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Präsidentschaftswahl in Polen - Wer in der Stichwahl die besseren Karten hat

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Bei der Präsidentschaftswahl in Polen geht es in die Stichwahl. Dort deutet sich ein enges Rennen zwischen Amtsinhaber Duda und Herausforderer Trzaskowski an.

Andrzej Duda feiert sich nach dem ersten Wahlgang als Sieger. Der nationalkonservative Amtsinhaber, der aus dem Regierungslager der PiS-Partei stammt, liegt nach Auszählung der Stimmen von 99,77 Prozent der Wahlbezirke mit 43,67 Prozent vorne. Das sind mehr als 8,4 Millionen Stimmen. Sein liberalerer Herausforderer Rafal Trzaskowski kommt auf 30,34 Prozent der Stimmen (absolut: 5,8 Millionen).

Die Umfragen sehen gute Chancen für Trzaskowski - vorausgesetzt die Oppositionspolitiker, die in der ersten Runde rausgeflogen sind, stellen sich hinter ihn. Zählt man die Stimmen der Opposition zusammen, würde der Herausforderer in der Stichwahl tatsächlich vor Duda liegen. Doch so einfach ist die Rechnung nicht, denn die Opposition in Polen ist gespalten und will Trzaskowski nicht geschlossen unterstützen.

Der parteilose Szymon Holownia – im ersten Durchgang mit knapp 14 Prozent auf Platz drei gelandet – hatte bereits im Vorfeld der Wahl angekündigt, keine Wahlempfehlung an Trzaskowski in der Stichwahl abgeben zu wollen. Weil er im Vergleich zu Dudas Herausforderer als etwas konservativer gilt, ist nicht davon auszugehen, dass der gesamte Pool der knapp 2,7 Millionen Wähler zu Trzaskowski wandert.

Der viertplatzierte Kandidat der nationalen Rechten, Krzysztof Bosak (6,75 Prozent/1,3 Millionen Stimmen), bezeichnete die  Entscheidung zwischen Duda und Trzaskowski als Wahl zwischen Pest und Cholera. "Wir werden keinen dieser beider Herren unterstützen", sagte er dem Sender "Onet". Weil sich Trzaskowski in der Öffentlichkeit als LGBT-freundlich gibt, dürfte der geringste Teil der Bosak-Anhänger dem Herausforderer die Stimme geben.

Opposition sucht nach Gemeinsamkeiten

Ein Zünglein an der Waage könnten auch der Vorsitzende der Bauernpartei Wladyslaw Kosiniak-Kamysz (2,37 Prozent/457.000 Stimmen) und der Linken-Kandidat Robert Biedron (2,21 Prozent/425.000 Stimmen) sein. Auch Kosiniak-Kamysz zeigt sich in seinen Ansichten wertkonservativer als Trzaskowski, weswegen der ländliche Teil seiner Anhängerschaft auch zu Duda tendieren könnte.

Für einen Großteil der Biedron-Wähler sind sowohl Duda als auch Trzaskowski, dessen Partei sich selbst als liberal-konservativ und damit rechts vom Zentrum positioniert, unwählbar. Biedron schrieb heute auf Twitter: "Wir stimmen mit Rafal Trzaskowski nicht in allem überein, aber es verbinden uns einige gemeinsame Werte. Wir werden über diese Differenzen und Gemeinsamkeiten sprechen. Das Wohl Polens steht auf dem Spiel."

Ähnlich knapp wie 2015

"Es wird jetzt darum gehen, welcher der beiden Herren die größere Fähigkeit besitzt, neue Anhänger an sich zu binden", sagt der Warschauer Soziologe Andrzej Rychard dem ZDF. "Ich denke, dass Trzaskowski das größere Potenzial hat, sich eine breitere Wählerbasis aufzubauen" Duda habe sich die Türen "ein bisschen verschlossen, wenn es um die Wähler der Mitte geht".

Fazit: Die Stichwahl wird eine Lotterie werden. Der Unterschied zwischen diesen Kandidaten wird im Rahmen der Fehlertoleranz liegen. 2015 war es ähnlich: Damals setzte sich Duda mit 51,55 Prozent gegen den damaligen Amstinhaber Bronislaw Komorowski durch.

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von Natalie Steger, Warschau
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