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Petersberger Klimadialog - "Umschalten in den Notfallmodus"

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Der Kampf gegen die Klimakrise kommt in Schwung, so eine Analyse zum Start des Peterberger Klimadialogs. Noch aber ist die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit gigantisch.

Angela Merkel spricht beim Petersberger Klimadialog per Video
Angela Merkel spricht beim Petersberger Klimadialog per Video.
Quelle: dpa

Von "Handlungsbedarf" ist viel die Rede auf der Auftaktpressekonferenz zum Petersberger Klimadialog, und von "neuen Ambitionen". Auch die Feststellung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), dass die nächsten Jahre entscheidend sind, hört sich altbekannt an.

Bemerkenswert ist diesmal aber, was der Mann neben ihr zu sagen hat. Prof. Niklas Höhne vom Climate Action Tracker (CAT) spricht von einer "positiven Dynamik" und von einem "kleinen Durchbruch", den er nach langen Jahren der frustrierenden Beobachtung von Klimaverhandlungen zu vermelden hat.

Hintergrund ist eine neue CAT-Analyse, nach der die Erde derzeit auf eine Erwärmung von 2,4 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zuläuft. Das ist eine Verbesserung um immerhin 0,2 Grad gegenüber bisherigen Projektionen.

Klimaneutral als Ziel

Dabei spielen vor allem verschärfte Klimaziele für 2030 eine Rolle, die viele in den letzten Wochen verkündet haben. "Die Länder überbieten sich gerade gegenseitig mit Vorschlägen", so Höhne. "Insbesondere die USA und die EU haben hier einen großen Beitrag geleistet." Und: Insgesamt 131 Länder haben sich inzwischen entweder vorgenommen, klimaneutral zu werden, oder sie diskutieren zumindest darüber.

Sollten alle diese ankündigten Ziele optimal umgesetzt werden, wäre nach den Berechnungen nun sogar eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad möglich. Zur Erinnerung: Das Ziel des Klimavertrags von Paris liegt bei maximal zwei Grad, möglichst aber 1,5 Grad. Das Minimalziel könnte nun zumindest in Reichweite rücken.

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Maßnahme zum Klimaschutz fehlen

Voraussetzung ist aber, dass es nicht nur bei guten Vorsätzen bleibt. "Diese Ziele müssen hinterlegt werden mit kurzfristigen Maßnahmen. Und genau das fehlt", sagt Höhne.

Es klafft eine gigantische Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Prof. Niklas Höhne, Climate Action Tracker

Sollte die Klimapolitik tatsächlich auf dem aktuellen Niveau stagnieren, dann steuert die Erde laut CAT-Analyse auf eine Erwärmung von fast drei Grad zu.

Die Folgen wären katastrophal. "Eine Situation, die im Prinzip nicht beherrschbar ist und die wir unbedingt vermeiden müssen", warnt der Klimaforscher. Bis 2030 müsste der weltweite Treibhausgasausstoß halbiert werden, so Höhne. "Deshalb müssen alle Regierungen jetzt in den Notfallmodus umschalten."

Klimafinanzierung muss geklärt werden

Ob sie das auf dem Petersberger Klimadialog in dieser Woche tun werden, könnte sich am Donnerstag zeigen. Dann kommen unter anderem die Bundeskanzlerin und der UNO-Generalsekretär zu Wort. Außerdem wird auf Ministerebene getagt. Zu klären sind zum Beispiel technische Details für die Umsetzung des Pariser Klimavertrags, die wichtig sind, etwa um Reduktionszahlen international vergleichbar zu machen.

Und auch die Frage nach der Klimafinanzierung, also der Hilfe für ärmere Länder bei der Anpassung an die Folgen der Krise, ist noch nicht abschließend geklärt. Im Kern geht es um das so genannte 100-Milliarden-Dollar-Versprechen. Diese Summe sollte laut Pariser Vertrag eigentlich jährlich mobilisiert werden. Geschafft worden ist das bisher aber nicht.

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Vorbereitung auf Glasgow

Da der Klimadialog ein Vorbereitungsgipfel auf die Weltklimakonferenz im November in Glasgow ist, sind spektakuläre Ergebnisse in dieser Woche wohl nicht zu erwarten. Die Dynamik, angestoßen von US-Präsident Biden und auch vom Bundesverfassungsgericht in der letzten Woche, könnte sich aber weiter entfalten.

"Fortschritte sind möglich. Sie sind real", sagt auch Ministerin Schulze auf der Pressekonferenz. "Und diese Erkenntnis ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, Mehrheiten zu finden für die großen Aufgaben, die da vor uns stehen."

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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