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Bildmanipulation - Mit Passfotos Überwachungskameras austricksen

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Innenminister Seehofer will Passfotos sicherer machen. Denn mit einer neuen Methode können manipulierte Fotos Überwachungskameras in die Irre führen.

Eine Überwachungskamera hängt am 17.02.2015 in Berlin im Hauptbahnhof
Videoüberwachung lässt sich austricksen. Der Bundestag will mit einem neuen Gesetz darauf reagieren.
Quelle: dpa

An diesem Donnerstag wollen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages neue Ausweisgesetze auf den Weg bringen. Mit enthalten sind bessere Sicherheitsmaßnahmen für Passfotos. Die sollen von Berufsfotografen über abgesicherte Leitungen ans Meldeamt geliefert oder in der Passbehörde vor Ort angefertigt werden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer will damit verhindern, dass manipulierte Passfotos in die Datenbanken der Sicherheitsbehörden gelangen. Seine Sorge ist berechtigt. Denn mit der Manipulationsmethode, die kürzlich die beiden Sicherheitsforscher Steve Povolny und Jesse Chick vorgestellt haben, lassen sich sehr elegant Überwachungskameras mit Gesichtserkennungssystemen austricksen.

Die Montage von Gesichtern in Videos stellt eine Gefahr für Politiker, Prominente und Privatpersonen dar – aber auch für demokratische Prozesse.

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Videoüberwachung wird blind

Damit kann die Videoüberwachung auf Bahnhöfen und Flughäfen regelrecht blind gemacht werden. Denn zur Fahndung ausgeschriebene Menschen oder Menschen, die auf einer Flugverbotsliste stehen, können dann nicht mehr automatisch erkannt werden.

Die beiden Sicherheitsforscher Povolny und Chick haben zunächst analysiert, wie die Gesichtserkennung der neuronalen Netzwerke arbeitet und wie Passfotos hergestellt werden. Dabei dienen Passfotos in der Regel als Fahndungsfotos.

Mustererkennung "sieht" anders als Menschen

Der Ansatz der beiden war: Wenn bei der Gesichtserkennung der Vergleich von Überwachungsbild mit dem Fahndungsfoto nicht funktionieren soll, dann muss das Fahndungsfotos so manipuliert sein, dass der Gesuchte darauf nicht mehr zu erkennen ist.

Dafür nehmen die beiden Forscher zum Beispiel ein Foto von Povolny und eines von Chick. Diese Fotos werden dann "gemorpht": Sie werden so stark verzerrt, dass im Extremfall aus dem Povolny-Foto das Chick-Foto wird.

Gesichtserkennungstechnologie kann leicht manipuliert werden.

Künstliche Intelligenz - Wie Deepfakes Gesichtserkennung täuschen 

Der Einsatz von Videoüberwachung zur Identifizierung von Personen ist umstritten. Vielleicht ist er auch schon bald überholt. Denn Gesichtserkennung lässt sich leicht manipulieren.

von Peter Welchering

Innenministerium sucht nach Lösungen

Mit insgesamt vier neuronalen Netzwerken und einem zusätzlichen Bildverifizierungssystem wird das Ausgangsbild von Povolny in Richtung Chick-Bild  so verändert, dass das Gesichtserkennungssystem Povolny nicht mehr erkennen würde.

Der Mitarbeiter der Passbehörde würde das Bild aber durchgehen lassen. Denn der Mitarbeiter sieht Povolny, nicht Chick. Damit das erreicht wird, muss das System mehrere hundert Rechendurchläufe absolvieren.

Spiel mit dem virtuellen Doppelgänger

Wird Povolny jetzt am Flughafen von einer Überwachungskamera erfasst, kann das System ihn nicht identifizieren, weil der Wahrscheinlichkeitswert zu gering ist, dass das Bild von der Überwachungskamera dem Bild von Povolny ähnelt.

Deshalb sucht man im Bundesinnenministerium nach Möglichkeiten, solche Manipulationen an Passfotos zu verhindern. Ursprünglich wollten die Sicherheitsexperten deshalb Passfotos nur noch von Mitarbeitern der Meldebehörden anfertigen lassen.

Sicherheitsexperten bezweifeln Wirkung

Das haben die Berufsfotografen verhindert. Denn ihnen wäre mit den Passfotos ein wesentlicher Umsatzzweig weggebrochen. Nun sollen nach dem neue Ausweisgesetz auch Berufsfotografen nach wie vor Passfotos anfertigen, diese aber nicht mehr dem Kunden mitgeben, sondern über eine gesicherte Leitung an die Meldebehörde liefern. Sicherheitsexperten bezweifeln aber, dass dadurch Morphing-Manipulationen an Passfotos wirksam verhindert werden können.

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