um gegensätzliche Vorschläge: Eine Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach will das bisherige Prinzip radikal umkehren, wonach Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärtem Ja zulässig sind. Sie strebt eine "doppelte Widerspruchslösung" an, bei der alle Bürger automatisch als Spender gelten sollen. Man soll dazu aber jederzeit Nein sagen können - ansonsten wäre noch bei Angehörigen nachzufragen, ob ihnen ein Widerspruch des Verstorbenen bekannt ist.

Die andere Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping lehnt einen so tiefen Eingriff in die Selbstbestimmung ab. Sie schlägt vor, alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen aufs Thema Organspende anzusprechen.

Mehrheiten schwer einzuschätzen

Die AfD hat einen Antrag eingebracht, der eine Widerspruchslösung ablehnt und unter anderem für unabhängige staatliche Kontrollen des Systems der Organvergaben plädiert. Abstimmen sollen die Abgeordneten im Bundestag ohne sonst übliche Fraktionsvorgaben. Vorgesehen ist, dass als erstes über den Gesetzentwurf der Gruppe um Spahn entschieden werden soll, der die weitestgehende Veränderung bedeuten würde. Bekommt er die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, wäre die Widerspruchslösung beschlossen.

Wie ist die Situation Deutschland? Dr. Ana Paula Barreiros im Gespräch.

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Ansonsten soll dann als nächstes über den Entwurf der Gruppe um Baerbock abgestimmt werden. Die Mehrheitsverhältnisse sind schwer einzuschätzen. Bei einer ersten offenen Debatte waren breite Vorbehalte gegen eine Widerspruchslösung deutlich geworden. Als im Sommer 2019 die Gesetzentwürfe eingebracht wurden, hatte die Gruppe um Spahn vorab 222 Unterstützer, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Spahn: Kultureller Wandel

Der Entwurf der Baerbock-Gruppe hatte 191 Unterschriften. Insgesamt gibt es aber 709 Abgeordnete. Spahn sagte dem "Tagesspiegel", eine Widerspruchsregelung werde nach seiner Überzeugung einen kulturellen Wandel bewirken. "Normal wäre dann die Bereitschaft zur Spende. Aktiv müssten nicht mehr diejenigen werden, die das wollen, sondern die, die für sich entscheiden, dass sie nicht Organspender sein möchten."

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) will bei der Abstimmung zur Organspende im Bundestag in der kommenden Woche gegen den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stimmen. Das bestätigte ihr Ministerium der "Welt am Sonntag". Laut der Zeitung ist Lambrecht damit das einzige Kabinettsmitglied mit Bundestagsmandat, das sich gegen den Spahn-Vorschlag stellt.

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