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Präsidentschaftswahl in Polen - Antideutsche Töne vor der Stichwahl

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Präsidenten-Stichwahl am Sonntag in Polen: Amtsinhaber Duda und sein Herausforderer Trzaskowski liegen fast gleichauf. Duda könnte mit antideutschen Tönen auf Stimmenfang gehen.

Polens Präsident Andrzej Duda
Polens Präsident Andrzej Duda
Quelle: epa

Im Endspurt zur Stichwahl um das Präsidentenamt in Polen will der Amtsinhaber Andrzej Duda nach Einschätzung einer Expertin mit antideutschen Tönen zusätzliche Wähler gewinnen.

Die Situation ist gerade gut, um die antideutsche Karte zu spielen.
Agnieszka Lada, Deutsches Polen-Institut

Duda kämpfe einerseits um die Stimmen der älteren Anhänger der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, von denen viele bei der ersten Wahlrunde aus Angst vor Corona zuhause geblieben seien.

Außerdem werbe er um Wähler der rechtspopulistischen Konfederacja, deren Kandidat es nicht in die Stichwahl schaffte.

Diese Wähler gewinnt man nicht mit prodeutschen, friedlichen Tönen. Die muss man negativ motivieren.
Agnieszka Lada, Deutsches Polen-Institut

Stichwahl: Duda gegen Trzaskowski

Die rund 30 Millionen Wähler in Polen entscheiden am Sonntag, wer ihr neuer Präsident sein wird. Laut Umfragen liegen Duda und sein oppositioneller Herausforderer, der Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski, fast gleichauf.

Die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar sieht Trzaskowski bei 46,5 Prozent der Stimmen, Duda bei 45,9 Prozent. Eine andere Befragung kommt dagegen für Duda auf 47 Prozent, für Trzaskowski auf 46 Prozent der Stimmen.

Polnisches Außenministerium: Kritik an deutsche Medien

Am Mittwoch hatte das Außenministerium in Warschau den Geschäftsträger der deutschen Botschaft einbestellt. Wie das Ministerium nach dem Gespräch mitteilte, kritisierte Polen dabei "die Manipulationen und die einseitige Bewertung, die in einer Serie von Artikeln deutscher Medien sowie polnischer Medien mit deutscher Kapitalbeteiligung zutage getreten" seien. Es sei der Eindruck entstanden, dass diese Medien bei der Wahl eine Seite unterstützen wollten.

Zuvor hatte eine polnische Boulevardzeitung, die teilweise in deutschem Besitz ist, darüber berichtet, dass Duda einen Pädophilen begnadigt hatte. "Heute sehen wir einen weiteren Fall eines deutschen Angriffs bei dieser Wahl", hatte Duda vergangene Woche dazu gesagt.

Außerdem attackierte der polnische Präsident Andrzej Duda den deutschen "Welt"-Korrespondenten Philipp Fritz, dem er eine versuchte Einflussnahme auf den Wahlkampf vorwarf.

Antideutsche Töne für rechtspopulistische Stimmen

Auch die Politologin Anna Materska-Sosnowska von der Universität Warschau geht davon aus, dass Duda mit antideutschen Ressentiments die Anhänger der Konfederacja gewinnen möchte. Dies sei aber eine falsche und schädliche Rhetorik.

Die Politiker der PiS wollen sich nicht eingestehen, dass Deutschland an unserer Seite steht und unser bester und wichtigster Nachbar ist.
Anna Materska-Sosnowska, Politologin

In Polen amtiert der Präsident fünf Jahre. Das Staatsoberhaupt repräsentiert das Land nicht nur nach außen. Der Präsident hat auch Einfluss auf die Außenpolitik, er ernennt den Ministerpräsidenten sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen Streitkräfte.

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