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Präimplantationsdiagnostik - Gericht erweitert PID-Anwendung

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Wann darf man Embryonen untersuchen und aussortieren, um eine unheilbare Erbkrankheit zu vermeiden? Das Bundesverwaltungsgericht lässt nun mehr zu, als bisher erlaubt war.

Das Bundesverwaltungsgericht hat geurteilt.

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Es geht um die Präimplantationsdiagnostik. Im Prinzip ist sie in Deutschland verboten; doch Ehepaare dürfen sie ausnahmsweise in Anspruch nehmen, wenn ein hohes Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit droht. Mehrere Eizellen der Frau werden dann außerhalb des Körpers in der Petrischale befruchtet.

Nach vier oder fünf Tagen kann man die Embryonen untersuchen und feststellen, welche von ihnen die Krankheit, die die Familie plagt, geerbt haben. Nur unbelastete Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter eingesetzt.

Weggeworfene Embryonen

Das Problem dabei: Die kranken Embryonen werden weggeworfen. Doch auch Embryonen stehen unter dem Schutz der Rechtsordnung. Es muss also abgewogen werden zwischen dem Leid, das eine unheilbare Erbkrankheit mit sich bringt und dem Schutzanspruch des Embryos, der aussortiert wird.

Der Gesetzgeber wollte diese Frage im Embryonenschutzgesetz regeln. Der Kompromiss, auf den man sich nach langem Streit einigte: Straflos bleibt die Präimplantationsdiagnostik nur, wenn ein "hohes Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit" besteht. Aber was heißt "schwerwiegend"?

Tödlicher Verlauf

Der aktuelle Fall: Ein Paar aus Bayern möchte das Risiko einer erblichen unheilbaren Muskelkrankheit (Myotone Dystrophie Typ 1) ausschließen, an der der Ehemann leidet. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vater sie an das Kind vererbt, liegt bei 50 Prozent.

Die Krankheit führt dann - manchmal schon in der Kindheit, meistens aber erst in den mittleren Lebensjahren - unweigerlich zu einer immer weiter fortschreitenden Bewegungsunfähigkeit. Am Ende ist weder Kauen noch Schlucken möglich.

Genehmigung wird großzügiger gehandhabt

Weil es seinem Kind das ersparen wollte, stellte das Paar einen Antrag auf Präimplantationsdiagnostik. Doch die zuständige Ethikkommission in Bayern lehnte das ab, die ersten beiden Gerichtsinstanzen bestätigten die Entscheidung.

Bildschirm mit Präimplantationsdiagnostik
Präimplantationsdiagnostik per Monitor.

Weil die Krankheit im vorliegenden Fall vermutlich erst im Erwachsenenalter auftrete, sei sie nicht "schwerwiegend" im Sinne des Gesetzes. Erlaubt sei die vorgeburtliche Diagnostik nur bei Erbkrankheiten, die schon in der Kindheit einen tödlichen Verlauf nehmen.

Erst vor dem Bundesverwaltungsgericht hatte das Paar Erfolg. Die Präimplantationsdiagnostik ist auch bei solchen unheilbaren Erbkrankheiten zulässig, die häufig erst im Erwachsenenalter auftreten - so das Urteil. Damit hat das Gericht den Rahmen des Erlaubten deutlich erweitert. 

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