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US-Autor über den Präsidenten - Warum Trump kein Populist ist

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In den USA hat Populismus eine lange Geschichte. Früher kämpften Populisten für ökonomische Gerechtigkeit. Mit Trump hat diese Tradition nichts zu tun, so Autor Thomas Frank.

Der US-amerikanische Autor und Historiker Thomas Frank stellt mit seinem Buch "The People, No" unser Verständnis des Begriffs "Populismus" völlig auf den Kopf.

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Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in Florida nach seiner Covid-19-Erkrankung hat Donald Trump versprochen, dass bald ein Impfstoff für alle kommt. Er, der Multimilliardär, gibt seinen Anhängern das Gefühl, einer von ihnen zu sein. Doch wer Trump einen Populisten nennt, der irrt - sagt der US-amerikanische Autor Thomas Frank.

Amerikanischer Populismus hat seinen Ursprung in der "People's Party"

In seinem Buch "The people, No" nimmt der Historiker die Geschichte des amerikanischen Populismus in den Blick. In den USA geht der Begriff ursprünglich auf eine Bewegung von Bauern und Arbeitern zurück, die Ende des 19. Jahrhunderts für ökonomische Reformen gekämpft haben: die "People's Party". Gegründet 1891. Mitten in einer Wirtschaftskrise.

Thomas Frank, Buchautor
Ein Interview mit Autor Thomas Frank sehen Sie im obigen Video.
Quelle: ZDF

Bauern leiden unter hohen Getreidepreisen. Hohe Transportkosten treiben die Verschuldung in die Höhe. Gemeinsam mit Arbeitern gründen die Bauern eine dritte Partei der USA.

Sie fordern, die Eisenbahn zu verstaatlichen und den sogenannten Gold-Standard zu beenden. Dieser treibt den Wert des Dollars in die Höhe - und damit die Schulden.

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von Caroline Leicht

Populisten-Begriff taucht in den USA erstmals 1892 öffentlich auf

Sie verbünden sich mit schwarzen Farmern aus dem Süden, wollen die Macht ökonomischer Monopole brechen und die Gesellschaft grundlegend reformieren - unter anderem mit der Forderung, dass Frauen wählen dürfen. Sie selbst bezeichnen sich als Populisten. Im "American Nonconformist", einer Zeitung aus Kansas, werden sie 1892 auch öffentlich als Populisten bezeichnet: Ein neuer Begriff ist geboren.

Vier Jahre später nominiert die "People's Party" gemeinsam mit der Demokratischen Partei einen Präsidentschaftskandidaten: William Jennings Bryan. Aber das Establishment attackiert ihn gnadenlos - Bryan verliert die Wahl. Die Eliten sehen sich in ihrem Machtanspruch bedroht.

Roosevelt verhilft den Populisten in den 1930er Jahren zum Durchbruch

Bis in die 1930er Jahre finden die Ideen der Populisten keine Mehrheiten - bis ihnen der Demokrat Franklin D. Roosevelt mitten in der Weltwirtschaftskrise zum Durchbruch verhilft. Mit seinem "New Deal" will er Amerika dem Volk zurückgeben.

Roosevelt macht nicht nur populistische Versprechen, er liefert - schreibt Frank. Der Ausnahmepräsident reguliert die Wall Street, zerschlägt Großbanken, reguliert die Eisenbahn, unterstützt Bauern, bringt Arbeitslose in Arbeit. Der Traum der Populisten erfüllt sich.

Doch die Demokraten verabschieden sich in den 70er Jahren von ihren populistischen Wurzeln, wollen keine Politik mehr für die Arbeiterklasse machen. Davon profitiert Präsident Ronald Reagan. Mit ihm beginnt in den 1980ern das, was Frank als "pseudopopulistische Revolution" bezeichnet.

Reagan geißelt den Staat als Elitenprojekt, das angeblich dem Volk das Geld aus der Tasche zieht. Der ehemalige Schauspieler inszeniert sich als Präsident der kleinen Leute - in Wahrheit profitiert von seiner Politik allein das "Big Business".

Trump - und sein pseudopopulistisches in Szene setzen

In diese Kontinuität reiht sich auch Trump als Präsident ein. Die Steuerlast der Superreichen ist unter ihm auf einen historischen Tiefstand gesunken: Trump selbst hat laut Berichten der New York Times 2017 nur 750 US-Dollar Steuern bezahlt. Frank entlarvt den rechten Populismus als bloße rhetorische Strategie. Er macht aber auch deutlich, dass erst die Demokraten den Boden dafür bereitet haben. Durch eine Politik, die sich vor allem an die obere Mittelklasse richtet - dafür stehen Bill und Hillary Clinton.

Donald Trump und Joe Biden haben sich mit zeitgleichen TV-Auftritten den Fragen von Wählern gestellt. Biden kritisierte dabei erneut den Umgang des Präsidenten mit der Corona-Krise. Trump weigerte sich derweil von Verschwörungstheorien Abstand zu nehmen.

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"We the people" - Populismus als Heilmittel für eine Nation?

In Franks Augen kümmert sich heute keine der beiden Parteien mehr um die Interessen der Arbeiterklasse. Der Populismus ist nicht die Krankheit, an der Amerika leidet, sondern deren Heilung - sagt Frank. Und erst wenn die demokratische Partei ihre populistischen Wurzeln wiederentdeckt, hat sie eine Chance darauf, wieder Mehrheiten zu gewinnen.

"We the people" - der erste Satz der amerikanischen Verfassung. Die Partei, die dieses Versprechen in reale Politik übersetzt, könnte das tief gespaltene Land einen - davon ist Frank überzeugt.

Cornelius Janzen ist Redakteur bei 3sat Kulturzeit.

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