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Unter Männern - Was bremst Frauen in der Politik?

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Politik ist eine Männerwelt: Überall dort, wo Frauen an die Spitze wollen, müssen sie sich gegen Vorurteile durchsetzen und gegen Anfeindungen ankämpfen.

16 Jahre lang war Angela Merkel Regierungschefin, als erste Frau überhaupt im Kanzleramt. In ihrer Amtszeit ist beim Frauenanteil im Bundestag wenig passiert.

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Zu jung, zu unerfahren - in diese Schublade wird sie immer wieder gesteckt. Eliza Diekmann ist Bürgermeisterin im westfälischen Coesfeld, eine Kleinstadt im Münsterland mit knapp 36.000 Einwohnern. Im Wahlkampf hat sie zu spüren bekommen, wie Männer versuchen, Frauen in der Politik zu verhindern:

Es gab Sprüche, ich würde nur gewählt, weil ich hübsch sei auf den Plakaten.
Eliza Diekmann, Bürgermeisterin von Coesfeld

Auf's Frausein reduziert

Dass der Weg an die Spitze so schwer werden würde, damit hat sie nicht gerechnet. In Coesfeld ist sie die erste Frau im Amt. Die Jüngste. Und die erste ohne CDU-Parteibuch. Die 34-Jährige ärgert, dass ihre Qualifikation nur wenige zu interessieren schien:

Für mich spielt es eine Rolle, ob ich qualifiziert bin, ob ich die Menschen ansprechen kann, ob ich die richtigen Antworten finde, dass ich die Ergebnisse liefere.
Eliza Diekmann

"Aber wie ich das organisiere mit meinen privaten Bedürfnissen - das war für mich einfach nicht präsent, dass das eine Rolle spielt", so Diekmann.

Sexismus als letztes Mittel

Die gebürtige Steinfurterin ist nach dem Abitur durch Asien gereist, hat Publizistik und Politikwissenschaften in Wien, Valencia und London studiert, in Berlin und Frankfurt als Journalistin gearbeitet. Doch im Wahlkampf zählte nicht, was sie kann, sondern vor allem ihr Privatleben.

Als ihr Mann und sie sich trennten, hat die CDU das öffentlich gemacht: "Da wurde versucht, ja auch zu zeigen, dass ich nicht fähig bin, dieses Amt auszuführen."

Da wurde schon so indirekt gesagt: Wenn sie ihre private Beziehung nicht auf die Reihe kriegt, wie will sie eine Stadtverwaltung führen?
Eliza Diekmann

Auch ihre Rolle als zweifache Mutter wurde in Frage gestellt. Sie hörte immer wieder: "Warum hat sie überhaupt Kinder bekommen, wenn sie jetzt so ein Amt übernimmt?"

Auch ihr Amt als Bürgermeisterin schützt sie nicht davor, dass alte Muster wieder aufbrechen: "Wenn es dann mal in die Diskussion geht, die ein bisschen angespannter wird, da höre ich dann häufiger solche Sprüche wie: Ach Mädchen, mein du mal. Wir zeigen dir da schon, wie das dann geht."

Deutschland ist unter anderem dafür bekannt, dass es mit Angela Merkel eine Frau an seiner politischen Spitze hat. Doch mit 31,2 Prozent ist der Frauenanteil im Bundestag sonst eher gering. Sagt unsere Korrespondentin Andrea Maurer.

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Frauen in der Politik unterrepräsentiert

Solche Erfahrungen kennen viele Frauen, die sich politisch engagieren wollen - und viele schreckt das ab. Ein Blick auf den Frauenanteil in der Politik zeigt: Frauen sind in allen Bereichen unterrepräsentiert. Es gibt derzeit vierzehn Ministerpräsidenten und gerade mal zwei Ministerpräsidentinnen. Und nur neun Prozent Bürgermeisterinnen.

Im Bundestag ist der Frauenanteil von der vergangenen Legislaturperiode zur aktuellen sogar gesunken, von 36,5 auf 31,4 Prozent. Daran konnte auch Angela Merkel nichts ändern, obwohl sie sechszehn Jahre lang Regierungschefin war, als erste Frau überhaupt im Kanzleramt. Politik ist eine Männerwelt - in Bund, Ländern und Kommunen.

Anfeindungen nehmen extreme Formen an

Nicht nur sexistische Sprüche auch Hass und Hetze hindern Frauen daran, in die Politik zu gehen, beobachtet Helga Lukoschat. Die Politikwissenschaftlerin analysiert: In sozialen Netzwerken seien Frauen wüsten Beschimpfungen mit Vergewaltigungsfantasien ausgesetzt:

Da geht es oft auch wirklich an ihre Identität als Frau.
Helga Lukoschat, Politikwissenschaftlerin

Das führe auch dazu, dass junge Frauen sich zurückzögen: "Wir haben auch gehört tatsächlich, dass auch junge Frauen gesagt haben: Nein, das tun wir uns nicht an."

Auch prominente Politikerinnen wie Claudia Roth von den Grünen sind solchem Hass ausgesetzt. Die Bundestagsvizepräsidentin kritisiert, dass sich seit dem Einzug der AfD in den Bundestag das Klima im Parlament verändert habe. Sie sagt: "Es ist aggressiver und anmachender geworden."

Eine junge Frau zeigt auf ihrem Smartphone den Schriftzug #metoo. Millionen Frauen in Deutschland sind Opfer von sexuellen Belästigungen und Beleidigungen.

Frauen besser schützen - Lambrecht: Sexuelle Beleidigung bestrafen 

Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD) zeigt sich offen, sexuelle Belästigungen und Beleidigungen gegen Frauen unter Strafe zu stellen. Bisher seien die Justizhürden zu hoch.

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