Pakistan kämpft nach der fatalen Flut gegen Seuchen

    Malaria, Dengue, Cholera:Nach der Flut: Pakistan kämpft gegen Seuchen

    Normen Odenthal
    von Normen Odenthal
    25.09.2022 | 16:47
    |

    In Pakistan sind 33 Millionen Menschen von den Folgen der Flut betroffen. Nun grassieren Seuchen. Besonders Kinder fallen ihnen zum Opfer - so wie die siebenjährige Alizah.

    Welle auf Welle schwappt durch Pakistan. Jede bringt eine neue Katastrophe. Erst kam die Flut, dann folgten die Krankheiten, und lange noch wird der Hunger das Land und seine Menschen plagen.
    Aus der Entfernung sieht man das Ausmaß. Satellitenbilder zeigen: Pakistan ist nicht mehr dasselbe Land - vor der Flut und danach. Riesige Flächen standen und stehen unter Wasser. Ein Gebiet dreimal so groß wie Österreich.
    Aus der Nähe sieht man das Leid. Menschen, denen das Wasser bis zum Hals reicht. Und vielen auch darüber. Mehr als 1.500 Tote sind gezählt, die meisten ertrunken, zuletzt starben auch mehr und mehr an Infektionen, Malaria, Dengue, Cholera. Viele Kinder sind darunter.

    Alizah starb vermutlich an Malaria - Vater konnte erst keinen Arzt finden

    Alizah wurde nur sieben Jahre alt. Vater Bashir muss sein Kind tot nach Hause tragen. Tagelang hatte er versucht, ärztliche Hilfe zu finden. Doch überall wurde er fortgeschickt, berichtet Bashir:

    Wir sind arm, wir haben kein Geld für einen Doktor.

    Bashir, Vater von Alizah

    Im Krankenhaus von Khairpur schließlich wurde er vorgelassen, aber es war zu spät. Die Ärzte konnten Alizah nicht mehr retten. Das Fieber, Malaria vermutlich, war stärker. "Was wir erleiden müssen, sollte niemand erleiden", sagt Bashir. "Jeder muss doch Hilfe bekommen, wenn er krank ist."

    Klimawandel trifft Pakistan besonders hart

    Für jeden - das ist Pakistans harte Realität - ist keine Hilfe da. Die Dimension dieser Katastrophe ist zu groß. 33 Millionen Menschen sind vom Hochwasser betroffen, das der außer Rand und Band geratene Monsun gebracht hat. Internationale Hilfe ist angelaufen, aber es reicht nicht - trotz aller Appelle. UN-Generalsekretär Guterres mahnt:

    Heute trifft es Pakistan. Morgen kann es Ihr Land treffen.

    Antonio Guterres, UN-Generalsekretär

    Für ihn ist klar, was hinter der Naturgewalt steckt: der menschengemachte Klimawandel.
    Viele Experten sehen das auch so. Pakistan zähle zu den acht Staaten weltweit, die besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels sind, erklärt Farzana Altaf Shah, Generaldirektorin der "Pakistan Environment Protection Agency". Die Lage zwischen Meer und Bergen, die Gletscher im Norden, die lange Küstenlinie im Süden - dazwischen toben Stürme, Regen, Hitze.
    Das Ausmaß und die Häufung solcher Katastrophen sind für Shah Beweis genug, dass der Klimawandel die Ursache ist. Und sie betont, dass Pakistan hart leide, selbst aber kaum zur Erderwärmung beitrage, weil die CO2-Emmissionen im Vergleich zu anderen Ländern gering sind.

    Pakistan bräuchte politische Stabilität - doch die gibt es derzeit nicht

    Trotzdem bleibt die Frage nach Verantwortung. Viele der Betroffenen kritisieren die pakistanische Regierung. Bahadur Khan, dessen Haus von der Flut weggerissen wurde, sagt: "Von der Regierung ist nichts gekommen und wird auch nichts kommen. Die Politiker interessieren sich nicht für uns." Tatsächlich steckt die pakistanische Politik gerade wieder im Durcheinander. Ein Premierminister löst den anderen ab, alle werfen sich Korruption vor, die Lager stehen sich verfeindet gegenüber, obwohl das Land gerade nichts mehr braucht als Zusammenhalt.
    So viele Menschen haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Ihre Dörfer sind zerstört, ihr Vieh ist ersoffen, ihre Felder überschwemmt, eine Ernte wird es nicht geben. Die Notlager sind überfüllt.
    Haji Hanif sagt, er könne sich glücklich schätzen. Seine Heimatstadt Lahore wurde von der Flut verschont. Er hat ein Geschäft, ist wohlhabend. Daraus ergibt sich für Haji eine Verpflichtung zu helfen. Er hat Lebensmittel organisiert, die er im Krisengebiet verteilt:

    Wir tun das für unsere Brüder und Schwestern in Not. Es ist eine Prüfung für uns alle. Wir müssen der Gesellschaft dienen, und das ist auch ein Aufruf an die Reichen unter uns: Helft in dieser Zeit des Schmerzes.

    Haji Hanif, Geschäftsinhaber

    Mehr zum Thema