Papst Franziskus verurteilt russische Annexionen

    Papst äußert sich zum Krieg:Franziskus appelliert an Putin und Selenskyj

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    Kritiker werfen Papst Franziskus vor, den russischen Angriffskrieg nicht entschieden zu verurteilen. Jetzt wandte sich das katholische Kirchenoberhaupt erstmals direkt an Putin.

    Papst Franziskus am 28.09.2022 im Vatikan
    Papst fordert von Putin ein Ende der "Spirale der Gewalt"
    Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

    Papst Franziskus hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin gebeten, die "Spirale der Gewalt" in der Ukraine zu stoppen. Auf dem Petersplatz in Rom bedauerte er während des sonntäglichen Gebets die Annexion der vier ukrainischen Regionen durch Moskau, die internationalem Recht widerspreche.
    Es war das erste Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine am 24. Februar, dass sich der argentinische Papst in einer Rede direkt an Präsident Putin wandte. Er verzichtete er auf dem Petersplatz auf die übliche Auslegung des Evangeliums und widmete seine Ansprache dem Krieg. Eine ähnliche Änderung des Ablaufs hatte es zuletzt 2013 gegeben. Franziskus fragte: 

    Was muss noch geschehen? Wie viel Blut muss noch fließen, damit wir erkennen, dass Krieg niemals eine Lösung ist, sondern nur Zerstörung?

    Papst Franziskus

    Papst appelliert auch an Selenskyj

    Die in den vergangenen Tagen entstandene Situation erhöhe das Risiko einer nuklearen Eskalation und lasse "weltweit unkontrollierbare und katastrophale Folgen befürchten", sagte der Papst. Dass die Menschheit wieder mit einer "atomaren Bedrohung" konfrontiert sei, sei "absurd".

    Mein Appell richtet sich in erster Linie an den Präsidenten der Russischen Föderation, den ich bitte, diese Spirale von Gewalt und Tod zu stoppen, auch zum Wohl seines Volkes.

    Papst Franziskus

    Das katholische Kirchenoberhaupt wandte sich auch an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj:

    Andererseits appelliere ich, in großer Betroffenheit über das unermessliche Leid des ukrainischen Volkes infolge der Aggression, die es erlitten hat, ebenso zuversichtlich an den Präsidenten der Ukraine, für ernsthafte Friedensvorschläge offen zu sein.

    Papst Franziskus

    Vatikan lässt Tür zum Dialog offen

    Franziskus sagte vor den Gläubigen auf dem Petersplatz: "Es ist bedauerlich, dass die Welt die Geografie der Ukraine durch Namen wie Butscha, Irpin, Mariupol, Isjum, Saporischschja und andere Orte kennenlernt, die zu Orten unbeschreiblichen Leids und unbeschreiblicher Angst geworden sind."
    Der Vatikan unternimmt seit Beginn des Ukraine-Krieges eine Gratwanderung, indem er einerseits den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verurteilt, zugleich aber versucht, die Möglichkeit eines Dialogs mit Moskau offen zu halten.
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    Quelle: AFP, dpa, KNA

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