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Ökumene, Migration und Teilung - Franziskus will auf Zypern Grenzen überwinden

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Bei seiner Reise nach Zypern und Griechenland will Papst Franziskus den Finger in die Wunde legen. Probleme - wie beispielsweise die Migrationspolitik - gibt es genug.

Papst Franziskus, der den orthodoxen Erzbischof Chrysostomos II. zu ihrem Treffen mit der Heiligen Synode in der orthodoxen Kathedrale Apostolos Barnavas begrüßt.
Papst Franziskus hier mit dem orthodoxen Erzbischof Chrysostomos II.
Quelle: dpa

Auch wenn die Begeisterung der Gläubigen groß ist - bei jedem Fußballspiel würden im Stadion von Nikosia wahrscheinlich mehr Menschen sein, als bei der Heiligen Messe des Papstes an diesem Vormittag. Die apostolische Reise nach Zypern und Griechenland, das wird hier klar, ist eine Reise in die Diaspora. Gegenüber den orthodoxen Christen sind die Katholiken deutlich in der Minderheit. Ein spannungsreiches Verhältnis.

Sich an die Ränder begeben, Probleme aufzeigen, die aus dem Blick geraten, den Finger in die Wunde legen - das sind wichtige Motive bei der Auswahl seines Reiseziels. Neben dem Zeichen der Ökumene in diesen orthodoxen Ländern richtet Papst Franziskus bei seinem Besuch die Aufmerksamkeit auf zwei Wunden in Europa: einerseits die Migration über das Mittelmeer und andererseits die Teilung Zyperns.

Nikosia: Letzte geteilte Hauptstadt in Europa

Das zyprische Nikosia ist seit dem Berliner Mauerfall vor 32 Jahren die letzte geteilte Hauptstadt Europas. Dieser Zustand, wie die Teilung der gesamten Insel, bezeichnet der Chefdiplomat des Heiligen Stuhls als "eine sehr, sehr heikle und besorgniserregende Situation". Die Verhandlungen zwischen griechisch-zyprischer und türkisch-zyprischer Seite stecken in der Sackgasse.

Papst Franziskus ruft deshalb zur Versöhnung auf. Das Zypern-Problem könne nur durch einen "aufrichtigen und loyalen Dialog" zwischen den beteiligten Parteien gelöst werden. Zyprer aus beiden Teilen können zwar problemlos über einen Checkpoint in den je anderen Landesteil gelangen - zu Fuß.

Der Streit um die Erdgasvorkommen im Mittelmeer vor Zypern geht weiter. Athen und Ankara haben erneut ihre Flotten mobilisiert.

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Doch die Trennung von Verwandten, verlassene Häuser und Dörfer sowie die zunehmenden wirtschaftlichen Probleme in Nordzypern halten die Hoffnung auf eine friedliche Wiederannäherung, vielleicht sogar künftige Einigung der Insel wach.

Franziskus: Europa braucht Einigkeit

Auch beim Drama der illegalen Migration setzt Papst Franziskus erneut und unermüdlich Zeichen der Hoffnung und der Nächstenliebe. In der kleinen Kirche von Santa Croce verbindet sich das Thema Teilung mit dem Thema Migration. Das Gotteshaus liegt mitten auf dem von UN-Soldaten bewachten Grenzstreifen und genau hier kommt Papst Franziskus mit Flüchtlingen zum gemeinsamen Gebet zusammen.

Der Pontifex beklagt, dass das Mittelmeer, heute leider ein Ort des Konflikts und der humanitären Tragödie ist. Zypern könne als geografischer, historischer, kultureller und religiöser Kreuzungspunkt, eine offene Baustelle für den Frieden im Mittelmeerraum sein.

Der europäische Kontinent braucht Versöhnung und Einigkeit, er braucht Mut und Schwung, um voranzukommen. Denn die Mauern der Angst und die Vetos, die von nationalistischen Interessen diktiert werden, werden ihn nicht voranbringen.
Papst Franziskus

Papst Franziskus auf Lesbos erwartet

Im Rahmen seiner derzeitigen Reise will Papst Franziskus von Zypern zwölf Geflüchtete mit nach Rom bringen lassen. Dies teilte der Vatikan am Freitag mit. Die zyprische Regierung hatte eine solche Geste bereits angekündigt, aber die Zahl von 50 Migranten genannt.

Bereits bei seinem ersten Besuch auf der griechischen Insel Lesbos im April 2016 hatte eine ähnliche Geste für viel Aufsehen gesorgt. Nach dem Weiterflug nach Griechenland wird Papst Franziskus am Sonntag erneut an den symbolträchtigen Ort zurückkehren.

Gerhard Trabert gibt Auskunft über die aktuelle Lage.

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Papst: Mittelmeer größter Friedhof Europas

Nach dem Brand von Moria brennt das Elend der Migranten weiter auf den Nägeln. Das Mittelmeer sei der größte Friedhof Europas, beklagt der Papst immer und immer wieder. Bei seinem Besuch im Aufnahme- und Identifizierungs-Center der EU im neuen Camp von Moria wird er von Griechenlands Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou begleitet und nimmt an der Begegnung mit rund 200 Flüchtlingen teil.

Der Papstbesuch in der orthodoxen Welt endet am 6. Dezember, Festtag für den in westlicher wie östlicher Kirche hoch verehrten Heiligen Nikolaus - ein ökumenisches Datum zum Abschluss einer Reise, mit der Papst Franziskus die Ränder Europas in den Mittelpunkt gerückt hat.

Andreas Postel ist Vatikan-Korrespondent und begleitet die Reise mit dem Papst.

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