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Personalmangel : Wie kommen wir aus der Pflegekrise?

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In der Pandemie wurde geklatscht, die Politik versprach bessere Arbeitsbedingungen. Doch davon spüren viele Pflegekräfte bisher wenig. Was muss sich ändern, um sie zu entlasten?

Corona-Prämie für die Pflege in der Kritik.
Die Corona-Krise hat den Personalmangel in der Pflege drastisch verdeutlicht.
Quelle: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild/Archiv

"Mehr Personal, noch vor der Wahl!" Seit Tagen skandieren Beschäftigte der Hauptstadt-Kliniken Vivantes und Charité diese Forderung auf den Straßen Berlins. Sie streiken, denn sie fühlen sich überlastet. Zu den Streikenden gehört auch Intensivpflegerin Irena, die aus ihrem Alltag erzählt:

Jeder von uns muss permanent zu viele Patienten betreuen. Dadurch passiert es immer wieder, dass man was übersieht oder im Notfall nicht schnell genug beim Patienten ist - das geht nicht mehr!

Gesetzliche Mindeststandards werden nicht eingehalten

Zwar gibt es aktuell etwas mehr Pflegekräfte als noch vor einigen Jahren. Etwa dank der gesetzlichen Neuerung, dass die Krankenkassen den Kliniken Kosten für mehr Pflegepersonal am Bett ungedeckelt erstatten müssen.

Am Geld dürfte es seitdem nicht mehr scheitern - und doch ist der Mangel weiter groß. Noch nicht einmal die gesetzlichen Mindeststandards für die Personalausstattung werden eingehalten.

Pflegepersonaluntergrenzen

Die Krankenhäuser rechtfertigen die dünne Personaldecke damit, dass sie auf die Schnelle am Markt einfach zu wenig neue Kräfte fänden. Gleichzeitig ist die Überlastung ein Hauptgrund für viele, den Job hinzuschmeißen oder gar nicht erst aufzunehmen. Wie also diesen Teufelskreis durchbrechen?

Mainzer Modell wird auch in Berlin gefordert

Die Unimedizin Mainz hat da einen ersten Schritt gemacht: Die Klinik hat einen sogenannten Entlastungstarifvertrag abgeschlossen. Intensivpfleger Klaus Hampl und seine Kolleg*innen haben ihn gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelt.

Wir haben durchgeboxt, dass wir die aufwändigsten Patienten, die zum Beispiel an einer Herz-Lungen-Maschine hängen, eins zu eins betreuen können.
Klaus Hampl, Intensivpfleger

Sprich: Auf die Pflegekraft kommt dann nur ein*e Patient*in. Wird davon wegen eines Notfalls abgewichen und die Belastung steigt, bekommt Hampl dafür Freizeit gutgeschrieben: "Das heißt, wenn wir in Unterbesetzung arbeiten, erwirtschaften wir freie Tage, an denen wir uns dann erholen können."

Das Modell, das auch die Streikenden in Berlin anstreben, besteht aktuell an rund 20 Kliniken in Deutschland. Zumindest in Mainz wirkt es positiv: Die Klinik ist als Arbeitgeber attraktiver geworden.

Wir konnten seitdem unsere unbesetzten Stellen halbieren und waren selbst während der Coronakrise gegen den Trend unterwegs, indem wir neues Personal hinzugewonnen haben.
Christian Elsner, kaufmännischer Vorstand der Unimedizin

Attraktivere Aussichten für Pflegepersonal

Ein guter Anfang, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, meint Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler von der Hochschule Ostfalia. Für weitere Schritte lohne auch ein Blick in die USA: "Dort ist in den 80er-Jahren gegen den wachsenden Personalmangel das Konzept der Magnet-Krankenhäuser entwickelt worden", so Hasseler.

Das sind Kliniken, die Patienten und Personal durch besonders attraktive Bedingungen anziehen sollen.
Martina Hasseler, Pflege- und Rehabilitationswissenschaftlerin

Dazu gehöre neben regelmäßigen Dienstzeiten, dass Pflegekräfte Patient*innen nicht bloß verwahren, sondern auch mehr mobilisieren können. Heißt, dass sie sich regelmäßig weiterqualifizieren und erlernte Kompetenzen dann auch wirklich im Klinikalltag einbringen können. "Das macht den Beruf viel attraktiver - für Berufseinsteiger und bestehende Kräfte", so Hasseler.

Magnet-Krankenhäuser

Umfassende Überprüfungen sind notwenig

Wichtig wäre außerdem eine möglichst fundierte Übersicht, wie viele Kräfte für eine angemessene Versorgung wo gebraucht werden. Denn teils diagnostizieren Fachleute auch eine mögliche Überversorgung - etwa da, wo besonders lukrative Leistungen abgerechnet werden können.

Helfen könnten also auch eine bessere Verteilung von Pflegekräften und andere Finanzierungsgrundlagen für Kliniken. Für die Personalbemessung haben Berufsverbände der Pflege und der Kliniken dem Bundesgesundheitsministerium einen ersten Vorschlag gemacht.

Das Ministerium hat diesen jedoch bislang weitgehend ignoriert und Krankenhausverband und Krankenkassen stattdessen aufgetragen, bis 2025 einen neuen Vorschlag zu entwickeln. Reichlich spät, findet Pflegekraft Irena: "Es muss sich jetzt was ändern!"

Viel zu tun für eine neue Bundesregierung.

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