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Grüner Neuanfang nach Corona? - Klimadialog: Jetzt kommt es auf Merkel an

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Wie geht es mit dem Klimaschutz nach Corona weiter? Beim Petersberger Dialog fordern viele einen grünen Neuanfang. Mit Spannung wird erwartet, wie sich Kanzlerin Merkel aufstellt.

"Fridays for Future" - Demonstration am 24. April in Berlin. Viele Protestplakate sind auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag ausgelegt.
Corona hat die Klimakrise in den Hintergrund gedrängt: Am Wochenende rückten Demonstranten in Berlin das Thema vor dem Reichstag wieder in den Fokus.
Quelle: dpa

Es ist knapp 14 Jahre her, dass Nicholas Stern zuletzt die Welt-Nachrichten beherrschte. Im Oktober 2006 stellte er, damals Leiter des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung, seinen 650 Seiten starken "Stern-Report" vor.

Durch den Klimawandel, so die Kernthese, drohten der Welt größere wirtschaftliche Schäden als durch beide Weltkriege zusammen. Im Raum stand eine unglaubliche Summe: 5,48 Billionen Euro. Es war eine Warnung, wie sie die Weltgemeinschaft bis dahin nicht gehört hatte.

Lord Stern: Kein Zurück zu steigenden CO2-Emissionen

14 Jahre später sitzt Lord Nicholas Stern vor einem Rechner in seinem Wohnhaus im südenglischen Sussex. Via Videokonferenz nimmt er am diesjährigen Petersberger Klimadialog teil. Und wieder warnt Stern in drastischen Worten: Wenn jetzt, nach der Corona-Krise, die Wirtschaft wieder aufgebaut werde, dann "darf es keinen Weg zurück geben". Kein Zurück in eine Welt, in der die CO2-Emissionen ständig weiter stiegen.

Berlin: Nick Stern spricht per Videoschalte zu Beginn des Petersberger Klimadialogs.
Lord Nicolas Stern warnt beim Petersberger Klimadialog: Risiken durch den Klimawandel "größer als das, was wir in der Corona-Krise feststellen".
Quelle: DPA

Stattdessen müsse man die Krise jetzt nutzen - für eine Transformation in eine klimaverträgliche Zukunft. Immer noch seien die Risiken durch den Klimawandel "größer als das, was wir in der Corona-Krise feststellen". Wieder eine Warnung, wie sie drastischer nicht ausfallen könnte. Verfängt sie diesmal?

Seit gestern bereits beraten Minister, Wissenschaftler und NGOs aus rund 30 Staaten über den Weg aus der Krise. Heute nun geht der Dialog eine Ebene höher - unter anderem mit UN-Generalsekretär António Guterres und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die große Frage: Wie verbindlich legt sich Merkel auf einen grünen Neustart fest?

Schulze stellt sich hinter "Green Deal" der EU

Ihre SPD-Umweltministerin Svenja Schulze lässt keinen Zweifel: Nach der Krise müsse es einen ökologischen Neuanfang geben. "Klimaschutz ist die Antwort, nicht das Problem!", ruft Schulze am Montag im Pressesaal ihres Ministeriums.

Svenja Schulze soll das neue Klimakabinett leiten. Archivbild.

Nachhaltiger Start nach Corona - Umweltministerin: "Klimawandel wartet nicht" 

Umweltministerin Svenja Schulze wirbt für einen grünen Neustart nach der Krise - und wendet sich energisch gegen Forderungen, die Wirtschaft von weiteren Belastungen zu verschonen.

Sie stellt sich nachdrücklich hinter den "Green Deal" der Europäischen Kommission, der das Pariser Klimaabkommen von 2015 fortschreibt - und statt der darin vorgesehenen Reduktion von 40 Prozent CO2-Emissionen gegenüber 1990 ein Minus von bis zu 55 Prozent plant. "Ich finde das richtig", sagt Schulze. Und ergänzt auf Nachfrage: "Das ist innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgestimmt".

Wie wird sich Kanzlerin Merkel positionieren?

Tatsächlich gibt es schon Kritik - etwa aus dem CDU-Wirtschaftsflügel. Gegenüber "Berlin direkt" hatte sich der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, für einen "Kassensturz" nach der Krise ausgesprochen:

Der Green Deal wurde konzipiert mit ganz anderen Rahmenbedingungen. Deshalb muss man sich überlegen, welche Belastungen sind zumutbar und machbar.
Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion

Im Video: Die Klimakrise im Schatten von Corona

Zugleich ruft die Autoindustrie nach Kaufprämien auch für Verbrennermotoren - und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verlangt, das Klimaziel für 2030 gehöre "dringend auf den Prüfstand". Jetzt kommt es auf Merkel an. Am Nachmittag wird sie sich äußern. Nicht nur Lord Stern wird aufmerksam zuhören.

Dem Autor auf Twitter folgen: @fneuhann

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