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Warum der Tod zweier Kinder zur Krise wird

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Eskalation in Paraguay - Warum der Tod zweier Kinder zur Krise wird

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In Paraguay sind zwei Mädchen bei einer Militäraktion gegen die Guerilla ums Leben gekommen. Nun entwickelt sich der Vorfall zu einer schweren Krise im Land.

Eine Frau macht ein Foto von den Kränzen, die auf dem Zaun des Pantheons der Helden von Asuncion, Paraguay, angebracht sind, aufgenommen am 07. September 2020.
In Paraguays Hauptstadt Asuncion gedenken Bürger den getöteten Mädchen mit Blumen und Botschaften.
Quelle: epa

Was genau vor einer Woche im Norden Paraguays geschah, ist unklar. Fest steht dagegen: Zwei Mädchen haben eine Militäroperation in Yby Yau gegen die linksgerichtete EPP-Guerilla nicht überlebt. Der Verdacht steht im Raum, dass die Militärs die Kinder gezielt getötet haben. Am Mittwoch reagierte die Guerilla offenbar mit der Entführung eines Politikers.

Die beiden Kinder kamen bei einem Feuergefecht mit der Armeeeinheit FTC im Departament Concepcion ums Leben. Was der konservative Präsident Mario Abdo zunächst innenpolitisch als Erfolg im Kampf gegen die marxistische EPP-Guerilla (Paraguayische Volksarmee) verkaufte, wird nun zum Bumerang.

Waren die Mädchen Kindersoldaten oder Zufallsopfer?

Denn inzwischen kommen immer mehr Details ans Licht. So waren die beiden Kinder keineswegs 15 und 17 Jahre alt, wie es offizielle Stellen zunächst vermeldeten, sondern gerade mal elf und zwölf Jahre und aus Argentinien. Die beiden Opfer wurden eilig beerdigt, ohne dass die Familien informiert wurden und eine Untersuchung des Vorfalls möglich war.

Unklar ist auch, ob es sich bei den toten Mädchen um Kindersoldaten oder Zufallsopfer handelte. Kommandant Oscar Chamorro erklärte, es sei in der waldreichen Gegend wegen der schlechten Sicht nicht möglich gewesen zu erkennen, ob es sich bei den Kontrahenten des Feuergefechts um Männer, Frauen oder Kinder gehandelt habe.

Fachleute des nationalen Kultursekretariats und der Gemeinde begutachten das Graffito, mit dem ein Demonstrant einen Artikel des Codes für Kindheit und Jugend an die Fassade des Pantheons von Asuncion, Paragua, geschrieben hat, aufgenommen am 07.09.2020
Graffito in Gedenken an die Mädchen am Pantheon in Asuncion.
Quelle: epa

Kritik an Militär und Guerilla in Paraguay

Bei den Getöteten handelt es sich um Maria Carmen Villalba und Lilian Mariana Villalba. Sie waren Verwandte von Carmen Villalba, der in Paraguay inhaftierten Ehefrau des EPP-Gründers Alcide Oviedo Britez. Die beiden hätten sich in Paraguay auf einem Verwandtenbesuch befunden, hieß es von Seiten der Familie.

Fotos der Leichen, aufgenommen von den Militärs, sollen beweisen, dass beide bewaffnet gewesen und in Guerilla-Uniform gesteckt hätten. Neben den Militärs gerät auch die Guerilla in der Debatte in die Kritik, weil sie immer wieder Kinder rekrutiert.

Anmesty International fordert umfassende Untersuchung

Das Verhalten der Militärs sorgt für Misstrauen. Madeleine Penman von Amnesty International forderte eine umfassende Untersuchung des Vorfalles.

Jeder Tod, hervorgerufen durch die Autoritäten, muss gemäß des Minnesota-Protokolls untersucht werden.
Madeleine Penman, Amnesty International

Das Minnesota-Protokoll schreibt das Vorgehen zur Untersuchung potenziell rechtswidriger Todesfälle vor. Wenn Paraguays Streitkräfte die Legalität, Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit der Anwendung von Gewalt nicht nachweisen könnten, könnte dies einen schweren Verstoß gegenüber internationalem Recht bedeuten, so Penman.

Die lokale Menschenrechtsorganisation Codehupy fordert eine Untersuchungskommission im Senat und eine Rücknahme des Gesetzes, dass die Einsätze der Armeeeinheit FTC erst möglich machte.

Noch nicht volljährig, aber mitten im Krieg, das müssen etwa 250.000 Kinder und Jugendliche als Soldaten durchstehen.

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Ex-Vizepräsident Oscar Denis entführt

In Buenos Aires kam es wegen des Vorfalls zu Ausschreitungen vor der Botschaft Paraguays. Am Mittwoch wurde im paraguayischen Departament Concepion, in dem es auch zu der Militäroperation kam, Paraguays ehemaliger Vizepräsident Oscar Denis entführt.

Laut Tageszeitung "ABC“ hat sich eine indigene Brigade der EPP zu der Geiselnahme bekannt. Entführungen gehören allerdings zur Praxis der EPP, um Einnahmen für ihren bewaffneten Kampf zu erpressen. Klar ist: Paraguay stehen unruhige Zeiten bevor.

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